Nix mit Totschweigen…|| || 23 Kommentare |
…der WM. Mir fiel heute auf, dass es gelegentlich doch sein Gutes hat, wenn man das Real Life abschafft. Manchmal ist mir nicht richtig wohl dabei, aber wenn ich, wie heut abend geschehen, noch im Supermarkt was für morgen einpacke und vor mir stehen die Mädels mit Kinderalkohol und Perso in der Hand, geziert mit Symbolen unseres teuren Vaterlands, dann bin ich froh, dass ich in der Regel nicht aus dem Haus komme.
Was ich hingegen von der ganzen Patriotismusscheiße halten soll, durch die man grade in Presse wie Reallife grade knietief watet, weiss ich noch nicht so recht. Ich hatts heut kurz mit gulli davon und später kurz mit tw_24, ich bin noch unentschlossen, ob da grade irgendwas grusliges entsteht oder im Gegenteil grade eine der heiligen Kühe der rechten Scharfmacher auf dem Altar der Spassgesellschaft geschlachtet wird. So in Richtung unabsichtliche Dekonstruktion. Ich blogg da der Tage vielleicht noch was zu, ich denk aber, Franz Josef Wagner kann man als Stichwortgeber in der Geschichte an sich außen vorlassen, tw. Der Mann ist einfach nur irre.
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Gruselige Tendenzen sind auf jeden Fall auszumachen, ob mehr daraus entsteht in naher oder nicht allzu ferner Zukunft, wer weiß? Ich hoffe es nicht, aber wenn ich die patriotismustrunkenen Fahnenwedler so sehe, die gleichermaßen Hurra für so manches nicht verdiente Tor schreien und zugleich den “gerechtfertigten” Maßnahmen gen Minderheiten in Deutschland lachend entgegensehen, so vermeine ich doch übles zu riechen. Die Republik stinkt!
Das ist ein Punkt. Gerade wegen der fahnenschwenkenden Volldeppen will z. B. die Politik die Gesundheitsreform bis zum 09. Juli (Endspiel) durch bringen. Das Gruselige an der ganzen Sache: Es funktioniert. Wenn ich dann noch mit Leuten, die ich seit Jahren kenne, telefoniere, die ich für intelligent halte, eher dem linken Spektrum zuordne, da aber auch zu hören kriege, ich Prinzip ist der Gemeinschaftsdienst keine schlechte Sache, bekommt man echt Angst…
Der Zynismus hätte mich jetzt aber derbst interessiert :)
Es paßt halt im Moment alles zusammen, ist ja nicht die erste WM die ich erlebe ;)
Ich muss allerdings Korrupt widersprechen. Klar ist es schön, dass mal alle irgendwie gemeinsam feier. Aber es stimmt extrem traurig, dass es dazu so ein Kasperletheater braucht, welches rund um die WM generiert wurde. Denn Anlässe _etwas gemeinsam zu tun_ gäbe es immer. Nur tuts keiner – sobald der Schlusspfiff kam, macht wieder jeder seins. Und daher sag ich auch, dass dies alles grosse Scheisse ist.
Das wohl bisher passendste Zitat hab ich gestern ausgerechnet bem Knüwer gelesen: “Nein, Leute, Ihr ward nicht alle Brasilianer. Die, die Ihr zu Tausenden in apfelgrün-blassgelben Hemden aufgelaufen seid. Dazu waren Eure Haut zu blass und Eure Haare zu blond. Ihr seid Modefans, die auf der Seite der Gewinner stehen wollen.”
Das ist doch die eigentliche Intention – die Leute wollen wenigstens einmal in ihrem Leben das Gefühl haben, ein Gewinner zu sein.
Ich glaube eher es ist eher die Motivation, “es gibt wieder was zu feiern” – wem man dan zugrölt ist letztendlich schnuppe.
Ich war vorhin eine Stunde am und um den Hamburger Hauptbahnhof unterwegs. Da musste ich an diese Worte denken. Da gibt es nur eine Party. Ob Costa Rica, Eciador (die heute gegeneinander spielen), ob Mexico, Kolumbien oder Deutschland, sie stehen nicht grüppchenweise zusammen, nein, gemischt, wer wo steht, ist völlig egal, es ist einfach eine große Party.
Sicherlich ist das also ein eine Seite der Medaille. Doch während man bei den genannten Ländern das Wort sozial, Familie, Füreinander-Dasein noch kennt, sogar _der_ Lebensinhalt ist, ist beim normalen Deutschen die andere Bevölkerungsgruppe am Abend dann wieder das asiziale Pack.
Der tägliche Wahnsinn unserer Spassgesellschaft? Ich wags nicht zu behaupten, dass diese Motivation von den Deutschen ausgeht – eher lassen sie sich da jetzt im Strudel mitreissen :)
Das Nachdenken darüber, dass man Menschen eben durchaus als gleichwertig betrachten sollte – egal welcher Herkunft oder mit welchem Einkommen, sollte an sich nie aufhören. Solang man mit Geld Macht und Prestige erkaufen kann, wird sich in dieser Gesellschaft so schnell nichts ändern. Da ändern die paar (zum Großteil durchaus bisher sehenswerten) Fußballspiele eben auch nichts. Denn nicht die breite Masse kriegt die Augen geöffnet, sondern eben (wie du sagst) wieder nur paar Wenige. Zu Wenige in meinen Augen.
[...] Ja und nebenan gabs bzw. gibts feine Diskussionen zu gequirlter Scheisse aus der Krümelluke eines Bundestags-Hinterbänklers und zum derzeit überschwenglich gefeierten Patriotismus. [...]
Btw., wir reden grade dauernd davon, dass ja grade alle Welt drauf scheisst, was neben der WM passiert. Tun ja gar nicht alle, merken wir grade.
Dieser text, die Kommentare und v.a. dann die Homepages der Kommentierenden, hey, das macht doch auch hoffen.
Revolution will eat itself.
>> 15.06.2006 19:20:29 missantroph wrote:
>> hergott, ich weiß, warum ich keine freundinnen hab. das ist alles arg gruselig
Grausam, Gott-sei-Dank gruselt es meine Frau da genauso und gar meine Mutter :D
Stimmt, wenn man solche hat, braucht man keine Feinde mehr oder baut sich diese an der Stelle, wo man normal selbst von profitiert. Darf ich das Wortungetüm “Kleingeistigkeit” endlich mal wieder reinwerfen :) Aber was gutes hat es – wir brauche nicht nach Satire suchen, die Realität ist viel besser.
Pop will eat itself und die sangen schonmal “Ich bin ein Ausländer” im feinsten gebrochenen Deutsch. Mal wieder auflegen oder schaun, obs das irgendwie zum Downloaden gibt.
Bitterböse ist das hier :D
Nein, nebenan bei mir… da wird nämlich zurückgebasht.
Chris du machst mir Angst. Scheinbar kannst du hellsehen…
[...] Aber irgendwie meinte der Korrupt, dass mein gestriger Artikel sehr trefflich aufzeigen würde, wohin solche Dummheit bei Menschen führen kann (und ich bring das Wort Kleingeistigkeit mal wieder hier unter – das gefällt mir nämlich ausgesprochen gut). Und er hat irgendwie recht – solche strunzdummen Möchtegern-Proleten-Zwergenaufstände treffen nämlich per se die Falschen mit ihrem zweifelhaften Anspruch nach Gerechtigkeit. [...]
[...] Mal eine kleine Aufklärung für die tatsächlichen PISA-Versager, im dritten Reich sang man nur die erste Strophe zusammen mit der Parteihymne der Nazis. Wir nutzen heute nur die dritte Strophe, alle drei Strophen galten aber bis zur Wiedervereinigung als Hymne (gesungen wurde nur die dritte Strophe). Friedrich Ebert erst machte dieses Lied zur Hymne. Bei einer solchen Thematik tendiere ich zwar lieber zu derlei Aussagen wie hier und hier, aber bitte, liebe Lehrer – Verhältnismäßigkeit! Die politische Bedeutung von Hoffmann bestand im Kampf für die verloren gegangenen bürgerlichen Freiheiten und in den Bestrebungen zur Schaffung eines geeinten, demokratischen, deutschen Vaterlandes. Letzteres geschah vor allem durch sein Deutschlandlied, das seinerzeit von Studenten und freiheitlich gesinnten Bürgern begeistert gesungen wurde. Seine Gedichte der Unpolitischen Lieder, welche natürlich ganz und gar nicht unpolitisch waren, griffen die staatlich-politischen Verhältnisse jener Zeit an […] [...]
[...] Bundespräsident Köhler und Ökotante Künast, die schon oft in ihrer Amtszeit zeigte was Grün nicht ist, sehen das Fahnenmeer in Deutschland positiv, keineswegs sei da Schlimmes auf dem Weg. Und eine portugisische Zeitung tituliert das ganze noch als Gruppentherapie für die Deutschen. [...]
[...] wurde hier aufgegriffen, fand seinen Weg in diese Diskussion, wurde aufgrund Kommentarprobleme hier beantwortet und vom Falk hier kopfschüttelnd gelesen und [...]