27c3, Tag 2, Freuden und Ängste

…gestern klangs schon ein wenig an, ich mach mal weiter mit dem Tagesrückblicken. Heute war wieder einer dieser Veranstaltungstage, die mir Hoffnung machen, weil es einfach immer wieder so groß ist, einfach eine Latte cleverer, couragierter und auch einigermaßen bekloppter Leute zu sehen, was sie alles so machen. Die Mobilhackerei wird groß, da hab ich nebenan schon ein wenig was getickert und muss auch noch was nachschieben, Das Netz scheint manchmal so erwachsen, aber dann merkt man, dass da nur wenig gekratzt werden muss, um mit nem DHT und ein paar Tools veritables Chaos anzurichten, dann rennt einem wie immer Hardwarehacking, Blinkenlichten und was noch alles über den Weg. Es ist schön. Ein wenig hängengeblieben sind heute trotzdem ein wenig die Sorgen, das liegt an meinen beiden letzten Veranstaltungen heute.

Da war also Nick Merrill, der sein Hostingbuisiness in den USA machte, bis dann irgendwann das FBI mit einer Sache in Bezug auf einen seiner Kunden an seiner Tür stand, über der er mit niemandem sprechen durfte. Er tats trotzdem mit seinem Anwalt und denen der ACLU, und die durften ihm dann sagen, dass man dagegen vorgehen solle, aber was da drohe – ob er dann womöglich einfach ein paar Jahre im Knast oder wo noch schlimmer verschwände, das könne man eben nicht sagen. Sie taten es trotzdem, “gewannen” auch irgendwie ein Stück weit dahingehend, dass die Selbstverständlichkeit festgestellt wurde, dass er das Recht hat, den Fall mit seinem Rechtsbeistand zu besprechen. Die Sache ist nicht durch, wenn er über den konkreten Fall redet, wandert er bis zu zehn Jahre in den Knast. Das passiert aktuell im Vorzeigeland westlicher Werte, Freiheitsrechte und Demokratie, und klar ist der USA-Bash angesichts der Terrorhysterie billig und dennoch, es sind weit über hunderttausend Menschen dort in einer ähnlichen Situation. Dünn ist der Lack der Zivilisation.

Mir fielen dann ein paar Unterhaltungen ein, die ich in der letzten Zeit in Bezug auf Stuttgart 21 geführt hatte, wo es eben auch auf einmal um vermeintliche Selbstverständlichkeiten ging, begonnen mit Versammlungsfreiheit und endend mit der Notwendigkeit sicherer, abhörfreier Kommunikation. An sich direkt vor meiner Nase, ganz konkret.

Dass dann eine wunderbare Hörspielveranstaltung zum von mir schwer verehrten Stanislaw Lem als Tagesabschluss folgte, machte das eher noch deutlicher – Lems Pessimismus in Bezug auf den angesprochenen, dünnen Lack ist auch mit ganz konkreten Erfahrungen seinerseits hinterfüttert, ob nun Besatzung in Polen oder die Zeit hinter dem eisernen Vorhang. Hinzu eine Technik, die oft mehr zuzudecken und zu überfluten scheint, als dass sie Bewältigungsmittel und -werkzeug für eine immer komplexere Lebenswelt wird.

Weshalb mir eben wichtiger denn je scheint, neben der Pflege eines gesunden Zynismus und der notwendigen Gelassenheit einfach auch die Techniken zu beherrschen, sich das Wissen anzueignen und permanent zu nutzen und zu verbreiten, das einem eben die erwähnten Werkzeuge verschafft.

Letzteres passiert hier einmal mehr wieder, und auch wenn ich heute auch ein wenig Bauchschmerzen hatte ob literarischer Abschweifungen und einem “Konzert”, bei dem mir die simple Präsenz eines Steinway auf einer Congressbühne vage bis konkrete Bauchschmerzen macht, auch wenn ich mit dem allgemeinen “guckt mal, die sind lieb!”-Wunschversteherei des Congressmottos im Blätterwald wenig anfangen kann, es ist klasse. Begonnen mit den Leuten, vor deren Courage ich schlicht nur den Hut ziehen kann bis hin zum LED-Leuchtventilator im Hackcenter, der letzten Endes auch die Welt ein wenig schöner macht und eben auch das wichtigste zeigt: dass wir es können. Auch wenn wir uns nicht drauf verlassen dürfen, dass die Hacker irgendwann alles richten, kurz bevor der Zivilisationsuntergang den anstehenden Vollzug anmeldet.n Ach, ich weiß auch nicht, drunter gehts grade nicht, aber wie gesagt, es gab so ein paar Geschichten und Vorträge heute, die lassen mich einfach ein wenig verstört zurück.

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