Dostojewskijanfall…Category: ich gegen die wirklichkeit | |
21 01 2006 |
…wie alle zwei Jahre wieder. Dann kram ich meine Lieblingsbücher von ihm raus und muss die lesen, und irgendwie lesen sie sich immer anders als das letzte Mal. Gutes Zeichen, die Bücher sind dieselben, man selber offenbar ein anderer.
Was beim diesjährigen Anfall seltsam ist: ich seh vor allem den komischen Schriftsteller. Was ich eigentlich schon seit Jahren wissen müsste, denn Dostojewkij *ist* komisch, und von Henscheid gibts mit den Vollidioten ja eine… nun, nicht mal Parodie, sondern einfach nur eine etwas modernere D.-Adaption, weil da ist die typische Komik nur ein wenig konzentrierter und in ein zeitgemäßes Umfeld verpackt, und die las ich schon vor Jahren mit Begeisterung. So richtig zusammen ging das aber bislang noch nie, jetzt bin ich beim “Jüngling” und seh dauernd das Komische, und es ist prima. Man sitzt bzw. liegt vor einem großen toten Russen und liest Sätze wie “Ich habe soeben überlesen, was ich geschrieben habe, und muss sagen, das ich viel klüger bin, als das Geschriebene vermuten ließe”, er kann schreiben, was und wie er will, es ist großartig. Für solche Sätze wäre ich bereit, ihm gar seine Christlichkeit nachzusehen, wenn ich nicht ohnehin wissen würde, dass es ihm wie auch der restlichen toten und lebendigen Menschheit scheißegal ist, was ich von der christlichen Message bei Dostojewskij halte oder nicht. Egal.
Kurzer Nachtrag: wer sich die Vollidioten antun will: nach ner Einzelausgabe stöbern. Die gibts auch in nem Dreierpack mit zwei anderen Henscheids, und vielleicht bin ich da nur nicht auf den Geschmack gekommen, aber “Die Mätresse des Bischofs” und “Geht in Ordnung…” fallen imo derbe gegenüber den Vollidioten ab.
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Du erinnerst mich gerade daran, das ich dir noch eine Liste mit Büchern zusammenstellen wollte…. Ob ich das vor dem nächsten Anfall hinbekomme? : o)
[...] …vor 125 Jahren, und wenns mir die Missi grade nicht gesagt hätte, wärs völlig an mir vorbeigegangen. In der Blogosphägre scheint es nicht richtig präsent zu sein, wenngleich ich da in den letzten Wochen beim gelegentlichen Stöbern dann doch häufig auf “grade les ich…” - Einträge stieß, aber so viele sinds nicht, mein Dostojewskijanfall ist bei Technorati noch auf der Startseite der Suchergebnisse. 9.Februar 1881, Fjodor M. Dostojewskij tot, drei Tage später sind zwischen 50.000 und 60.000 Leute auf seiner Beerdigung. [...]