Tracking Cookies, Do Not Track, ABP und die EFF

Nicht damit gerechnet, aber doch was mit direktem Jobbezug, was ein paar der Leute interessieren könnte, die angesichts des FF22-Rollouts *ohne* default-off-3rd Party Cookies aufgeatmet hatten. Dazwischenrein einige Bildimpressionen vom dritten Tag OHM2013, meist unrelatiert.

OHM2013, EFF zu Cookie Tracking

OHM2013, EFF zu Cookie Tracking

Peter Eckersley von der Electronic Frontier Foundation stellte das Problem aus der Sicht der EFF dar und die Maßnahmen, die sie aktuell vorantreiben. Einen wirklichen Stand der Dinge bzw. ein “da müssen wir hin” bzw. “So und so gehts weiter” gabs nicht (erwartbar), die Sichtweise der EFF war indessen spannend und ein, zwei Punkte gaben mir zumindest Stoff zum Nachdenken bzw. die Situation neu einzuordnen.

Einerseits: Tracking ist aktuell praktisch unvermeidbar, und auch der EFF ist klar, dass Fingerprinting das kommende große Ding ist. Ansonsten eben Cookies, Supercookies, LSO und so weiter. Man sollte den Leuten die Möglichkeit geben, sich dagegen zu entscheiden, dass ihr Leseverhalten gespeichert wird, denn darum geht es: während man früher in einen Buchladen oder an den Zeitungskiosk ging und bar seine Lektüre zahlte/kaufte, wird heute unser komplettes digitales Leseverhalten getrackt und zur Basis für zielgerichtete Werbung genommen.

OHM2013, Eevil Drone is Tracking You

OHM2013, Eevil Drone is Tracking You

OHM2013, The Drone has Landed

OHM2013, The Drone has Landed

Das eine Mittel mit durchschlagendem Erfolg gibt es nicht. Daher muss man ein paar Ansätze kombinieren, um wenigstens Verbesserungen zu erzielen.

1. Rechtliche Situation. Man muss die Trackinggeschichte dahingehend optional machen, dass Leute sich dagegen entscheiden können und – und das ist das Wichtigste – bei Nichtbeachtung gegebenenfalls rechtlich gegen den Verstoß vorgehen können.
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TOR a la BOINC/SETI: Es geht voran auf der OHM2013

An sich nur ein kurzer Zwischenstand, was die Idee angeht, TOR-Server ein wenig populärer zu machen und BOINC/SETI-artigen Teamwettbewerb reinzubringen: einige Gespräche und Mailwechsel mit einigen Leuten.

MOAR TOR! Military Grade Anonymization! (Symbolbild, ohm2013)

MOAR TOR! Military Grade Anonymization! (Symbolbild, ohm2013)

ohm2013, Tesla Coil. Mögen die Funken überspringen!

ohm2013, Tesla Coil. Mögen die Funken überspringen!

Es sieht alles gut aus, Bedarf ist da, Idee ist sinnvoll (und stand in ähnlicher Weise schon eine Weile im Raum, aber wurde eben nie angegangen) und die Geschichte wird konkreter. Ich sags auch gleich mal direkt zum Anfang – wer sich dafür interessiert und ein wenig coden, machen, whatever kann – bitte gerne Mail (korrupt at korrupt.biz), ich schau, dass man der Tage einen Workspace kriegt zum sich zusammentexten, ein Pad oder was auch imnmer. Weiterlesen

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OHM2013, Tag 2, Kurzeindrücke

Ein paar Kurzeindrücke, die ich mal auch irgendwo weitererzählen will. Vorweg: Es ist warm. Aber angenehm warm. Und überhaupt alles unvermindert großartig.

OHM2013, Tag 2: Es ist warm.

OHM2013, Tag 2: Es ist warm.

ohm2013, Tag 2: Headcrab und Brecheisen auf Rainbow Island

ohm2013, Tag 2: Headcrab und Brecheisen auf Rainbow Island

Das Rainbow Island wird langsam. Hier sind immer noch einzelne Bereiche in Bau, man trifft auf alte 64er, eine Menge kleiner kugeliger TV-Monitore, die bereits erwähnten Flipper, und nachdem ich auf dem CCC-Congress ein wenig neidisch war, weil dort eine Portalgun rumlag, kann ich das hier sehr entspannt betrachten, weil ein Brecheisen hab ich schließlich auch zu Hause an der Wand hängen :)

ohm2013, Paintballgun. Sinn unklar.

ohm2013, Paintballgun. Sinn unklar.

ohm2013, Paintballgun. Aber spannend.

ohm2013, Paintballgun. Aber spannend.

Diese Paintball-Wumme steht, gut abgesichert, auch auf der Regenbogeninsel. Ein Ziel ist aufgestellt, die Schussbahn abgesichert und gesteuert wird das Ganze offenbar über einen Arduino. Wie und warum? Ich weiss es nicht, aber es sieht irgendwie spannend aus (oder vollkommen bekloppt, aber ich fürchte, das kommt aufs Gleiche raus).

ohm2013, Makerbot, beim Druck einer Yoda-Büste

ohm2013, Makerbot, beim Druck einer Yoda-Büste

ohm2013, Makerbot und Geiger-Bausatz

ohm2013, Makerbot und Geiger-Bausatz

In der Hardwarehackingarea standen unter anderem auch die 3D-Printer – Hier ein Makerbot, der eine Büste von Yoda druckt. Der unvermeidliche Geigerzähler zum Selberbauen steht hier auch mal wieder… es wird so eine endlose Geschichte, ich denk immer, nee, ist mir zu teuer und aktuell kein Nutzen/kein spannendes Projekt und es wäre ja eh was vernetztes cooler. We will cee. Richtig gerockt hat aber selbiger Makerbot bzw. auch das ganze drumrum. Weiterlesen

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OHM2013, Krieg, Rassismus, Whistleblowing – Tag 1

ohm2013, klassisches Kunstwerk mit tiefen Symbolgehalt

ohm2013, klassisches Kunstwerk mit tiefen Symbolgehalt

Man verzeihe die folgende Ansammlung von Text und weitgehend unrelatierten Bildern. Es liegt in der Natur der Sache, dass man tolle, schöne und wundersame Dinge sieht, während die Diskussions- und Workshopinhalte gelegentlich tendenziell düster ausfallen. Eines meiner Learnings von gestern hatte ich ja schon verbloggt, ich mag an dieser Stelle noch einen anderen Aspekt herausstellen, der mir bei einer der Opening Keynotes in einer mir bisher nicht bewussten Drastik klar wurde:

Eine der Grundlagen für weltweite Regimes von Überwachung und (militärischer) Kontrolle und Kriegsführung besteht im Aufrechterhalten von an sich primitiven rassistischen Stereotypen, ohne diese wäre das nicht mit der aktuellen Leichtigkeit möglich.

Wie gesagt, unbenommen, dass Rassisten Arschlöcher sind und Alltagsrassismus verbreiteter, als man an sich denkt, auch wenn man denkt, er sei verbreiteter, als man denkt. Mehr gleich.

ohm2013, Good Guy Mitch und die Hardwarehacking Area

ohm2013, Good Guy Mitch und die Hardwarehacking Area

ohm2013: Die Lounge

ohm2013: Die Lounge

Die Session war die von Ray McGovern, der nach einer langen und hoch hinaus führenden Kariere bei der CIA den Bettel hinwarf und sich zum Aktivisten wandelte. Ein engagierter Kerl, der einfach auch Mut macht dahingehend, dass es an sich für niemanden zu spät ist, Schlüsse und Konsequenzen zu ziehen.

ohm2013, Vortrag Ray McGovern, Ex-CIA

ohm2013, Vortrag Ray McGovern, Ex-CIA

Seine Statements, die bei mir hängenblieben und auf Erfahrungen bis zurück zur Öffentlichkeitsarbeit während des Vietnamkriegs zurückgehen: Weiterlesen

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OHM2013: Warum Krypto die Lösung sein kann und muss

Big Tux will keep watching you

Big Tux will keep watching you

…ein eher etwas runterziehendes erstes Learnng, das ich vom ersten Tag mitnehme. Ausgerechnet in der Keynote von Julian Assange heute abend. Die haute mich inhaltlich jetzt nicht so um – ok, was soll er auch an bahnbrechenden neuen Erkenntnissen verkünden, wenn er in einer Botschaft eingesperrt ist? – aber ein klares Statement mit einem Beispiel, das mich persönlich hier überzeugt.

Der politische Kampf gegen die Totalüberwachung ist sinnlos, eine Rücknahme der bestehenden Kontroll- und Überwachungsregimes von vernachlässigbarer Restwahrscheinlichkeit. Die Lösung wird in Krypto bestehen und muss in Krypto bestehen.

Ich sehe das nicht mal als ein “Sich entscheiden” in der mir ohnehin suspekten Diskussion von “Mehr Krypto für alle” vs. “Von Staaten und Diensten den Verzicht auf die Totalüberwachung einfordern”, denn beides ist notwendig und wichtig. Man solle sich nur nie auf letzteres verlassen, auch wenn man meint, erfolgreich gewesen zu sein. Weiter ist es dringend notwendig, die Herrschenden eben daran zu erinnern, dass sie gegen Grundrechte und gegen ihre Bürger vorgehen und totalitäre Strukturen schaffen. Und vielleicht, hoffentlich kann man sie irgendwann dafür zur Rechenschaft ziehen. Aber:

Ohm2013, ein Schaf (Bild unrelatiert)

Ohm2013, ein Schaf (Bild unrelatiert)

Man denke nur an die atomare Abrüstung. Seit Jahrzehnten wird selbige gefordert, und die Arsenale starren genauso overkillträchtig aus den Silos und von den Bombern und den strategischen U-Booten wie eh und jeh. Der konkrete militärische Nutzen (oder gar der konkrete, haha, “Sicherheitsgewinn”) ist bestenfalls unklar, tendenziell nicht vorhanden bis negativ. Kosten: Immens. Gefahr, Präsenz etc.: unmittelbar erkennbar. Das sind sehr physische, strahlende und unter hohem Aufwand zu wartende und bereitzuhaltende Instrumente. Weiterlesen

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OHM2013, Ankunft und die ersten Eindrücke

OHM2013, Packen

OHM2013, Packen

So, OHM2013! Gestern gings los, und grade sitze ich bei der Quadrature du Net unterm Sonnensegel und pack ein paar erste Eindrücke zusammen. Die OHM ist woanders als die HAR vor vier Jahren, ich zweifelte kurz an meinem Verstand, weil alles etwas anders aussieht, aber das ist, weils woanders ist. Leider alles sehr flach, man hat wenig Stellen, wo man sieht, wie gross und bunt die Geschichte hier ist.

Gestartet in Affenhitze, angekommen im strömenden Regen. Es war etwas ungemütlich gestern, aber die widrigen Umstände machen das Dasein bekanntlich ja herausfordernd und spannend.

OHM2013, die Moppeds warten auf Einlass

OHM2013, die Moppeds warten auf Einlass

Immerhin ergab es sich dadurch, dass wir (ein Belriner, ebenfalls in nasser Moppedmontur) recht unbürokratisch einen Stellplatz jenseits der Parkwiesen bekamen, weil man dort kaum ein Motorrad einsinksicher irgendwo abstellen konnte.

ohm2013  - This SIgn says OHM2013

ohm2013 – This SIgn says OHM2013

ohm2013 - This Sign says Hacking

ohm2013 – This Sign says Hacking

OK, man weiss, wo man ist. Nun brauchts Zivilisation. Das heisst, Strom, Internet und irgendwann Kaffee. Weiterlesen

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TOR, Datenschutz und Anonymisierung: ein paar offene Briefe

Argh, offene Briefe. Ich weiss, das ist fast so schlimm wie Onlinepetitionen und Häuseranzünden, aber es gibt da ein paar Punkte, wo es mich wirklich massiv interessiert, was die jeweiligen Stellen dazu sagen. Ich denke, grade ist ein guter Zeitpunkt, ein paar Leute auf Positionen festzunageln (oder das Positionenvermeiden sichtbar zu machen) und deswegen schrob ich folgendes grade an BMI, BSI, Verbraucherzentrale und Datenschutzbeauftragten des Bundes. Jeweils Briefpost plus Mail vorab, teils abweichende Inhalte und Bezugnahmen, Infos zu letzteren am Ende des Blogeintrags. Wenn was zurückkommt, erstatte ich Bericht.

Betreff: Rechtliche Rahmenbedingungen zur Wahrnehmung eines besseren Datenschutzes angesichts der Überwachung durch ausländische Dienste, insbesondere Verschlüsselung/Anonymisierung durch das TOR-Netzwerk

$begrüßungsfloskel,

nach Bekanntwerden der Überwachungsmaßnahmen durch die Dienste der USA, Großbritannien und anderen rieten Sie unter anderem dazu, verstärkt Verschlüsselung einzusetzen und die Überwachung durch entsprechenden Technikeinsatz zu vermeiden, wie beispielsweise unter
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/friedrich-fordert-deutsche-zu-mehr-datenschutz-auf-a-911445.html von Ihnen berichtet wurde.

Ein weit entwickeltes und verbreitetes Anonymisierungs- und Verschlüsselungstool ist das TOR-Netzwerk (vgl. https://www.torproject.org). Dieses anonymisiert und verschlüsselt die Webnutzung, benötigt dafür jedoch teilnehmende Rechner/Nutzer in ausreichender Zahl, über die die Daten verschlüsselt geleitet werden können. Ihrem Aufruf nach sollten die Deutschen unter anderem auch solche Verschlüsselungstechniken einsetzen, da diese nach heutigem Forschungsstand tatsächlich die anonyme und nicht rückverfolgbare Nutzung von Webdiensten ermöglicht. Hier existieren zwei größere Problemfelder, zu denen eine klare öffentliche Stellungnahme Ihrerseits einmal notwendig und weiterhin konsequent wäre.

1. Rechtliche Gefährdung der Betreiber von TOR-Ausgangsservern, den sogenannten “Exit Nodes”

Kurz gesagt: wer in Deutschland einen Tor-Exitnode betreibt, läuft Gefahr, für alle Handlungen von TOR-Nutzern, die über seinen Rechner geleitet wurden, haftbar gemacht zu werden.

TOR leitet die Anfrage eines Nutzers über drei Netzwerkknoten. Von dritten Knoten aus wird die Anfrage an ihr Ziel geschickt. Der Betreiber des dritten Knotens verbindet sich somit für den Anbieter sichtbar mit dem Zieldienst bzw. schickt diesem die Daten des eigentlichen, anonymisierten TOR-Nutzers. Handelt es sich dabei um ein illegales Angebot, dessen Klienten bereits Ziel von entsprechenden Ermittlungen sind oder werden, so erscheint die IP des “Exit Nodes” möglicherweise in den Logdateien des Anbieters. Ebenso können beispielsweise Filesharing-Angebote urheberrechtlich geschützter Medien über einen Exit-Node ausgeleitet und von Überwachungsmaßnahmen von Rechteinhabern erfasst und entsprechend abgemahnt werden. Weiter könnten auch illegale Inhalte – Aufrufe zu Straftaten, Bedrohungen etc. – über den TOR-Exitnode an Dritte geschickt werden.

Das sind keine hypothetischen Einzelfälle, sondern die Ursache, dass kaum jemand in Deutschland das Risiko eingeht, einen Exit-Node zu betreiben. Diejenigen, die das dennoch tun, müssen sich mit einer Vielzahl rechtlicher Risiken und erheblichem Aufwand bei der Aufklärung und Vermeidung juristischer Schwierigkeiten und Haftungsfragen auseinandersetzen, wie es beispielsweise auf https://www.privacyfoundation.de/wiki/Erste-Hilfe-fuer-Torbetreiber dokumentiert wird.

Nun steht außer Frage, dass die Exitnodes für ein funktionierendes Verschlüsselungs- und Anonymisierungs-Netzwerk zwingend vonnöten sind. Einerseits die Bürger zu vermehrter eigener Sorge um Verschlüsselung und Datenschutz aufrufen und andererseits das Betreiben der dafür notwendigen Infrastruktur in Deutschland rechtlich zu erschweren, geht nicht zusammen.

Meine konkrete Frage: Werden Sie sich persönlich und öffentlich dafür einsetzen, dass die rechtliche Lage der Betreiber von TOR-Exitnodes verbessert wird? Werden Sie sich dafür einsetzen, dass den Betreibern eine rechtliche Handhabe gereicht wird, um sich gegen Abmahnkosten und Schadensersatzforderungen absichern zu können?

2. Netzneutralität und Drosselpläne für “Internet-Flatrates”

TOR ist trafficintensiv – da ein Datenpaket über drei TOR-Knoten geroutet wird, kann als einfache Faustregel angenommen werden, dass die Anonymität und Sicherheit des Netzes mit einem um mindestens Faktor 3 höheren Datenaufkommen erkauft wird. Weiter hängt die Sicherheit von der Dezentralität des Netzes ab, sprich, es sollte möglichst viele Mitglieder haben, die auch Bandbreite zur Verfügung stellen. Beim Stand des heutigen Breitband-Ausbaus in Deutschland gibt es hier sehr hohe Potentiale, da auch bereits ein DSL-Anschluss mittlerer Kapazität einen relevanten Beitrag zu einem funktionierenden TOR-Netzwerk leisten kann.
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TOR: Anonymes Surfen und Team/Gamification a la BOINC/SETI?

So, vorweg: nichts von alledem, was folgt, könnte ich coden, aber ich würd gern bei Konzeption und/oder Betextung, Übersetzung, whatever helfen, wenns denn irgendwie der Kritik standhält und sinnvoll erscheint. Kurzgefasst die Idee:

Könnte man mit ein wenig “Teamwettbewerb” das Anonymisierungsnetz TOR nicht analog zu den SETI- und BOINC-Teams größer machen, mehr Netzwerkkapazität schaffen und dazu noch einen Heidenspass dabei haben, wer und welches Team jetzt den größten Pfropfen in die Lauscherohren gestopft hat?

TOR-Server, vor ein paar Tagen

TOR-Server, vor ein paar Tagen

Es folgt etwas ausführlichere Erklärung des Ganzen, einige mir direkt offensichtliche Knackpunkte und die Frage, was der Rest der Welt davon hält. Im Übrigen: bald ist OHM2013, ich werd dort sein und mich liebend gerne mit Leuten drüber unterhalten.

Was ist TOR?

TOR, “The Onion Router”, ist ein dezentrales Anonymisierungsnetzwerk. Grob gesagt: über TOR kann man anonym surfen, anonym Mailboxen abrufen, anonym Blogs betreiben usw. – Das Funktionsprinzip: alles, was der eigene Rechner rausschickt, geht über drei andere Rechner des Netzwerks, alle Übertragungen sind separat verschlüsselt. Der Rechner am Ende der Kette kennt nicht den Rechner am Anfang der Kette. So kann man einen Webmailer aufrufen, ohne die eigene verräterische IP dort zu hinterlassen, einen Freeblog betreiben, ohne dass herauszufinden ist, wer den Inhalt einfüllt und so weiter. Letztens hatte ich auch diesbezüglich eine “Anonym bloggen-Anleitung” erstellt, die etwas näher ins Praktische geht. Deutsche Info vom TORProject selber hier.

Das Problem: es ist langsam und braucht viel mehr Traffic. Wenn ich nicht direkt einen Webmailer ansurfe, sondern über TOR, dann verbrate ich mindestens dreimal soviel Bandbreite, da alles über mindestens drei Tor-Nodes wandern müssen. Sprich: TOR braucht Bandbreite. Die haben wir in Zeiten der 50MBit-Leitungen aber in deutlich höherem Maß wie noch vor fünf Jahren. Denn wie ich letztens feststellte…

Wie lässt man einen Tornode dauerhaft laufen und stellt so Bandbreite für Anonymisierung zur Verfügung?

Torserver, lüfterlos

Torserver, lüfterlos

…ist es mit einer 50/10er-Leitung auch bei dem “geringen” Upload leicht möglich, eben mal so ca. 100 GB/Woche Tor-Kapazität Upstream wie Downstream zur Verfügung zu stellen. Man braucht nur nen Tor-Server, der irgendwo – nach Möglichkeit leise und stromsparend – läuft. In meinem Fall ist das ein für 30 Ocken via eBay geschossener, lüfterloser Büro-Mikrorechner, in den ich noch ne SATA-Karte reingebaut und zwei Tera extern rangehängt hab, damit das Ding auch noch ein wenig Fileserver spielen kann (und derbe cool aussieht dabei. Hey, ich schrieb schon: es muss auch Spass machen!).
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Prism: Natürlich ist Verschlüsselung eine Lösung

Helge bat nebenan um einen Shitstorm, und ich mag ihm den Gefallen tun. Ich vereinfache seinen Standpunkt mal – nicht aus Gründen der leichteren Zerlegbarkeit, sondern schlicht zur Abkürzung – auf die Kernthensen

  • Wenn ein angeblich demokratisches Land eine totalitäre Überwachungsstruktur aufbaut, dann ist das Problem nicht zu wenig Krypto, sondern die totalitätre Überwachungsstruktur
  • zuverlässige Verschlüsselung und unüberwachbare Kommunikationsstrukturen flächendeckend einzurichten, ist extrem kompliziert bis unmöglich, denn
  • das zugrundeliegende soziale Problem kann nicht mit beliebig viel draufgeworfener Technik gelöst werden.

Drastisch gesagt: das ist alles großer Müll. Ich denke, das ist relativ klar und wer sich wundert, warum ich auf solchen Quatsch Lebenszeit verschwende: Helge ist ein lieber Kerl und ich habe begründete Hoffnung auf Lernfähigkeit seinerseits.

Wie gesagt, wem das auch unmittelbar klar ist, braucht nicht weiterzulesen, es folgen eher Basics und ein wenig Zorn. Denn angesichts der Existenz von gefährdeten Dissidenten und mit erheblichem Aufwand verschlüsselt kommunizierenden, wichtigen Aktivisten weltweit ist Helges Statement das eines Luxusproblems, das einem um die Ohren geschlagen gehört, mit ein paar Tritten extra für den herablassenden Ton. Es sitzen nicht wenige Leute im Knast oder erleiden/erlitten schlimmeres, weil die Krypto nicht zur Verfügung stand oder man den “Defaults” angeblich sicherer, westlicher Kommunikationsdienstleister eben nicht vertrauen konnte. Hier von einer grundlegenden Vertrauenskrise zu reden, deren Krypto-Lösung nur ein unzureichender Behelf sei, das ist dermassen daneben, dass ich das ganze eigentlich als ekelhaften Quatsch ignorieren würde, wenn ich nicht wüsste, dass Helge da wohl ohne bösen Willen schlicht einfach in eine andere (falsche) Richtung dachte. Dabei auch einige valide Punkte anspricht, die für die Diskussion tatsächlich relevant sind.

Aber der Reihe nach.

1. Für bestimmte Gruppen ist Krypto unerlässlich 1

Helges komplette Argumentation zielt auf die “breite Masse”, ich hatte mich mit meinem Weinenwollen auf die von ihm auch gelinkte Unfähigkeit von *Journalisten* bezogen, ihren Quellen sichere Kommunikationskanäle anzubieten. Hier hat die ganze Diskussion bezüglich technischer Komplexität nichts verloren, denn bei von Berufs wegen Fachpersonal muss ich technische Kompetenz erwarten. Wenn meine Autowerkstatt Kühlwasser ins Motoröl kippt, kann auch keiner kommen und sagen, das sei ja auch alles recht kompliziert mit den modernen Autos und das Wissen um Öl- und Kühlwassereinfüllstutzen werde nie zuverlässig allgemein vorhanden und verbreitet sein. Es muss nicht allgemein vorhanden sein, aber diejenigen, die beruflich diesbezüglich unterwegs sind, müssen dieses Expertenwissen erwerben oder sie sind ungeeignet für den Job. Its as easy as that. Hier sind wir im Übrigen an der Grundlage des “sozialen Problems”, denn eine Demokratie braucht eine Kontrolle durch eine freie Presse, und eine freie Presse braucht sichere Kommunikationskanäle. Wenn sie diese nicht gewährleisten kann, dann hat sie ihre soziale Rolle für die Gesellschaft aufgekündigt und verkommt zur PR-Kolonne. Wer keinen Quellenschutz garantieren kann, ist keine Presse. Das gilt in vorgeblich “westlichen Demokratien”, das gilt erst recht in anderen Strukturen, und wie es grade aussieht, sind erstere nur dem Namen nach solche. Ich muss nicht unbedingt mit Lieschen Müller PGP-verschlüsselt Apfelkuchenrezepte diskutieren, aber wenn ich die Insiderinfos zu Thema X an die Presse geben will, dann sollte ich zumindest begründete Hoffnung haben, mich nicht damit direkt selber ans Messer zu liefern. Weiterlesen

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Hmja, gulli:board…

…ich gebe zu, ich bin verblüfft, und das leider im negativen Sinn. Als ich mitbekam, dass Gamigo übernimmt, war mein erster Gedanke, dass das an sich ganz gut hinhauen könnte – Gamer sind auch kein einfaches Völkchen, und das g:b definitiv nicht. Und ganz allein war ich mit der Einschätzung nicht. So seit vorgestern hats aber was von Zugunglück, wo man nicht hingucken will und nicht weggucken kann. Ghandy hats hier beschrieben und etwas viel mehr Innenperspektive als ich, aber von Außen sieht alles noch viel schräger aus.

Kurzgefasst: die große Zeit der Boards ist rum, und wenn eines heute noch laufen soll, dann brauchts fitte Leute. Die wachsen nicht auf Bäumen, und auf dem g:b werden sie grade en Masse rausgekantet. Und um da Verhältnismäßigkeit reinzubekommen: Fetten Stress und mal fünf, sechs Leute, die nacheinander hinschmeißen, hatte ich da auch mitzumanagen, und dass im Nachhinein die “gute alte Zeit” so dermaßen rosarot und selig scheint, hat mit vielem zu tun, aber sicher nicht damit, dass wir damals alles perfekt gemanagt haben. Das haben wir ganz sicher nicht.

Mein Eindruck grade ist aber, dass im Augenblick jemand gar nicht mitbekommt, was er für einen Schaden anrichtet. Wenn weit über die Hälfte eines Teams und eine große Zahl weiterer, aktiver User – aus denen im Normalfall eben auch weitere Teammitglieder geworden wären – hinschmeissen, dann stellt sich meiner Ansicht nach einem vernünftigen Menschen die Frage, ob man tatsächlich nur selber alles richtig macht und sieht oder vielleicht doch die vielen anderen.

Wenn ich versuche, ganz böse zu denken – also nicht normal böse, sondern “wir-knallen-vor-alles-und-jedes-ein-Usenext-Probeaboanmeldeformular-mit-automatischer-Verlängerung”-böse, dann fällt mir trotzdem nicht ein, was der Sinn des Ganzen ist. Weiterlesen

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