OHM2013, Ankunft und die ersten Eindrücke

OHM2013, Packen

OHM2013, Packen

So, OHM2013! Gestern gings los, und grade sitze ich bei der Quadrature du Net unterm Sonnensegel und pack ein paar erste Eindrücke zusammen. Die OHM ist woanders als die HAR vor vier Jahren, ich zweifelte kurz an meinem Verstand, weil alles etwas anders aussieht, aber das ist, weils woanders ist. Leider alles sehr flach, man hat wenig Stellen, wo man sieht, wie gross und bunt die Geschichte hier ist.

Gestartet in Affenhitze, angekommen im strömenden Regen. Es war etwas ungemütlich gestern, aber die widrigen Umstände machen das Dasein bekanntlich ja herausfordernd und spannend.

OHM2013, die Moppeds warten auf Einlass

OHM2013, die Moppeds warten auf Einlass

Immerhin ergab es sich dadurch, dass wir (ein Belriner, ebenfalls in nasser Moppedmontur) recht unbürokratisch einen Stellplatz jenseits der Parkwiesen bekamen, weil man dort kaum ein Motorrad einsinksicher irgendwo abstellen konnte.

ohm2013  - This SIgn says OHM2013

ohm2013 – This SIgn says OHM2013

ohm2013 - This Sign says Hacking

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OK, man weiss, wo man ist. Nun brauchts Zivilisation. Das heisst, Strom, Internet und irgendwann Kaffee. Weiterlesen

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TOR, Datenschutz und Anonymisierung: ein paar offene Briefe

Argh, offene Briefe. Ich weiss, das ist fast so schlimm wie Onlinepetitionen und Häuseranzünden, aber es gibt da ein paar Punkte, wo es mich wirklich massiv interessiert, was die jeweiligen Stellen dazu sagen. Ich denke, grade ist ein guter Zeitpunkt, ein paar Leute auf Positionen festzunageln (oder das Positionenvermeiden sichtbar zu machen) und deswegen schrob ich folgendes grade an BMI, BSI, Verbraucherzentrale und Datenschutzbeauftragten des Bundes. Jeweils Briefpost plus Mail vorab, teils abweichende Inhalte und Bezugnahmen, Infos zu letzteren am Ende des Blogeintrags. Wenn was zurückkommt, erstatte ich Bericht.

Betreff: Rechtliche Rahmenbedingungen zur Wahrnehmung eines besseren Datenschutzes angesichts der Überwachung durch ausländische Dienste, insbesondere Verschlüsselung/Anonymisierung durch das TOR-Netzwerk

$begrüßungsfloskel,

nach Bekanntwerden der Überwachungsmaßnahmen durch die Dienste der USA, Großbritannien und anderen rieten Sie unter anderem dazu, verstärkt Verschlüsselung einzusetzen und die Überwachung durch entsprechenden Technikeinsatz zu vermeiden, wie beispielsweise unter
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/friedrich-fordert-deutsche-zu-mehr-datenschutz-auf-a-911445.html von Ihnen berichtet wurde.

Ein weit entwickeltes und verbreitetes Anonymisierungs- und Verschlüsselungstool ist das TOR-Netzwerk (vgl. https://www.torproject.org). Dieses anonymisiert und verschlüsselt die Webnutzung, benötigt dafür jedoch teilnehmende Rechner/Nutzer in ausreichender Zahl, über die die Daten verschlüsselt geleitet werden können. Ihrem Aufruf nach sollten die Deutschen unter anderem auch solche Verschlüsselungstechniken einsetzen, da diese nach heutigem Forschungsstand tatsächlich die anonyme und nicht rückverfolgbare Nutzung von Webdiensten ermöglicht. Hier existieren zwei größere Problemfelder, zu denen eine klare öffentliche Stellungnahme Ihrerseits einmal notwendig und weiterhin konsequent wäre.

1. Rechtliche Gefährdung der Betreiber von TOR-Ausgangsservern, den sogenannten “Exit Nodes”

Kurz gesagt: wer in Deutschland einen Tor-Exitnode betreibt, läuft Gefahr, für alle Handlungen von TOR-Nutzern, die über seinen Rechner geleitet wurden, haftbar gemacht zu werden.

TOR leitet die Anfrage eines Nutzers über drei Netzwerkknoten. Von dritten Knoten aus wird die Anfrage an ihr Ziel geschickt. Der Betreiber des dritten Knotens verbindet sich somit für den Anbieter sichtbar mit dem Zieldienst bzw. schickt diesem die Daten des eigentlichen, anonymisierten TOR-Nutzers. Handelt es sich dabei um ein illegales Angebot, dessen Klienten bereits Ziel von entsprechenden Ermittlungen sind oder werden, so erscheint die IP des “Exit Nodes” möglicherweise in den Logdateien des Anbieters. Ebenso können beispielsweise Filesharing-Angebote urheberrechtlich geschützter Medien über einen Exit-Node ausgeleitet und von Überwachungsmaßnahmen von Rechteinhabern erfasst und entsprechend abgemahnt werden. Weiter könnten auch illegale Inhalte – Aufrufe zu Straftaten, Bedrohungen etc. – über den TOR-Exitnode an Dritte geschickt werden.

Das sind keine hypothetischen Einzelfälle, sondern die Ursache, dass kaum jemand in Deutschland das Risiko eingeht, einen Exit-Node zu betreiben. Diejenigen, die das dennoch tun, müssen sich mit einer Vielzahl rechtlicher Risiken und erheblichem Aufwand bei der Aufklärung und Vermeidung juristischer Schwierigkeiten und Haftungsfragen auseinandersetzen, wie es beispielsweise auf https://www.privacyfoundation.de/wiki/Erste-Hilfe-fuer-Torbetreiber dokumentiert wird.

Nun steht außer Frage, dass die Exitnodes für ein funktionierendes Verschlüsselungs- und Anonymisierungs-Netzwerk zwingend vonnöten sind. Einerseits die Bürger zu vermehrter eigener Sorge um Verschlüsselung und Datenschutz aufrufen und andererseits das Betreiben der dafür notwendigen Infrastruktur in Deutschland rechtlich zu erschweren, geht nicht zusammen.

Meine konkrete Frage: Werden Sie sich persönlich und öffentlich dafür einsetzen, dass die rechtliche Lage der Betreiber von TOR-Exitnodes verbessert wird? Werden Sie sich dafür einsetzen, dass den Betreibern eine rechtliche Handhabe gereicht wird, um sich gegen Abmahnkosten und Schadensersatzforderungen absichern zu können?

2. Netzneutralität und Drosselpläne für “Internet-Flatrates”

TOR ist trafficintensiv – da ein Datenpaket über drei TOR-Knoten geroutet wird, kann als einfache Faustregel angenommen werden, dass die Anonymität und Sicherheit des Netzes mit einem um mindestens Faktor 3 höheren Datenaufkommen erkauft wird. Weiter hängt die Sicherheit von der Dezentralität des Netzes ab, sprich, es sollte möglichst viele Mitglieder haben, die auch Bandbreite zur Verfügung stellen. Beim Stand des heutigen Breitband-Ausbaus in Deutschland gibt es hier sehr hohe Potentiale, da auch bereits ein DSL-Anschluss mittlerer Kapazität einen relevanten Beitrag zu einem funktionierenden TOR-Netzwerk leisten kann.
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TOR: Anonymes Surfen und Team/Gamification a la BOINC/SETI?

So, vorweg: nichts von alledem, was folgt, könnte ich coden, aber ich würd gern bei Konzeption und/oder Betextung, Übersetzung, whatever helfen, wenns denn irgendwie der Kritik standhält und sinnvoll erscheint. Kurzgefasst die Idee:

Könnte man mit ein wenig “Teamwettbewerb” das Anonymisierungsnetz TOR nicht analog zu den SETI- und BOINC-Teams größer machen, mehr Netzwerkkapazität schaffen und dazu noch einen Heidenspass dabei haben, wer und welches Team jetzt den größten Pfropfen in die Lauscherohren gestopft hat?

TOR-Server, vor ein paar Tagen

TOR-Server, vor ein paar Tagen

Es folgt etwas ausführlichere Erklärung des Ganzen, einige mir direkt offensichtliche Knackpunkte und die Frage, was der Rest der Welt davon hält. Im Übrigen: bald ist OHM2013, ich werd dort sein und

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mich liebend gerne mit Leuten drüber unterhalten.

Was ist TOR?

TOR, “The Onion Router”, ist ein dezentrales Anonymisierungsnetzwerk. Grob gesagt: über TOR kann man anonym surfen, anonym Mailboxen abrufen, anonym Blogs betreiben usw. – Das Funktionsprinzip: alles, was der eigene Rechner rausschickt, geht über drei andere Rechner des Netzwerks, alle Übertragungen sind separat verschlüsselt. Der Rechner am Ende der Kette kennt nicht den Rechner am Anfang der Kette. So kann man einen Webmailer aufrufen, ohne die eigene verräterische IP dort zu hinterlassen, einen Freeblog betreiben, ohne dass herauszufinden ist, wer den Inhalt einfüllt und so weiter. Letztens hatte ich auch diesbezüglich eine “Anonym bloggen-Anleitung” erstellt, die etwas näher ins Praktische geht. Deutsche Info vom TORProject selber hier.

Das Problem: es ist langsam und braucht viel mehr Traffic. Wenn ich nicht direkt einen Webmailer ansurfe, sondern über TOR, dann verbrate ich mindestens dreimal soviel Bandbreite, da alles über mindestens drei Tor-Nodes wandern müssen. Sprich: TOR braucht Bandbreite. Die haben wir in Zeiten der 50MBit-Leitungen aber in deutlich höherem Maß wie noch vor fünf Jahren. Denn wie ich letztens feststellte…

Wie lässt man einen Tornode dauerhaft laufen und stellt so Bandbreite für Anonymisierung zur Verfügung?

Torserver, lüfterlos

Torserver, lüfterlos

…ist es mit einer 50/10er-Leitung auch bei dem “geringen” Upload leicht möglich, eben mal so ca. 100 GB/Woche Tor-Kapazität Upstream wie Downstream zur Verfügung zu stellen. Man braucht nur nen Tor-Server, der irgendwo – nach Möglichkeit leise und stromsparend – läuft. In meinem Fall ist das ein für 30 Ocken via eBay geschossener, lüfterloser Büro-Mikrorechner, in den ich noch ne SATA-Karte reingebaut und zwei Tera extern rangehängt hab, damit das Ding auch noch ein wenig Fileserver spielen kann (und derbe cool aussieht dabei. Hey, ich schrieb schon: es muss auch Spass machen!).
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Prism: Natürlich ist Verschlüsselung eine Lösung

Helge bat nebenan um einen Shitstorm, und ich mag ihm den Gefallen tun. Ich vereinfache seinen Standpunkt mal – nicht aus Gründen der leichteren Zerlegbarkeit, sondern schlicht zur Abkürzung – auf die Kernthensen

  • Wenn ein angeblich demokratisches Land eine totalitäre Überwachungsstruktur aufbaut, dann ist das Problem nicht zu wenig Krypto, sondern die totalitätre Überwachungsstruktur
  • zuverlässige Verschlüsselung und unüberwachbare Kommunikationsstrukturen flächendeckend einzurichten, ist extrem kompliziert bis unmöglich, denn
  • das zugrundeliegende soziale Problem kann nicht mit beliebig viel draufgeworfener Technik gelöst werden.

Drastisch gesagt: das ist alles großer Müll. Ich denke, das ist relativ klar und wer sich wundert, warum ich auf solchen Quatsch Lebenszeit verschwende: Helge ist ein lieber Kerl und ich habe begründete Hoffnung auf Lernfähigkeit seinerseits.

Wie gesagt, wem das auch unmittelbar klar ist, braucht nicht weiterzulesen, es folgen eher Basics und ein wenig Zorn. Denn angesichts der Existenz von gefährdeten Dissidenten und mit erheblichem Aufwand verschlüsselt kommunizierenden, wichtigen Aktivisten weltweit ist Helges Statement das eines Luxusproblems, das einem um die Ohren geschlagen gehört, mit ein paar Tritten extra für den herablassenden Ton. Es sitzen nicht wenige Leute im Knast oder erleiden/erlitten schlimmeres, weil die Krypto nicht zur Verfügung stand oder man den “Defaults” angeblich sicherer, westlicher Kommunikationsdienstleister eben nicht vertrauen konnte. Hier von einer grundlegenden Vertrauenskrise zu reden, deren Krypto-Lösung nur ein unzureichender Behelf sei, das ist dermassen daneben, dass ich das ganze eigentlich als ekelhaften Quatsch ignorieren würde, wenn ich nicht wüsste, dass Helge da wohl ohne bösen Willen schlicht einfach in eine andere (falsche) Richtung dachte. Dabei auch einige valide Punkte anspricht, die für die Diskussion tatsächlich relevant sind.

Aber der Reihe nach.

1. Für bestimmte Gruppen ist Krypto unerlässlich 1

Helges komplette Argumentation zielt auf die “breite Masse”, ich hatte mich mit meinem Weinenwollen auf die von ihm auch gelinkte Unfähigkeit von *Journalisten* bezogen, ihren Quellen sichere Kommunikationskanäle anzubieten. Hier hat die ganze Diskussion bezüglich technischer Komplexität nichts verloren, denn bei von Berufs wegen Fachpersonal muss ich technische Kompetenz erwarten. Wenn meine Autowerkstatt Kühlwasser ins Motoröl kippt, kann auch keiner kommen und sagen, das sei ja auch alles recht kompliziert mit den modernen Autos und das Wissen um Öl- und Kühlwassereinfüllstutzen werde nie zuverlässig allgemein vorhanden und verbreitet sein. Es muss nicht allgemein vorhanden sein, aber diejenigen, die beruflich diesbezüglich unterwegs sind, müssen dieses Expertenwissen erwerben oder sie sind ungeeignet für den Job. Its as easy as that. Hier sind wir im Übrigen an der Grundlage des “sozialen Problems”, denn eine Demokratie braucht eine Kontrolle durch eine freie Presse, und eine freie Presse braucht sichere Kommunikationskanäle. Wenn sie diese nicht gewährleisten kann, dann hat sie ihre soziale Rolle für die Gesellschaft aufgekündigt und verkommt zur PR-Kolonne. Wer keinen Quellenschutz garantieren kann, ist keine Presse. Das gilt in vorgeblich “westlichen Demokratien”, das gilt erst recht in anderen Strukturen, und wie es grade aussieht, sind erstere nur dem Namen nach solche. Ich muss nicht unbedingt mit Lieschen Müller PGP-verschlüsselt Apfelkuchenrezepte diskutieren, aber wenn ich die Insiderinfos zu Thema X an die Presse geben will, dann sollte ich zumindest begründete Hoffnung haben, mich nicht damit direkt selber ans Messer zu liefern. Weiterlesen

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Hmja, gulli:board…

…ich gebe zu, ich bin verblüfft, und das leider im negativen Sinn. Als ich mitbekam, dass Gamigo übernimmt, war mein erster Gedanke, dass das an sich ganz gut hinhauen könnte – Gamer sind auch kein einfaches Völkchen, und das g:b definitiv nicht. Und ganz allein war ich mit der Einschätzung nicht. So seit vorgestern hats aber was von Zugunglück, wo man nicht hingucken will und nicht weggucken kann. Ghandy hats hier beschrieben und etwas viel mehr Innenperspektive als ich, aber von Außen sieht alles noch viel schräger aus.

Kurzgefasst: die große Zeit der Boards ist rum, und wenn eines heute noch laufen soll, dann brauchts fitte Leute. Die wachsen nicht auf Bäumen, und auf dem g:b werden sie grade en Masse rausgekantet. Und um da Verhältnismäßigkeit reinzubekommen: Fetten Stress und mal fünf, sechs Leute, die nacheinander hinschmeißen, hatte ich da auch mitzumanagen, und dass im Nachhinein die “gute alte Zeit” so dermaßen rosarot und selig scheint, hat mit vielem zu tun, aber sicher nicht damit, dass wir damals alles perfekt gemanagt haben. Das haben wir ganz sicher nicht.

Mein Eindruck grade ist aber, dass im Augenblick jemand gar nicht mitbekommt, was er für einen Schaden anrichtet. Wenn weit über die Hälfte eines Teams und eine große Zahl weiterer, aktiver User – aus denen im Normalfall eben auch weitere Teammitglieder geworden wären – hinschmeissen, dann stellt sich meiner Ansicht nach einem vernünftigen Menschen die Frage, ob man tatsächlich nur selber alles richtig macht und sieht oder vielleicht doch die vielen anderen.

Wenn ich versuche, ganz böse zu denken – also nicht normal böse, sondern “wir-knallen-vor-alles-und-jedes-ein-Usenext-Probeaboanmeldeformular-mit-automatischer-Verlängerung”-böse, dann fällt mir trotzdem nicht ein, was der Sinn des Ganzen ist. Weiterlesen

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Ja, die Post fotografiert alle Briefe ab…

…und ich bin extremst dafür, den Verantwortlichen und Mitwissenden die ganze herausgekommene Abhör- und Überwachungsscheiße um die Ohren zu schlagen, bis einem der Arm müde wird, aber im konkreten Fall (ok, eigentlich generell) bitte ich ums Hirn-Einschalten. Was ich bei Welt, Tagesschau und auch gulli lese, ist das immergleiche “Dies diene aber nur internen Zwecken wie dem korrekten Briefversand”-Statement, schön im Konjunktiv. Keine weiteren Infos, soll jeder für sich draufkommen, nun Scheiße zu brüllen. (Nachtrag: Der Tagesspiegel ist bei PIN etwas ausführlicher.)

Bevor das jetzt alle tun, bitte ich sie, mal einen beliebigen Standard-Postbrief anzugucken, den sie in den letzten Wochen bekommen haben. Außendrauf, diese orangenen aufgedruckten Linien unter/neben der Adresse, seht ihr die? Und erinnert ihr euch, wie lang die schon drauf sind? Schon *sehr* lang. Die druckt die Post auf Briefe und Postkarten. Und warum? Weil darin unter anderem die Postleitzahl codiert wird, damit man den Brief automatisch sortieren lassen kann. Und wie kommt das da drauf? Da sitzt mitnichten ein Mensch und mundmalt die liebevoll, nachdem er sich ans Hieroglyphenentziffern gemacht hat, das passiert natürlich automatisch, und dafür wird der Brief gescannt. Und hier sind wir bei dem Punkt, wo das “Die fotografieren unsere Briefe!” ungefähr so dramatisch (und neu) wird wie die Erkenntnis, dass auch jedes Blatt, das man wo auf einen Kopierer legt, eben auch fotografiert wird.

Post-Strichcodierung auf Briefumschlag

Post-Strichcodierung auf Briefumschlag

Ich hatte während meines Studiums im Briefverteilzentrum Tübingen/Reutlingen gearbeitet. Selber in der Großbriefverteilung, die tatsächlich noch von Hand sortiert wurde, aber auch da kamen zu meiner Zeit die ersten automatischen Sortiermaschinen, nur eben noch recht fehleranfällig bzw. mit einigem Ausschuss, der händisch weitersortiert werden mussten. Grund;: Standardbriefe und Postkarten sind einfach. Immergleiche Formate, recht einfach lokalisierte Adressfelder und entsprechend gut automatisch erkennbare PLZ, meist auch mit gedruckter Adresse. Großbriefe sind schwierig: Unterschiedliche Formate, unterschiedliche Dicke, möglicherweise zerbrechlicher Inhalt, gekrümmte Oberfläche, eingeschweißt, whatever. Am schlimmsten sind Formpostkarten. Es ist eben schwer, da die Postleitzzahl automatisiert zu erkennen und als Strichcode aufzudrucken. Deswegen passierte da noch viel von Hand, jedenfalls wars zu meiner Zeit – späte 90er – so. Weiterlesen

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Warum Merkels Neuland-Spruch gefährlich dämlich ist

Durchaus wertgeschätzte Mitnetzbewohner scheinen mir gerade in die “Wenn alle scheisse schreien und Witze machen, sollte man sachlich dagegenhalten”-Falle gegangen zu sein. Man müsse ein wenig differenzierter und ohne den Netz(spieß-)bürgerdünkel mal gucken, was Sache ist, um anschließend festzustellen, dass das Netz heute wie auch vor zwanzig Jahren noch aus Neuland besteht (Friedemann Karig, vom geschätzten Lukas leider* als “klug” geadelt), Johannes verweist in der Süddeutschen auf die bekannten Nonliner-Studien und die gewachsene internationale Dynamik. Das ist in dem Kontext Unsinn bzw. geht alles am Punkt vorbei. Merkels Spruch ist a) dumm und b) gefährlich. Ich fang von hinten an.

Der Neuland-Satz ist eine gigantische Geheimdienst-Verharmlosung

Der Satz wäre wahr gewesen, wenn wie vor meinetwegen 10 Jahren die Nerds ihren Spass getrieben hätten und ein paar Krawattenträger bemüht unauffällig und staunend zugeguckt haben. Aktuell verhält es sich jedoch so, dass die Welt erstaunt feststellt, dass ihr “Neuland” seit Jahren schon eine umfassend durchleuchtete Geheimdienst-Spielwiese ist, die mit dem Wissen und dem Segen politischer und wirtschaftlicher Spitzen ein Überwachungs- und Abhörregime errichtet haben, das ungefähr das Gegenteil eines unberührten und ungeregelten Neulandes ist.

Um das “Neuer Kontinent”-Bild zu bemühen: Merkel tut so, als kämen wir grade alle in ein neues, seltsames Land und müssten uns *alle* erst mal zurechtfinden, weil noch unberührt usw. Das Gegenteil ist der Fall: wir sitzen alle in einem durchaus länger besiedelten, durchaus dynamisch sich verändernden Land, das wir aber bisher für im Merkelschen Sinn “neuartig” oder zumindest für immer aufs neue “unberührt” hielten, bei dem sich nun aber herausstellt, dass es von den Geheimdiensten schon praktisch komplett verdrahtet, durchgescannt und überwacht ist.

Unter dem Gesichtspunkt ist Merkels Satz eine groteske Perspektivenumkehr. Wir sollen meinen, für sie wie für alle anderen ist das alles noch neu, wenig durchschaubar, noch komplett offen, wo es hingehen soll. “Guckt mal, ich weiss doch auch nicht, was hier alles sein und werden könnte, wie alle anderen auch”. Weiterlesen

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Onlinemarketing, Cold War Edition

Ein paar weitgehend unsortierte Gedanken, die ich nach einem Gespräch mit Jan letztens mal provokant in den Raum werfen will. Ich bin nach wie vor der Ansicht, dass wir im Großen und Ganzen in vielen Bereichen des Onlinemarketings, SEO etc. noch längst nicht ausgeschöpft haben, was an reiner Nutzerfreundlichkeit, einfachem Auffinden der passenden Informationen oder überhaupt deren Aufbereitung noch so brachliegt. Insbesondere im Local-Bereich ist da noch richtig viel cooler Scheiss drin.

Auf der anderen Seite hab ich das Gefühl, dass es Bereiche gibt, wo aktuell so eine Art atomares Wettrüsten abgeht: es gibt einen begrenzten Pool an Kunden, der wird auch ausgeschöpft und alles, was nun noch an weiterer Optimierung, an Wettbewerb etc. abgeht, ist “nur noch” Nullsummenspiel. Platt gesagt: täglich kaufen 100 Leute Produkt X online, und mehr werdens nicht. Es geht nur noch drum, wo sie es kaufen, und dafür wird eine immer heftigere Materialschlacht geführt.

These 1: Das nutzt nur noch den Publishern
These 2: Der gesellschaftliche Nutzen wächst ansonsten nicht mehr weiter

Konkret: es wird immer besser via Tracking/Customer Journey, Real Time Bidding, Remarketing geguckt, wer sich wofür interessiert. Die konkreten Zielgruppen werden zielsicher angesprochen und angesichts guter Conversionrates mit tendenziell steigenden RTBs angesprochen. Wir sind, so mal die stark formulierte Folgerung, an einem Punkt angekommen, wo die 100 existierenden Interessenten für Produkt X auch Produkt X kaufen. Es geht nur noch drum, wo, und da befinden wir uns dann schon in einem Nullsummenspiel, auf das aktuell eine permanent weiterwachsende Menge an Geld fürs Bieten auf Werbeplätze sowie eine wachsende Rechenleistung fürs Echtzeit-Targeting draufgeworfen wird.

In Sachen Gebote ist das Ganze natürlich spannend für die Publisher. Die können ihre Werbeplätze tendenziell immer lukrativer vermarken, denen spielt die Entwicklung direkt in die Tasche. (Angemerkt: vor diesem Hintergrund kommt mir die Debatte um Leistungsschutzrecht und Paywalls noch einen Ticken absurder vor als ohnehin schon.) Weiterlesen

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Die Legenden des Wüstenplaneten, oder: wenn mich eine Trilogie für dumm hält

Ich habe meine Probleme mit manchem Science Fiction, von meinem gelegentlichen Bashen des Genres hatte ich aber – bewusst oder unbewusst – Frank Herbert in der Regel ausgenommen. Der Wüstenplanet wird so ab Band 3 oder 4 etwas schwierig, aber nichtsdestotrotz halte ich den Zyklus für ein herausragendes Stück SF/Fantasy, und das ganz ohne den üblichen Verweis, dass es zum Herausragen in diesem mülldominierten Genre nicht viel braucht.

Sein Erbe haben Brian Herbert und Kevin Anderson (u.a. Star Wars) angetreten, und sie hätten Vater Frank auch aufs Grab pissen können, das wäre aber wohl schlechter zu vermarkten gewesen. Unter der Trilogie gehts ja nicht mehr, und in der Trilogie wird die Vorgeschichte des Dune-Zyklus erzählt. Butlers Djihad, der Krieg der Menschen gegen die Denkmaschinen, die Entdeckung der Spice, die Entstehung der Gilde, Ursprünge von Bene Gesserit und Bene Tleilax, der Mentaten, die Vorgeschichte der Häuser Harkonnen und Atreides. Klingt gut, ist aber scheiße.

Das sind nicht die Bücher, die ihr sucht.

Das sind nicht die Bücher, die ihr sucht.

Die Story: Die Menschheit ist nach der Bewusstwerdung des “Allgeists” Omnius, der zentralen Instanz der Computer, von der Diktatur der damaligen Herrscher in eine Diktatur der Maschinen abgerutscht und fristet seitdem ein eher klägliches Dasein entweder in Sklaverei oder unter ständiger Gefahr der Invasion. Eine Reihe von Menschen hält sich die Maschinerie noch eher so aus Neugier, weiter gibts die “Titanen”, Cyborgs mit Menschengehirnen, die den Computer-Allgeist seinerzeit gebaut und weitgehend aus der Kontrolle verloren haben. Die Rahmenhandlung besteht weitgehend im Kampfverlauf zwischen diesen drei Gruppen, die sich weitgehend unversöhnlich gegenüberstehen. Details betreffen die einzelnen Akteure sowie die Vorgeschichte der Fremen auf Arrakis.

Das klingt jetzt nicht sonderlich originell, könnte aber als Hintergrund der einen oder anderen spannenden Geschichte, Szenerie, whatever taugen. Weiterlesen

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Hm, n.a.t.u.r. Festival in Bochum…

…ich habs wohl in der Tat eher mit Beton. Spontan, weil nebenan, angeguckt und ne Weile geblieben. Pros: angenehm, interessant, nett, es gibt Club Mate und die Tour de Vinyl war gewöhnungsbedürftig, dann aber sehr fein. Bangen beim Biken, es ist erstaunlich. Außerdem: Paletten. Sie verfolgen mich.

Stilleben mit Mate, NATUR-Festival Rotunde Bochum

Stilleben mit Mate, NATUR-Festival Rotunde Bochum

Stilleben mit Paletten, NATUR-Festival Rotunde Bochum

Stilleben mit Paletten, NATUR-Festival Rotunde Bochum

Cons: die Vernissage ist mir ein wenig zu nett im Sinne von scheisse. Damit tu ich der Sache an sich unrecht, aber es gab einfach zu wenig Sachen, bei denen ich längers hingucken wollte, irgendwas wirklich berührt oder gezwickt, geschweige denn angekratzt wurde. Und überhaupt ist alles, niochmal, für *meinen Geschmack* ein wenig zu lieb, alternativ, freundlich und ganzheitlich-ökologisch. Versteht mich nicht falsch, ich hab nichts gegen Liebe, Freundlichkeit und ganzheitliche Ökologie, aber (unter anderem) in Kunst und Unterhaltung mag ichs eher etwas drastischer.
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