Nochmal monochrom: Carefully Selected Moments (CD-Rezi)

„Carefully Selected Moments“ heißt eine CD, die ich auch auf dem 25c3 gekriegt hab und die ich mir seitdem anhören wollte und dann irgendwie nicht mehr aus dem Winamp rauskriegte, unerwarteterweise. Deswegen muss ich jetzt nochmal ne Monochromrezi bauen, obwohl auch noch die Sowjet-Unterzögersdorf, Sector II-Adventurekritik in absehbarer Zeit kommt, das darf ich grade betatesten und bin begeistert, ich sag nur „Kategorischer Imperativ“. Aber die CD macht eben auch großen Spass, und den will ich der Welt mitteilen, es gibt ja so wenig schöne Sachen.
monochrom: carefully selected moments
Vorsprung durch Kulturtechnik. Wir gehen mit dem Mittelstand um, als hätten wir noch einen zweiten im Keller. Keine Macht für Leute, die Pauschalreisen buchen und sich hinterher beschweren. Keine Macht für Kinderpornografie, es sei denn, sie ist gut gemacht. Mit sowas fängt das Teil an und mein erster Eindruck war, so eklektisch gehts weiter. Tuts tatsächlich, der Eindruck täuschte (mich jedenfalls) trotzdem, irgendwie wird das Ding nach ein paar Mal hören rund. Obwohl da elektronisches Experimentalgefrickel (Der Oxo Raster., Tonki Gebauer: Song) sich abwechseln mit Volksmusik im schlimmsten Wortsinn (Die oide Celtic Frost, Die wichtigsten Gründe), Countrymucke im weiteren Sinn (Killing Capitalism with Christmas, Farewell to Overhead, Lets Network It Out), Musicalhymnen (Could it be, Im söbn Boot) oder Plastikpop (Lidl-Girl, eBay the Force). Dazu noch eine feine Moritat und, ach hörts euch selber an.

Die Texte und Themen sind wunderschön. Wenn man einen entsprechenden Sinn für Humor hat. Aber sowas wie die traurige Hymne auf den Overheadprojektor als nicht mal mehr mit Pr0n wiederzubelebendes, sterbendes Medium, ach. „Die wichtigsten Gründe“, ein Diskurspop-Schlager über einen Aufsatz mit der These, das Nibelungenlied sei von einer Frau geschrieben worden. Die „oide Celtic Frost“, eine formal und inhaltlich hervorragende Abrechnung mit dem Metal, wegen der es mir direkt leid tut, nie wirklich Celtic Frost gehört zu haben. „Could it be“, ein unglaublich schmalziges (und ich wage zu behaupten, schwules) Liebeslied zweier Subprogramme in einem Bankdatenverarbeitungssystem. Und natürlich die Kapitalismus- und Medienkritik in Formen und zu Inhalten, die man sonst nicht ganz so hört. Oder schon schon mal gehört hat, aber nicht grade in dieser Kombination. Wie gesagt, man muss es mögen, ich mags. Schwer zu kategorisieren, kurz gehts vielleicht mit „Schamoni meets Idle auf einer Nerdparty und nachdem man sich drüber unterhalten hat, dass die EAV ein Armutszeugnis für Österreich und Kreisler ein feiner Kerl ist, macht man mit den Anwesenden eine Portion Zeug.“

Auf der gesamten CD findet sich nirgends ein Copyrighthinweis, stattdessen der eine oder andere Diss in die einschlägige Richtung, Infos zu jedem einzelnen Track und natürlich der Verweis auf a) weitere Songs, die noch kommen (dafür!) und die Webseite zur CD, wo man Kaufmöglichkeiten und alle Songtexte finden soll. Erstere gibts, dazu auch noch alle Songs auf Last.fm zum anhören, die Texte leider nicht. Ich bitte aber drum, die sinds wert.

Kategorie: das richtige leben im falschen, ich gegen die wirklichkeit. permalink.

One Response to Nochmal monochrom: Carefully Selected Moments (CD-Rezi)

  1. Akareyon says:

    Danke für den Anspieltip! Bin bei „monochrom“ gerade irgendwo zwischen Kopfschütteln und Headbangen hängengeblieben :-)

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