Das Schöne am Frauenerschießen ist…

…dass es kein Schwein interessiert. Ich wollte eigentlich nichts zum Amoklauf im Winnenden schreiben, und ausgerechnet Alice Schwarzer bringt mich nun dazu, was mich ankotzt, weil ich die Schwarzer nicht ausstehen kann, neben einigem Intelligenten sondert sie erwartungsgemäß auch wieder einigen Bockmist ab, und ich muss sie trotzdem linken.

Aber zum Intelligenten, das mich ein wenig an den Witz von Bush und Cheney erinnert, wo Bush fragt, wie sie im Irak vorgehen sollen und Cheney sagt, sie sollten am besten tausend Moslems und einen Software-Anwendungsentwickler erschießen und auf Bushs Frage „Warum einen Software-Anwendungsentwickler?“ antwortet „Siehst, nach den Moslems fragt kein Schwein.“ Die Schwarzer stellt fest, dass da in der Schule in Winnenden praktisch ausschließlich auf Mädchen und Frauen geschossen wurde:

„Von insgesamt 19 Opfern in der Schule – von denen zwölf tot sind und sieben verletzt – sind 18 weiblich, also 95 Prozent. … Was eigentlich wäre los, wenn Tim K. in einer gemischten deutsch-türkischen Klasse zu 95 Prozent Türken erschossen hätte? Die Hölle wäre los! Im ganzen Land gäbe es Proteste und Demonstrationen gegen die Ausländerfeindlichkeit. Doch in diesem Fall hat es sich ja nur um Frauenfeindlichkeit gehandelt.“

Bitte die zynischen Bemerkungen selber dazudenken, dass in den einschlägigen „Killerspielen“ auf männliche oder gleich nichtmenschliche Gegner geschossen wird oder dass Gewalt gegen Frauen halt einfach kein Schwein interessiert, das ist halt so und seit den Achtzigern an sich durch, und überhaupt, wenn man darüber anfängt nachzudenken, mit den ganzen Emanzen und Feministinnen und den unbequemen Debatten, die sie angestoßen haben, lassen wir das Fass mal zu, wir müssten ja womöglich eine Diskussion über Geschlechterrollen und Sozialisation führen und, ach verdammt, ihr solltets euch doch selber denken. OK, selberdenken.

Solang kann ich mich dann nämlich von dem restlichen Gefasel im verlinkten Artikel distanzieren, es ist ein Trauerspiel, dieselbe Scheiße wie von Beckstein und Glos und wie sie alle heißen in lila, und die ausgelassene Chance! Da sagt die Schwarzer mal wieder was wichtiges und vernünftiges und hängt dann den ganzen Mist aus der PorNO-Debatte hintendran, es ist ein Elend und das wird nicht mehr besser. Seit der SM-Debatte damals im Emma-Forum und der steilen Schwarzerthesen zur Sache ist einfach klar, da ist die Gute halt im Altersstarrsinn gelandet und die Diskussion erübrigt sich.

Aber dass in Winnenden 95% Frauen die Opfer waren und da irgendwie nicht die Rede von war, das geht mir nun doch ein wenig nach. Welche Scheiße bis heute durchs Dorf getrieben wird, ich wart ja noch auf die schwarzen Trenchcoats, und sowas fällt unter den Tisch. Es verdirbt mir nun leider meine Beschränkung zum Thema auf die These, dass an allem eh Winnenden, der Großraum Stuttgart, das Remstal und die schwäbische Alb schuld ist, aber manchmal muss man Opfer bringen. Ich hab das meinige getan. Ein Link auf nen Schwarzertext, mehr kann man nicht fordern.

Kategorie: ich gegen die wirklichkeit, mac hell 2: net. permalink.

6 Responses to Das Schöne am Frauenerschießen ist…

  1. madchiq says:

    Es gibt so Tage, da moechte ich meinen Kopf abschrauben und als eine Art Wackeldackel neben diesen Blog stellen.
    Erschreckend.

  2. mike says:

    Mir scheint, Du hast da etwas missinterpretiert. Einen Teufel werd ich tun, auf den Link zu klicken, das Zitat nämlich reicht mir vollkommen, mein Urteil über die fürchterliche Frau zu festigen, die jeden erdenklichen Anlass hernimmt, um gegen Muselmanen und hastenichgesehen Stimmung zu machen.
    Ja richtig, ich bezweifle, dass es der Frauenrechtlerin mit der „Betrachtung“ dieser in der Tat erschreckenden Statistik um Sichtbarmachen von Frauenfeindlichkeit ging.

  3. tw_24 says:

    Es ist natürlich Unfug, Spekulationen darüber anzustellen, was denn geschehen wäre, hätten signifikant viele Opfer des Amokschützen einen „Migrationshintergrund“. Das lenkt im Grunde ebenso vom tatsächlichen Geschehen ab wie die von manchem Politiker wieder entdeckten „Killerspiele“, die mittlerweile selbst der „Experte“ Christian Pfeiffer nur noch als einen Einflußfaktor unter vielen ansieht, aber eben nicht als Ursache.

    „Killerspiele“, die andererseits von manchen peinlicherweise allerdings auch schon vorsorglich in Schutz genommen wurden, als der Cover-Boy des jüngsten SPIEGEL noch von der Polizei gesucht wurde, freilich haben zwei entscheidende Vorteile: Man kann sie nämlich verbieten und dennoch davon ausgehen, daß es beim nächsten Amoklauf wieder oder noch immer welche gibt. Da also ist Handlungsbedarf gesichert.

    Und damit läßt sich Ratlosigkeit ganz hervorragend camouflieren oder eben von anderen Auffälligkeiten ablenken. In diesem Fall ist sicher das Geschlecht der meisten Opfer solch eine Auffälligkeit, die mit Ballerspielen und selbst mit Pornographiegenuß kaum zu erklären ist. Und daß der Schütze wohl ziemlich gut traf, nämlich in kurzer Zeit viele Köpfe, scheint ebenfalls recht bemerkenswert.

    Das jedenfalls lernt man kaum am Computer in/beim virtuellen Schlachten. Wo also sonst? Und was könnte dagegen gemacht werden? Im Gegensatz zu Computer-Spielern sind „Sportschützen“ wirklich bewaffnet …

  4. Korrupt says:

    Mir gehts nicht ums Rausziehen neuer „einfacher Erklaerungen“. Und unbenommen der Schwarzer-Ablehnung, der ich, denke ich, deutlich Ausdruck verliehen habe: das Migrationsbeispiel denke ich, hat sie hier tatsaechlich zum Illustrieren ihrer bekloppten Pornothese aus dem Hut gezaubert. Die Frage nach Frauenhass ist imo aber durchaus eine interessante – wenn es was bei den Amokdebatten gegeben hat, was sich durchzog, dann war es eben der Welthass, die Ausgrenzung, und wenn hier insbesondere Frauen vom Taeter offenbar als „die schuldigen“ gesehen wurden, dann ist daraus imo mehr ueber moegliche Mechanismen und Ursachenmuster zu finden wie in der x-ten Debatte ueber Headshots und Raptexte.

  5. Sven says:

    Wenn man richtig sarkastisch sein wollte, könnte man Frau Schwarzer ja mitteilen, dass Ihr langer und zäher Kampf erfolgreich war : Eine überdurchschnittliche Frauenquote hat Sie doch immer gefordert.

    Dennoch : In den letzten Tagen gab es eine Großzahl an Toten die ich persönlich allesamt in die Schublade „Amok laufen“ stecken würde. Hier war auch eine Frau dabei, die anscheinend Ihre Kinder ertränkt hat. Killerspiele waren in allen nachfolgenden Fällen wohl kaum verantwortlich, das Medienecho aufgrund der Tatsache, dass sich alle Fälle innerhalb der Familie abgespielt haben eher verhalten – und dabei wäre es so wichtig gerade hier nach Verbindungen zu suchen, warum diese Menschen so gehandelt haben, anstatt Sie zu ignorieren.

    Meiner Meinung nach geht es primär um Medienpräsenz der Beteiligten und nicht um wirkliche Ursachenforschung.

  6. Torsten says:

    Die Erklärung ist eigentlich ganz simpel: Da Attentäter hat wahllos um sich geschossen. Dabei hat er zumeist Schüler getroffen, die in den ersten Bankreihen (nahe der Tür) saßen. Laut meinen etwas länger zurückliegenden Erfahrungen aus meiner eigenen Schulzeit, sitzen eher Mädchen als Jungen in den ersten Reihen. Hinzu kommt, dass mehr Frauen den Lehrerberuf ausüben….nix „frauenfeindlich“…

    Grüße,
    Torsten

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