Auf AFP hoffen…

…ich weiß ja nicht… Schauen wir mal, was der Qualitätsjournalismus bis morgen draus macht.
Zensursula in den Massenmedien
Weiterverbreiten? Danke.

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6 Responses to Auf AFP hoffen…

  1. madchiq says:

    Jetzt mal etwas ketzerisch gefragt – nicht, dass ich hier irgend jemanden verstehen moechte:

    Wurde das Gesetz – in dieser Form – wirklich erst am 05.02.2009 erlassen?
    Ich mein, dass in der Politik gerne mit „veralteten“ Daten gearbeitet wird, liegt ein wenig in der Natur der Sache des Systems…

  2. tw_24 says:

    Da von den ‚klassischen‘ Medien/Agenturen jedenfalls in Deutschland anscheinend niemand die Idee hatte, die „Fakten“ der Ministerin nachzuprüfen, wird Ursula von der Leyens „Fauxpas“ so wenig Erwähnung finden wie ihre „Entschuldigung“, die keine ist.

    Das ist gerade auch bei SPON zu sehen, wo wiederum ungeprüft die Argumentation der „zerknirschten“ Ministerin wiederholt wird, sie sei – natürlich – unschuldiges Opfer veralteten Materials geworden.

    Der Report „Child Pornography: Model Legislation & Global Review, auf den sie sich teilweise ja bezieht, ist in seiner aktuellsten Fassung aber nun schon seit 2008 und nicht erst seit gestern verfügbar, also hätte Ursula von der Leyen mit Blick auf Indien eben kein Fehler unterlaufen dürfen.

    Kinderpornographie bekämpft, wenn ich es richtig erinnere, Ursula von der Leyen erst seit dem Ende des vergangenen Jahres, mithin ist es einfach falsch, wenn sie als „Entschuldigung“ vortragen läßt, es hätte einfach keine aktuellen Informationen (über Indien) gegeben:

    „Es sei sehr bedauerlich, dass die jüngste Entwicklung in Indien in den international zugänglichen Übersichtsquellen, auf die man Zugriff habe, noch nicht erfasst worden sei.“

    Diese Ansage, die bei SPON völlig unkommentiert herumsteht, ist falsch, was die Ministerin angeht, und peinlich für die „Profis“ eines ‚klassisches‘ Mediums, weil eben in vier, vielleicht auch sieben Minuten locker überprüf- und falsifizierbar. Bei SPON unterblieb es.

    Und deshalb kann Ursula von der Leyen auch ungestraft und nachgerade gönnerhaft-herablassend verkünden lassen, es sei „natürlich sehr erfreulich“, daß politischer Wille in Indien zur Bekämpfung des Problems „jetzt klar vorhanden“ sei.

    Wer angesichts solcher Arroganz der Ministerin „Zerknirschtheit“ abnimmt, nun, der ist bei SPIEGEL online andererseits staatstragend völlig richtig.

    Beim vorwärts der SPD bloggert derzeit noch jemand eine Rücktrittsaufforderung, weil Ursula von der Leyen gelogen habe. Aber bei einem SPD-Organ darf man derlei getrost nicht als Zeichen einer Besserung werten, sondern wohl eher als Feigenblatt, zumal ein Rücktritt nicht wegen der einen oder anderen Lüge zu fordern wäre, sondern des (bisher sehr erfolgreichen) Versuchs, Zensurinfrastruktur zu errichten, woran die SPD nicht ganz unschuldig ist …

  3. Korrupt says:

    Albern, war auch mein erster gedanke beim SpOn lesen, und dann natuerlich „clever“. Dieselbe Schiene wie bei der Petition – man ignoriert alles, was inhaltlich relevant ist, luegt munter weiter drauflos und behauptet dazu noch, man sei auf die Kritikpunkte eingegangen und habe alles nochmal viel viel besser gemacht als vorher. Ich muss zugeben, ich bin beeindruckt, dass aus so einem argumentativen und inhaltlichen Luegen- und Truemmerhaufen noch so viel Standing rausgeholt werden kann, bzw., es macht mir Angst, wie gut das funktioniert, im Unterschied zur morgendlichen Realitaetssynchronisation.

    Im Fall des Spiegel frage ich mich bloss (mal wieder) das qui bono, weil ich es ueberhaupt nicht mehr nachvollziehen kann, was ausgerechnet der Spiegel davon haben kann, einen Politgau wie die Von der Laien zu stuetzen und ihr ihren Schwachsinn durchgehen zu lassen. So viel exklusive Kanzlerinneninterviews und Insiderinfos kann man doch gar nicht versporechen, dass man so einen Dreck itmacht. Das einzige, was mir einfaellt, ist das staatstragende Tiefhaengen einer Geschichte, die zu aussenpolitischen Verstimmungen fuehren koennte, und selbst da glaube ich, dass die leyenschen Luegen und ihr goennerhaftes Gefasel eher geeignet sind, noch mehr Schaden anzurichten, auch wenn das dei Diplomatie vermutlich in dieser Form ausreichend unterteppichen kann.
    Madchiq: wenn Pornografie per se verboten ist, haette man imo Indien allenfalls zuguteschreiben koennen, dass sie sich damit Zeit gelassen haben, eine populistische und an sich an der Illegalitaet nichts aendernde Zusatzgeschichte zu verabschieden. Angesichts der Rechtslage schaut mir das sehr nach einer Untersuchung des familienministeriums der Art „Gesetzestext oeffnen, STRG-F, Child Pornography“ aus mit dem Ergebnis „Ah, kein Treffer, exploitable“.

  4. madchiq says:

    Ja nee, schon klar.
    Mir geht es nur ein wenig ab, in welcher Art sich hier echauffiert wird… und dass von Leuten, die wissen sollten, dass ehrliche Entruestung nicht funktioniert, schon gar nicht in der Redundanz.

    Und da ist halt die hochsensibilisierte Internet-Community die quasi im Sekunden-Takt aufschreit und sich die Muehe macht, auf irgendwelchen „Fakten“ herumzureiten – auf der anderen der politische Rahmen, der einfach einen derartigen Gesichtsverlust nur in aeusserst unguenstigen Zustaenden (und halt derzeit aus mehreren Gruenden mal ueberhaupt nicht) zulaesst.

    So what, was zum Henker soll sie – wenn sie einiges auf dem Kasten hat – denn sonst machen? Und damit mein ich nicht, dass Mitleid mit der Person gezeigt werden soll, was da fuer ein Mist verzapft wird, geht schlichtweg nicht.

    Aber welche Vorteile hat Leyen von der ganzen Kampagne? Nehmt dem Schlachtschiff an dieser Stelle den Wind aus den Segeln (Jetzt ein extremes Beispiel: Nehmen wir mal an, eine ihrer acht Goeren haette irgendwie xy-Material auf dem Handy…) und dann koennen auch die Marionetten-Spieler_innen wieder von vorne anfangen.

  5. Korrupt says:

    Zwei Sachen. Zum einen glaube ich, dass viele Leute, die sich echauffieren, die Geschichte grade fuer einen Praezedenzfall halten fuer zukuenftige Prozesse, in denen ein komplexer Sachverhalt anlaesslich einer politischen Fehlentscheidung massentauglich erklaert wird und sich in der oeffentlichen Debatte das faktisch Richtige durchsetzen *muss*. Die Angst: wenn selbst bei einem so erschoepfend und kompetent diskutierten und analysierten Thema die Politik gegen das bessere Wissen und gegen den fachlich korrekt argumentierenden, breiten Widerstand eine populistische, antidemokratische und letzten Endes totalitaere Massnahme durchsetzen kann, dann waere das eine Bankrotterklaerung sowohl fuer erkenntnis- und evidenzbasiertes Handeln wie auch fuer demokratische Prozesse und Demokratie.
    Entsprechend hoch ist zum einen die Frustration und andererseits die Bereitschaft, auch noch bis ins letzte jedes Detail zu analysieren, bei Bedarf zu falsifizieren bzw. zu belegen und allgemeinverstaendlich zu erlaeutern.

    Zum anderen deine qui bono-Frage. Ich hatte gestern ein laengeres und mich recht nachdenklich stimmendes Gespraech und halte es nicht fuer unwahrscheinlich, dass hier eine Nebelkerze abgebrannt wird, schliesslich liegt grade ja noch ein groesserer Zusammenbruch eines gewissen recht bedeutenden gesellschaftlichen Teilsystems in der Luft. Auf die Laien kommts dann vielleicht nicht so an, wenn die irgendwann doch verbrennt, solang nur die Leute ueber anderen Kram debattieren. Da muss ich aber noch ein, zwei Naechte drueber schlafen.

  6. Pingback:VT: Zensursula lenkt ab | pantoffelpunk

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