Anonymous vs. Scientology, eine kleine Einsicht auf der HAR2009

Es war ein wenig wie schon mal beschrieben: Wenn auf nem Hackerkongress von Anonymous berichtet wird, dann ist Anonymous auf einmal eine coole, kreative Gruppe von Aktivisten, die scheißgeiles Zeug machen und den richtigen Gegnern in die mageren Ärsche treten. So auch hier. Sogar das Kunstwerk wurde geschafft, einen Pedobear vs. Oprah-Remix zu spielen, ohne auch nur einmal zu erwähnen, was es mit diesem Pedobear auf sich hat. Stattdessen Reden drüber, dass es drum geht, dass Protest auch Spass machen soll, solche Sachen. Das bezweifelt ja auch niemand. Nur eben der Darstellung, dass der Hauptzweck von Anonymous darin besteht, kreativ zu sein und gesellschaftlichen Aktivismus zu entfalten mit subversiven neuen Mitteln. Nun ja, vielleicht doch, wenn man den Begriff von „Aktivismus“ zur weitgehenden Bedeutungslosigkeit dehnt, vielleicht. Aber die Lulz und vor allem die Lulz als Kernmotivation und vor allem als Motiv für viele, viele fragwürdige, wenngleich zweifellos lustigen (nun ja, das liegt im Auge des Betrachters) Aktionen, die in der Menge Chanology eben zu einer kleineren Erscheinung machen, die fanden quasi nicht statt.

Ich hatte anschließend aber ein Gespräch mit einem ungarischen Anonymous, der mich mit der Nase auf was draufstieß, was mir bis dahin absolut nicht klar war: es gibt Anonymous-Teil“bewegungen“, die wirklich mit den aus 4chan und konsorten bekannten Phänomenen nicht mehr viel bzw. nichts zu tun haben. Seine Ansage: Anonymous in Ungarn ist praktisch *ausschließlich* eine Anti-Scientologybewegung. Kein Wort von Imageboards, keine Rede von Memen, wir waren ins Gespräch gekommen, weil ich eben in der Fragerunde kritisiert hatte und er auch kritisieren wollte, wie sich aber rausstellte, aus vollkommen entgegengesetzten Gründen. Weil eben keine Rede davon war, wie schlimm und böse Scientology sei. Ich sagte dann, das interessiere doch allenfalls am Rande, Scientology hätten eben den Fehler gemacht, Zeug löschen lassen zu wollen, sich dabei mit den Chans angelegt und entsprechend aufs Maul bekommen. Er war völlig anderer Meinung, die Gründe fanden wir dann heraus und wie gesagt – mit dem, was hier jenseits von Chanology mit 4chan und Konsorten assoziiert wird, hat Anonymous in Ungarn praktisch nichts mehr zu tun. Dort ist Anonymous eben eine Anti-Scientology-Bewegung und nichts weiter. So zumindest seine Darstellung. Zweifel hab ich spontan keine, ich finds nur interessant, wie weit sich das Überziehen von „Anonymous“ inzwischen verselbständigt hat.

P.S. Wenn jemand das „Anonymous Message to HAR“ findet, würd ich mich über einen Link freuen. YouTube hats beim schnellen Suchen nicht ausgespuckt, Ich meine, in der Präsentation war das YouTube-Logo zu sehen.

Nachtrag: Grossen Dank! Harnonymous, meine Güte. Auf den völlig flaschen Suchbegriffsfährten gewesen :)

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4 Responses to Anonymous vs. Scientology, eine kleine Einsicht auf der HAR2009

  1. fasel says:

    da: http://www.youtube.com/watch?v=z3CPx7Frt80
    war so schwer nicht zu finden ;)

    Ich seh die Anonymous vs Scientology Bewegung übrigens mittlerweile auch komplett losgelöst von irgendwelchen *chans.

    Es findet auch schon länger eine aktive Abstoßung der Chanologybewegen aus den *chans statt

  2. fasel says:

    bewegen sollte natürlich bewegung heissen

    also, the game

  3. Korrupt says:

    Dank dir :) Dass sich da die Geister scheiden und Aktivismus und *chans nicht (mehr) deckungsgleich sind, leuchtet ein. Unter der Prämisse wirds auch verständlich, wie die unterschiedlichen Perspektiven zustandekommen. Die Meme und den Namen nimmt man beim gehen halt mit :o)
    …irgendwie ists mir trotzdem ein wneig komisch. Die *chans sind halt dreckig und anarchisch und aus ihnen entsteht sowas. Dann wirds gesplittet und das dann auch in der öffentlichen Wahrnehmung. Ich hab da aus dem Bauch raus so spontan das Gefühl, dass ein neuer Everybodys Darling im (politischen) Netz sich da schnell vom häßlichen Elternhaus emanzipiert bzw. lossagt. Ich weiss nicht so recht, ob das Bild hinhaut und ob das überhaupt irgendwie bemerkenswert ist, aber so in die Richtung gehen meine Gedanken. Das ist mir ein wenig zu nah an den „Schmutz und Schund“-Debatten, wenn aus der dann „akzeptierte“ Kultur entsteht, will man von den Ursprüngen auch oft genug nichts mehr wissen. Oder andersrum gesehen, kreative Netzgewächse ohne den kreativen /und auch durchaus dreckigen) Nährboden betrachten ist irgendwie nichts halbes und nichts ganzes. Noch zwei Gedanken zur Nacht und dem ladenden Netbookakku :)

  4. thoughtcrime says:

    Interessanter Artikel! Was mich an der Anonymous-(Sub-)Bewegung stört, ist einfach der Name. Bei diversen Bilderforen heißen eben alle Anonymous, deshalb wird das auch sofort damit assoziiert. Falls man wie der ungarische Anonymous aber nichts mit Chantology mehr zutun haben will, warum dann kein neuer Name? Mit einem solchen könnte man dann auch alles, was mit der Anonymous-Bewegung zutun hat, ablehnen und hätte die Anti-Scientology-Kultur weg von 4chan und ähnlichen.

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