HAR2009, sozialwissenschaftlich vermischtes vom Samstag

…aber erst noch ein illuminiertes Einhorn von gestern:

HAR2009, Lounge - nicht rosa, nicht unsichtbar, aber ein Einhorn

Heute war ich ein wenig enttäuscht – um Juristerei und Wissenschaft sollte es gehen und um Statistik, und das sind drei Felder, die mich nun durchaus interessieren, und der Einstieg in den Vortrag schien auch angenehm kontrovers – das Rechtssystem und das Wissenschaftssystem seien beide daran interessiert, die Wahrheit zu erkennen, das eine sei dabei aber bürokratisch und das andere kreativ. Da jauchzt der Luhmannianer und sagt, mitnichten beschäftige sich das Rechtssystem mit Wahrheit und Unwahrheit, sondern eben mit Recht uind Unrecht, und das seien nun mal zwei paar Stiefel. Ebenso mag man mit Weber kommen und sagen, der Gegensatz „bürokratisch“ und „kreativ“ sei angesichts der erwartbar folgenden Kritik am bürokratischen Rechtssystem vollkommen unangebracht, weil Recht eben so funktioniert, dass es unabhängig von den beteiligten Personen alleine angesichts von Sachverhalten zu verlässlichen und erwartbaren Ergebnissen kommt.

Es ging dann auch kurz in die Richtung – die Kritik geschah entlang eines konkreten Rechtsstreits, in dem eine Krankenschwester wegen mehrfachen Mordes zu Lebenslänglich verurteilt wurde, gegründet war das Urteil zu Beginn unter anderem auf eine mit fragwürdigen Methoden berechneten statistischen Signifikanz. Es klang dann auch an, dass eben der „bürokratische Prozess“ im Rechtssystem nicht in der Lage war, das Ergebnis zu korrigieren. Bzw., zu guter Letzt extrem lang brauchte, der Fall geschlossen wurde, die Verurteilte jahrelang einsaß, dann wurde er wieder eröffnet und so weiter. Es wäre an sich in der Tat interessant gewesen, da nun irgendwann einzuwerfen, dass ein bürokratischer Ablauf im Rechtssystem durchaus *vonnöten* ist, um ein funktionierendes Rechtssystem am Laufen zu halten. Anschließend hätte man fragen können, wie man aus der wissenschaftlichen Ecke Inspirationen für die Selbstlernfähigkeit eines an sich formalen und starren Systems und für optimierte Fehlererkennung gewinnen könne. Die Kybernetik hätte sich angeboten. Nun, das war die Erwartung nach der ersten Viertelstunde, und es folgte… nichts. Bis ans Ende der Zeit eine langweilige Fallbeschreibung durch die Instanzen. Es hätte sich was lernen lassen, mich dünkt aber, selbst das Stellen der eigentlich interessanten Fragen wurde verpasst. Daher kurz zur allgemeinen Erfreuung der schönste Laptop der HAR bislang:

HAR2009, der schönste Laptop von der Hacking At Random

Zurück zur traurigen Vortragerei: Ich war irgendwann zum Ende der Geschichte damit beschäftigt, den Buttergott nebenbei zu vektorisieren und verzog mich nach Vortragsende direkt zum Zelt der C-Base, um folgendes plotten und Tshirtdrucken zu lassen

HAR2009, geplottetes ErOMG HEIL DEM BUTTERGOTT

So hat alles sein Gutes. Ich freu mich. Da folgt zum Shirt-Plotten auch noch ne kurze Betrachtung zur Schaffung von Nerdästhetik und dem Rückerobern von Produktionstechniken, aber dafür reicht mir nun grade die Zeit nicht.
Bookcrossingtechnisch bin ich nun auch ent- bzw. versorgt und dann lief mir die Festplatte voll auf dem Netbook. Vier Gig SSD sind nicht genug. Kurz noch, was ich verpasst habe – da war zum einen der Fabber, auch Rapid Prototyper oder 3D-Printer geheißen:

HAR2009: Ein Fabber bzw. 3D-Printer, leider nicht in Action

Mit den Dingern kann man Gegenstände drucken. Noch sind die Fabber der nichtindustriellen Sorte recht primitiv und können eben relativ einfache Kunststoffgegenstände herstellen, die Entwicklung als solche finde ich aber irgendwie hochinteressant, da lauert irgendwo eben das „Zeug aus dem Netz laden und ausdrucken“ – Ding für materielle Güter dahinter. Ja, ich kenn die Einschränkungen :o) Ich glaub nicht, dass da in absehbarer Zeit ein Big Thing kommt, aber ich finds spannend.

Weiter das Kinderprogramm. Man ist durchaus sauer, nicht mehr acht Jahre alt zu sein:

HAR2009: Kinderprogramm

Legoroboter bauen. Harr! Und ich denke, man hätte mir als Kind das Gemüseschneiden auch schmackhafter machen können, wenn ich dafür Lasercutter zur Verfügung gehabt hätte.

Wenn ich grade beim Verpassen bin: nun geht der EFF-Vortrag zur Selbstverteidigung gegen Überwachung los. Parallel dazu: Lockpicking und Hacken von SMS-basierten Ticketdiensten, beispielsweise im ÖPNV. Ich weiss nicht, wer das parallel gelegt hat, aber ich denke, es ist für alle auch besser so.

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3 Responses to HAR2009, sozialwissenschaftlich vermischtes vom Samstag

  1. Fege says:

    Hmmmm, bei dem FLA im vorletzten Satz fühle ich mich ja direkt angesprochen ;-) Gruß aus Benztown!

  2. Korrupt says:

    FLA? Und hatte ich da womöglich Unzulänglichkeiten verpasst, in die du direkt involviert warst? ;o)

  3. Fege says:

    FLA = TLA++; (http://en.wikipedia.org/wiki/Three-letter_acronym)

    Glücklicherweise nicht direkt involviert. Aber man gehört ja quasi zur professionellen Zielgruppe ;-) Gruß aus S21!

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