Also taz, deine Blog-Logfiles und dein Datenschutz…

…das ist schon so ne komische Sache. Es ist ja nicht so, dass ihr wegen eurer abmahnenden Bloggerin nicht inhaltlich wie rechtlich nicht schon genügend Lerngelegenheiten habt, (und nicht nur ihr), aber ich hab noch was. Wenn ihr euren Bloggern und Bloggerinnen schon einfach so Zugriff auf die ganzen Kommentarlogs gebt und die noch öffentlich damit anfangen anzugeben, was sie denen alles entnehmen können, dann baut irgendwo auf eurer Seite doch bitte einen Datenschutzhinweis ein, auf dem steht, wer von euch alles wo erzählen kann und darf, was er in euren Logs über mich rausgefunden hat, wenn ich mal wieder meine, was kommentieren zu müssen.

Ums zu erläutern:

Ich stieß letztens im Rahmen der angestrengten Diskussion um eure USA-Bloggerin auf zwei ihrer Kommentare, die mich etwas stutzig machen. IP-Adressen und Mailaddi rausfinden – klar, das geht mit WordPress. Dass man dann aber gleich veröffentlicht, wo ein Kommentator der IP zufolge herkommt, das machte mich stutzig. Und dann fragte ich mich, ob die taz eigentlich irgendwo auch dem Leser sagt, dass die Blogautoren a) Zugriff auf die Daten der Kommentierer haben und sich b) über selbige auch noch öffentlich verbreiten können, wenn sie mal jemanden ein wenig herdissen möchten.

Ich sag mal so: Ihr gönnt euch ein Blog über Datenschutz – google liefert in dem Zusammenhang hoch ironische Ergebnisse – weist aber nirgends auf eure eigenen Datenschutzrichtlinien hin, jedenfalls konnte ich nichts entsprechendes finden, und man *sollte* diese Angaben ja mit einigermaßen vertretbarem Aufwand finden können.

Die taz setzt Cookies, sie erhebt die Mailadresse, wenn man kommentiert, ihr loggt IPs und lasst eure Blogger sogar noch öffentlich drüber schwadronieren, woher die Kommentatoren ihrer IP zufolge kommen. Bei einer Kontaktmailanfrage gebe ich ebenfalls meine Mailadresse an, auch meine Anschrift, sollte ich einen Leserbrief schreiben wollen. Auch hier keine Rede davon, was mit den Daten passiert – wenn ich mit Blindheit geschlagen bin, zeigts mir bitte.

Das wäre bisher kein Problem für mich gewesen, der taz traute ich einen diesbezüglich verantwortungsvollen Umgang durchaus zu. Wenn die Frau Schweizer aber öffentlich damit anzugeben beginnt, was sie alles über ihre Kommentatoren weiß, dann wird alles ein wenig komisch und ich würde doch gerne auf der taz-Website irgendwo nachlesen können, wer von der taz sich nun mit welcher rechtlichen Begründung öffentlich mit dem Besitz meiner personenbezogenen Daten brüsten darf, sollte ich auf die Versuchung hereinfallen, bei ihr was zu kommentieren.

Schreibt das doch bitte irgendwohin demnächst. Danke.

Disclosure: Angesichts eines länger zurückliegenden Zwischenfalls wird gerne eine gewisse Feindschaft zwischen taz und unter anderem mir vermutet, dem ist nicht so, ich seh das alles sehr entspannt, mag die taz eigentlich gerne und bin auch glücklich über das politische Abo, das wir für unsere Kneipe abgeschlossen haben. Seitdem die taz keine rotgrüne Regierung mehr schönschreiben muss, les ich sie sogar wieder gerne. Meistens. Nur die Seeliger kann ich nicht ausstehen, aber das ist halt so und hat mit der taz und der Geschichte hier nichts zu tun. Wobei, dass die euch bei dem Blogdings da grade nicht ein wenig fachfrauliche Krisenassistenz geben konnte, versteh ich nicht wirklich.

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10 Responses to Also taz, deine Blog-Logfiles und dein Datenschutz…

  1. Der Personenbezug einer IP-Adresse, mein lieber Herr Korrupt, löst sich allerdings in Luft auf, sobald man pseudonym kommentiert.

    Eigentlich ist es egal, ob jemand sehen kann, von welcher IP-Adresse ein Kommentar kam. Jene vielbeschworene Nummer ist ein Datum ohne jede Aussagekraft.

    Ihre verständliche Kritik zeigt nur, daß Frau Schweitzer nicht mit vertraulichen Informationen umzugehen weiß.

  2. Korrupt says:

    Nun, ob die IP nun poersonenbezogen ist oder nicht, da haben wir schon ein paar Gerichtsurteile den Neckar runterschwimmen sehen. Faktisch wurden/werden IPs in den einschlaegigen Verfahren recht selbstverstaendlich als identifizierende, personenbezogene Information zur Identifikation des Anschlussinhabers verwendet. Aber geschenkt.

    Dass die Schweitzer im konkreten Fall niemanden outet, ist mir auch klar. Und dass sie nicht damit umzugehen weiss: das ist der eine Punkt und dass man solchen Leuten offenbar weitreichende Logzugriffe gibt bei der taz, ohne dass das der datenabliefernde Kommentierer erfaehrt, der zweite.

    Der letzte natuerlich, dass sie offenbar sehr grossen Wert auf den Gesetzesbuchstaben wert legt, wenns um die eigenen Interessen geht. Selber kann mans natuerlich halten wie der auf dem Dach, wenn man anderen wie diesem Kommentierer existenziell wichtige Argumente reinwuergen kann wie das, dass er gar nicht wissen kann, wie irgendein amerikanischer Kaffee geht. Allein der Anlass schon.

  3. remei says:

    Wie sollte man als in NYC lebende Journalistin auch wissen, dass der Umgang mit IP-Nummern in .de ein etwas anderer ist. Es genügt zu wissen, wie Kaffee gemacht wird und dass man sich Kritiken vorher absegnen lassen muss.

  4. Eigentlich sehe ich den Fehler nicht darin, daß Autoren der taz IP-Adressen ihrer Kommentatoren sehen können, sondern daß Zugangsanbieter gezwungen werden können, sie mit einem Anschluß zu korrelieren, damit Hinz und Kunz falsche Schlüsse daraus ziehen kann.

    Aber einverstanden. Es wäre besser man schreibt dazu von wem man glaubt, diese Daten gingen ihn was an.

  5. Jens says:

    Gibt man Frau Schweitzer wirklich Logfile-Zugriff? Oder sind das nicht einfach die standardisierten WordPress-Mails, in denen auch IPs stehen?

  6. aSyNchron says:

    dafür dass du die seeliger nicht ausstehen kannst, kriegst du jetzt einfach spontan nen bloggerkuss, so!

  7. Pingback:Links anne Ruhr (07.11.2009 – 08.11.2009) » Pottblog

  8. Korrupt says:

    Jens: Ja, kann natuerlich auch gut sein. Das Problem bleibt dasselbe, bzw. ich weiss nicht mal, ob ichs so noch schraeger finden soll. it Logeinsicht kann man die Sachen natuerlich auch lokal speichern, wenn man als Freier bei der taz drauf Zugriff hat, aber so werden sie noch frei Haus geliefert und koennen von der taz nicht mehr geloescht/gesperrt werden. Sprich, die taz liefert Userdaten an externe Mitarbeiter, die eben auch mal auf eigene Faust Leute abmahnen lassen. Wie gesagt, das ist an sich nicht mein Problem, sondern eben, dass man nirgends drauf hingewiesen wird.

    aSyNchron: ich glaub, da kannst halb Deutschland knutschen :)

  9. mike says:

    Schwierige Sache, schön ist das nicht, Du musst Dir aber auch die Frage stellen, wie man nun diese Taz-blogs bewertet. Ist das jetzt „redaktioneller“ Inhalt der TAZ, oder einfach eine weitere Blog-plattform (ja ich weiss, für einen „elitären Benutzerkreis, aber trotzdem…) wie wordpress.com oder blogger.de oder hastenichgesehen.
    Wenn man sich die Geschichte von dieser Seite ansieht, dann ist der Datenschutz nämlich plötzlich „Privatsache“ der Autoren da, die sich, so ernstgenommen, selbst um ein entsprechendes WP-Plugin kümmern müssen.
    Oder sehe ich das falsch?

    P.s. Wo ist eigentlich Deine Datenschutzerklärung? :p

  10. Korrupt says:

    Wie weit die tazblogs Autoren- oder taz-Sache sind, kann ich auch nicht einschaetzen. Das Problem gilt ja auch global fuer die taz-Site, und dann da auch wieder: wenns fuer die „richtigen“ taz-Seiten anders aussaehe wie fuer die tazblogs, ein Grund mehr, dem Leser/Kommentierer zu sagen, woran er wo genau nun ist.

    Meine steht im Footer im Impressum. Halte ich noch fuer einen einleuchtenden Ort zum danach gucken.

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