Cebit 2010 zeigt die sichere Schule

So, erst noch was anderes vor den unspezifischeren und durchaus positiven Cebit-Eindrücken. Ich hab hier einen Prospekt von Micro I/O liegen, einer portugiesischen IT-Firma, die eine sichere Schule der Zukunft beschreibt, in der alle Schüler mit ihrer SIGE Card ausgerüstet sind. Denn die macht das Schülerleben sicher und rundum überwacht. Und bestimmt gibts noch ne ganze Latte solcher Lösungen draußen im Zombieland, die ebenso regelmäßig in irgendwelchen Pilotstudien für ganz großartig und sicher befunden werden. Aber vor der Pointe kurz zur Funktion.

Ohne SIGE-Card plus PIN kommt man nicht in die Schule rein. Wers trotzdem versucht, wird gefilmt. „Keine Fremden mehr, die sich einschleichen wie früher“, so der Flyertext (den ich im Folgenden weiter aus dem Englischen übersetze). Niemand kommt nebenbei vor Unterrichtsende raus. Und wenn sich das Kind zu spät einbucht, kriegen die Eltern direkt und automatisch eine SMS. Verpflegung kriegt man drin auch nur noch mit Karte („Diebstahl und Mobbing wird reduziert“), und die Essenswahl des Kindes wird nebenbei noch den Eltern auf einem eigens dafür eingerichteten Web-Portal angezeigt („…um zu prüfen, ob er eine vernünftige Balance zwischen Fleisch und Fisch einhält…“). Wer zu spät sein Essen vorbestellt, wird zwar nicht per Eltern-SMS gemeldet, aber vom System angetrötet. Erzieherischer Effekt galore.

In den Klassenzimmern wird die Vollständigkeit der Klasse per RFID-Reader überwacht (was die Unterrichtszeit viel effizienter nutzbar mache). Auch die Schulbusse sind mit den Readern ausgestattet und natürlich kriegen die Eltern wieder eine SMS, wenn der Junge einsteigt – so kann man ihn nämlich besser von der Haltestelle abholen.

Und all das ist nicht nur möglich mit SIGE, dem Schulchipkartensystem von Micro I/O, nein. Das System wird täglich in über 350 Schulen in Portugal bereits eingesetzt. Gefördert mit EU-Mitteln. Google Translate, Webseite scheint etwas knapper als der Prospekt.

(Anmerkung: In der Halle 11 mit den Schwerpunkten IT-Security, Überwachungs- und Sicherheitstechnologien war ich nur kurz nach Messeende zum Kaspersky-Standparty gucken (…und mich wundern, warums grade bei den Sicherheitsleuten praktisch nur Alkohol zu trinken gibt). SIGE sitzt bei uns in Halle sechs, Business IT. Zugegebenermassen ist da auch ein (kleiner) Bereich RFID und Access Control.)

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3 Responses to Cebit 2010 zeigt die sichere Schule

  1. daniel says:

    Na da weiss ich doch wofuer ich Steuern zahl :o)
    Wann schaffen wir die EU Diktatur eigentlich wieder ab?

  2. Champanda says:

    Fantastisch!
    Die Prozessoptimierung und das Sicherheitsbedürfnis treiben immer beeindruckendere Stilblüten. Ich denke, das sollte schleunigst ausgeweitet werden auf die Kioske der Schulumgebung (hat sich da etwa ein dickes Kind schon wieder eine bunte Tüte gekauft?) und die RFID Reader sollten auch Alarm schlagen, falls sich unautorisierte Minderjährige der Raucherecke nähern. Eventuell könnte das Gesamtpaket der begangenen Verstöße auch schulhalbjahresweise in einer grafisch hübsch aufbereiteten Grafik zusammengestellt und an die Eltern verschickt werden. Das könnte den Eltern helfen, die knapp bemessene Zeit für Erziehung wesentlich effizienter zu nutzen. Warum sind die Deutschen wieder mal Schlusslicht bei solchen Entwicklungen und verpassen derart wichtige Trends?

    Setzen, sechs!

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