Ich bitte um Gewaltverständnis!

Immer wieder gern geführt, die Gewaltdebatte, was ist legitim, was nicht, was disqualifiziert und so weiter. Ich seh das gelassen, wenns ohne geht, solls mir recht sein, aber auch dann find ich die allgemein gepflegte und vor allem geforderte Distanziererei und Scheißefinderei meist bekloppt bis zum Kotzen. Weiter gebe ich mich nicht der Illusion hin, dass alles immer schön ghandimäßig kommen und laufen muss, manchmal gehts nicht ohne Gewalt (eine Binsenweisheit, die beispielsweise in Sachen Gewaltmonopol des Staats praktisch nie generell in Frage gestellt wird, wie es – auch und gerade bei legitimen – Aktionen permanent geschieht).

Es gibt wohl gerade genug Szenarien, wo man auch als „Gewaltablehner“ zumindest nachvollziehen kann, wenns dann knallt. Ob nun Notwehrsituationen, oder der eine oder andere Fall von Selbstjustiz wurde sicher auch schon mit nur wenig verhohlener Sympathie, aber zumindest Verständnis für das entsprechende Handeln diskutiert.

Vorneweg mal wieder: ich seh im Erschießen von Repräsentanten systemimmanenter Prinzipien keine sonderlich erfolgversprechende Strategie. Man sollte es meiner Ansicht nach tendenziell eher lassen, außerdem ist es verboten.

Aber Verständnis aufbringen: dass ich das könnte, bei diesem Gefühl ertappe ich mich grade, wenn ich (mal wieder via fefe) davon lese, dass die Exxon Valdez-Ölpestaufräumer fast alle tot sind und sich das wohl grade wiederholt. Und sich wohl auch weiter wiederholen *soll*, BP will für künftige Katastrophen ja grade einen Notfallfonds, damit auch „kleinere Unternehmen“ tiefseebohren können ohne diese lästige Angst, pleite zu gehen, wenn sie die Sicherheitsbestimmungen umgehen und auf die Schnauze fallen damit oder die Scheiße einfach so passiert.

Oder dass wegen ein paar Spekulanten auf Grundnahrungsmittel bei konstanter Lebensmittelproduktion eben mal die Leute verhungert sind.

Oder von der ganzen Scheiße um die bestehenden oder entstehenden Atomklos in .de und vermutlich auch anderswo.

Was ist das eigentlich, wenn da die Strandputzer elend krepieren, weil sie den Dreck aufgeräumt haben, an dem sich irgendwelche Arschlöcher ihre Drittvilla verdient haben? Was ist das Verhungern für den Profit einer Spekulation auf steigende Weizenpreise? Ist das keine Gewalt? Ich sag mal so: wenn sowas Schicksal oder Kollateralschaden ist, dann gilt dasselbe für irgendwelche toten Verantwortlichen auch. Egal, an was sie gestorben sind.

Kategorie: Uncategorized Tags: . Permalink.

6 Responses to Ich bitte um Gewaltverständnis!

  1. Lauscher says:

    Hm, das würde ich ja fast genau so unterschreiben wollen. Ich muss zugeben, ich kann das wirklich nachfühlen. auch ich hatte in letzter Zeit schon mehrfach den Gedanken, dass sich bestimmte Leute echt gut zum an-die-Wand-stellen eignen würden. Auch spukte mir schon seit längerem die Idee einer bundesweiten, koordinierten und synchronen Bankraubaktion im Kopf rum, quasi ein Bankraub-Flashmob.

    Das Hauptproblem – ganz davon abgesehen, dass ich Gewalt trotzdem nicht gutheißen würde – sehe ich aber in folgendem: Wie stehst du zu dem Argument, dass ausufernde Gewalt doch eigentlich das allerbeste ist, was den ganzen reaktionären Polizeistaat-Fans passieren kann? Ich nehme an, darauf warten einige fast schon sehnsüchtig, um endlich wieder einen Vorzeige-Terroristen zu haben und sich nicht wieder so was konfuses wie die Sauerland-Gruppe aus dem A… äh Ärmel ziehen zu müssen.

    Dein Posting erinnerte mich übrigens gerade an eine schon etwas ältere, aber an sich ziemlich zutreffende Definition von Protest und Widerstand einer nicht ganz unbekannten Gruppe mit drei Buchstaben. Man sollte deren Aktionen (vor allem die späteren) wirklich nicht gut heißen, aber in diesem Fall: wo sie recht hatten …

  2. Korrupt says:

    Die RAF hatte ich ja angeführt, du meinst die Definition von Meinhof, neh?

    Ansonsten aber Ack, klar, das wär genau das, was man jetzt noch braucht, um den Polizei- und Überwachungsstaat zu vollenden. Deswegen sage ich ja auch, es ist strategisch unklug, die Leute zu erschiessen. Es bringt nichts, im Gegenteil. Und es ist ja nichts schlimmes oder ehrenrühriges, da aus der RAF-geschichte eben auch zu lernen. Und ich gebs gern zu: ich erschreckts auch eher, dass ich da die *moralischen* Bedenken mehr und mehr wegbrechen sehe, und das sag ich als überzeugter Todesstrafengegner.

    Aber die Intention war eher die, diesen elenden Gewaltdiskurs mal nochmal ein Stück weit aufzubrechen. Ein wenig auch anknüpfend an das da.

  3. champanda says:

    weißte was? ist mir alles völligst egal gerade, weil: 4:0 und so!!!

    ich bin die bis dato 33 Jahre meines Lebens ohne die Erfahrung wie Ausübung köperlicher Gewalt ausgekommen, quasi voll ghandimäßig am start gewesen. wobei – stimmt nicht ganz, mit 16 haben mich mal 5 hooligans express-verlattet, ich legte mich schildkrötenartig auf den boden und wartete ab, dass es ihnen langweilig wurde. also doch ghandi.

    duck & cover heißt ja derzeit wohl auch die strategie von bp. keine ahnung, mir fällt dazu gerade kaum noch was ein. brent spar hatte ich immer als größtes pr-desaster in erinnerung, bp hingegen schlägt diesbezüglich shell nochmals um längen. nur: auch da ist’s, wie es ist – frequenz und tendenz der medialen berichterstattung werden naturgemäß abebben bzw. sich abmildern. und überhaupt, die ersten experten munkeln ja schon, dass bp gar nicht sterben darf, weil, sonst börse im arsch und polen offen, ui ui ui.

    warum hier noch keiner durchdreht? auch das kann ich nicht beantworten. aus vorstandsetagen der deutschen energiewirtschaft weiß ich zumindest, dass die jährlichen ausgaben für (scheinheilige) corporate social responsibility programme ständig planmäßig erhöht werden, da man tatsächlich und ernsthaft angst davor hat, dass der wütende mob irgendwann vor den werkspforten steht und denen die hütte abfackeln will. kein witz.

    weit scheint´s nicht mehr zu sein: der staat rüstet sich mit neuen versammlungsgesetzen, es wird fleißig an der gleichstellung des politischen extremismusbegriffs getüftelt. meine vermutung ist, dass man sich der drohenden proteste und ggf. eskalationen durchaus bewusst ist. es kommt der punkt, da wird´s trotz lena und einem 4:0 unerträglich, da möchte man sich auskotzen und dem nächstverantwortlichen eventuell auch mal…

    ansonsten: alter, sag bescheid wenn´s los geht ;)

  4. glidesurfer says:

    Meine Güte, du warst auch schon mal ruhiger in solchen Dingen. Bei dem Ton bekomm‘ ich ja schon fast Angst und darf wieder auf Fefe verweisen: Sei stark, steig aus!

  5. Korrupt says:

    hihi, da werd ich aber auch definitiv anrufen.

  6. Finkregh says:

    sehr gut; anrufen und dann drüber bloggen :)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere