Hallo, Kristina Schröder!

…ich werd grade mal wieder ein wenig ad personam-lastig hier (und keine Sorge, was nettes mit Stanislaw Lem- und INDECT-Bezug ist schon in der Mache), aber folgendes muss dem Netz selbstredend erhalten werden. Zum einen, weils jemandem wie der Schröder gar nicht oft genug um die Ohren geschlagen werden kann. Zum anderen, weils wirklich alle wissen sollten. Zum dritten, weils wohl nicht gewollt ist, denn neben dem Webtext ist inzwischen auch das mp3 bei radio fritz weg.

Fullquote, via:

Su Holder sagt der Familienministerin ihre Meinung!

Es ist ungefähr so, wie wenn der größte Klassenstreber, der immer nur Einsen schreibt, sagt: “Oh Gott, hoffentlich fall ich nicht durch”…

Familienministerin Kristina Schröder ist schwanger und sorgt sich um ihre Zukunft. Die Frauen der FritzRedaktion haben sich heute Morgen extrem darüber aufgeregt.

Su Holder mit einem offenen Wort an die schwangere Familienministerin:

Liebe Kristina Schröder,
ich freu mich eigentlich immer über Schwangerschaftsbotschaften, aber alle Zitate von Ihnen, die man heute lesen muss, rufen Ekel und Würgereflexe in mir hervor. Zum Beispiel: “Wir werden vor den gleichen Herausforderungen stehen wie viele andere Paare in Deutschland, bei denen beide beruflich sehr gefordert sind.”

Wie anmaßend, schamlos, unmoralisch, blind und bescheuert sind Sie eigentlich? Mit 16.529,50 Euro im Monat und einem garantierten, vergoldeten Betreuungsplatz in der 5 Sterne-Bundestags-Kita stehen Sie NICHT vor den gleichen Herausforderungen wie viele andere Paare in Deutschland.

Sie hoffen “Karriere und Familie unter einen Hut zu bringen mit der Unterstützung ihrer Familien”… Erzählen Sie uns bitte nicht, dass Sie von Existenzängsten geplagt sich nachts wälzen und sorgen, ob das Geld für Windeln reichen wird, ob Sie problemlos ihre Arbeitsstelle zurück bekommen. Fragen Sie sich lieber, wer eigentlich vor kurzem das Elterngeld gekürzt hat.

Ich wünsche Ihnen Sodbrennen, Wasserbeine, Müdigkeit, Krampfadern und Hämorrhoiden – wenigstens körperlich gleiche Herausforderungen.“

Um hier mal die üblichen Disclaimer zu entstellen: das mache ich mir zu Eigen.

Kategorie: Uncategorized Tags: , , , . Permalink.

9 Responses to Hallo, Kristina Schröder!

  1. Irgendwie erscheint mir „Traurig“ da als zu schwache Beschreibung der Sache…

  2. Flo says:

    Endlich mal einer, der Klartext redet, anstatt immer das Gesülze und scheinheilige Getue.

    Wo ist das Persönlichkeitsrecht verletzt? Weil der Autor ihr Gehalt nennt? Wenn es das ist, dann finde ich es albern, weil er genau damit Fakten auf den Tisch legt, welche die wilde These der guten Frau widerlegen. – Aber das wird es vermutlich nicht sein, oder? Vielleicht verstehe ich unter Persönlichkeitsrecht auch einfach was anderes.

    Sollte es um etwaige Beleidigungen gehen, sehe ich außer dem Wort „bescheuert“ nichts, das man meinetwegen als Beleidigung bezeichnen könnte, wobei ich selbst das im Kontext hier grenzwertig fände.
    Ein wenig derb finde ich nur den einleitenden Teil „ich freu mich eigentlich immer über Schwangerschaftsbotschaften“, denn das Kind kann nichts für seine Eltern, also bei aller Liebe. Der Rest ist doch ok…

  3. Korrupt says:

    Nicht mal das find ich jetzt irgendwie problematisch, dass dsas *Kind* nichts dafuer kann, ist ja klar, und da muss man schon schwer um die Ecke denken, um das falsch zu verstehen.

    Was mich wirklich ärgert: eines der grundsätzlichen Probleme ist das vollkommene Abgehobensein in weiten Teilen der Politik, das Nichtmehrwissen von den alltäglichen Sorgen „normaler“ Menschen. UNd diese Leute sollen dann definieren, was ein Regelsatz ist, der eine „menschenwürdige Existenz“ ermöglicht. Es ist *wichtig*, dass die Politik immer deutlich drauf hingewiesen wird, wenn sie grade offensichtlich jede Bodenhaftung verloren hat. Das ist das eine.

    Das andere ist natürlich die gute alte „das wird man doch noch sagen dürfen“. Eine rassistische Dreckschleuder wie Sarrazin kriegt da die Titelseiten und die Buchauslagen in den stinkenden braunen Arsch geschoben, und bei notwendigen Korrekturen der Sozialhalluzinationen einer verzogenen Göre, die ein wenig Familienministerin spielen darf, da eben nicht. BILD, übernehmen sie, ach, wobei, schon ok. :)

  4. January says:

    … erst Holgi und jetzt sowas

  5. roland says:

    Schade, ich hatte mich so auf den Bezug zwischen Lem und INDECT gefreut, bisher leider nichts erschienen.

    Kommt da noch was oder koenntest du zummindest den Gedanken kurz anreissen, damit man weiss, wo ich bei Lem suchen muss (gibt so viele moegliche Stellen, wo man Lem anwenden kann, ein genialer Kopf)?

    Gruesse

  6. Korrupt says:

    Kommt, kommt. Grade wirklich einfach zu viel anderes, um das zu Ende zu denken, aber achon allein, weil INDECT irgendwie schon wieder halb von der Tagesordnung ist, mag ich das nicht auf Halde lassen :)

  7. Korrupt says:

    Ach, und mir gings um Lokaltermin und die Diskussionen um die „Lenkbarkeit der Ethosphäre“ im vergripserten Lossannien. Es ist so eine Sache der Technikfolgenabschätzung und was für Dynamiken durch die neuen technischen Möglichkeiten entstehen und ob und wie die entstehende Dynamik kontrolliert wird, von wem und ob, überhaupt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere