Ein paar Worte zu der Amoklauf-Geschichte…

…ich reg mich grade nämlich wirklich auf. Teile dieses Textes hab ich schon im gulli:board geposted, um was es geht, schrob ich heute ne News dryber, ich versuch, hier mal ein wenig ruhiger zu sein. Nach Arbeit hab ich heute mal wieder taz gelesen, und da steht im Kommentar:

„Fast immer töten die Amokläufer sich am Ende selbst. Fast immer sind sie Waffenfetischisten, die mit der Tat ihre Minderwertigkeitsgefühle kompensieren. „Ich will, dass sich mein Gesicht in eure Köpfe einbrennt!“, schrieb Bastian B. in seinem Abschiedsbrief. Und immer sind Amokläufer Männer. So sieht das Muster aus. So viel wissen wir – viel mehr nicht.“

Viel mehr nicht, nein. Und in Futurezone, die ich sonst enorm schätze, wird beklagt, wie der medialen Wunschinszenierung der Täter bereitwillig nachgekommen wird.

Schon im Fall Steinhäuser versammelten sich alle hinterher und fragten, warum? Hier wirds auch so sein, die üblichen Verdächtigen werden nach Killerspielverboten schreien, nach Zensur von Bombenbauanleitungen im Netz und was weiss ich noch. Wer dahintersteckt, dass die ganzen Seiten des Täters aus dem Netz verschwinden, weiss ich nicht, wahrscheinlich wirds vielen Boardbetreibern wirklich auch ein Scheißgefühl machen, die Posts weiter zu hosten, die irgendwo vielleicht zeigen könnten, da kündigt sich was an, und wers nciht dick hat, dem kann schon die Trafficrechnung bei so ner geschichte wehtun. Trotzdem, immer fragen hinterher alle, wie kams? und hier gibts verdammt nochmal *Antworten*, und die verschwinden grade im Datennirvana.

Vor Internetz sind solche Sachen passiert und hinterher mussten sich ein paar Leute im Interview nach bestem Wissen und Gewissen erinnern, dass der Täter halt so und so drauf war. Hier haben wir heute die Möglichkeit zu sehen, wass der Junge tat, wie er dachte, wir können die Anzeichen sehen lernen, die auf die folgenden Taten hindeuten. Diese ganze unverschuldete Ignoranz der Gesellschaft kann hier ein Stück weit aufgeweicht werden, weil man sehen kann, wie jemand vor so einer Tat tickte, was er tat, was er dachte. Alle Welt könnte ein Stück dazulernen, was Sensibilität für diese „ewig unverstandenen“ Amokläufer angeht und sie vielleicht erkennen und ihnen helfen, bevor Leute sterben. Und all diese Informationen fliegen jetzt aus dem Netz.

Es geht nicht drum, dass die Sachen im Netz bleiben, damit sich irgendwelche sensationsgeilen Arschlöcher einen drauf runterholen können. Es geht drum, dass wir heute, anders als vor Jahren, die Möglichkeit haben, wenigstens im Nachhinein zu lernen, was da vielleicht passiert ist. Stattdessen wird gelöscht. Das bringt uns weiter, klar.

Wenn die ganze Hysterie um Amokläufer irgendwie begründet ist und „man doch was tun muß“ – dann muss man den Menschen das Handwerkszeug und die Informationen in die Hand geben, die ihnen zeigen, was sie tun können, und vor allem die Anzeichen erkennen helfen, wenn was zu tun ist. Material dazu gibts heute, anders als im Fall Steinhäuser, in großer Menge. Ich glaub fest an die Fähigkeit der Netzcommunity, dieses Material auch verfügbar zu halten. Ich kapier nur nicht, warum sie dabei behindert wird.

Edit, kurzer Nachtrag. keinmensch.de hat meinem Stand nach ziemlich ybel versucht, da zwischenzeitlich mit Layern Kohle zu machen, aber wenn ich unter http://keinmensch.de/viewtopic.php?t=38 lese, dass die Erben des Amokläufers offenbar als erstes um die Rechte an den Texten des Toten besorgt gewesen sein soll, dann kommt mir das mehr als schräg vor. Meines Wissens nach sind sie grade in Behandlung.

Kategorie: ich gegen die wirklichkeit, mac hell 1: job, mac hell 2: net. permalink.

6 Responses to Ein paar Worte zu der Amoklauf-Geschichte…

  1. tiberian says:

    Alle Welt könnte ein Stück dazulernen, was Sensibilität für diese “ewig unverstandenen” Amokläufer angeht und sie vielleicht erkennen und ihnen helfen, bevor Leute sterben. Und all diese Informationen fliegen jetzt aus dem Netz.

    Treffender hätte man es wohl kaum sagen können

  2. missi says:

    keinmensch.de ist da eh ein wenig schräg. Erst nen Briefmirror, das mag OK sein, dann die Layerads drin und danach dann blechtrommelschlagenderweise durchs Netz „Die Seite des Kranken(genauer wordlaut vergessen, müsst ich suchen ->beratungsnetz) ist wieder on).

  3. Kamuflaro says:

    Killerspiele… Korrupt, dass du dich diesem Hype unterwirfst hätte ich nicht gedacht *heul* Wenn Anglizismen, dann doch bitte Ego-Shooter. Oder egoperspektivisches Gegnereliminierungsrechnserspiel. Sowat in der Art halt :D

    Aber mal Spasz beiseite, mir fällt da ein problem mit der Argumentation auf mit der du die Sachen im netz behalten möchtest.
    Ich sehe auch, dass es möglich wäre einen Amokläufer ins Gehirn zu schaun, wenn man diese Informationen hat, aber wer sagt uns Laien, dass wir diese Informationen dann auch richtig verarbeiten und die richtigen Schlüsse ziehen und vor allem dann auch richtig handeln?

    Mal rein theoretisch, nehmen wir an die Infos blieben im Netz und Gotcha wäre per einläuchtender, aber falscher Argumentation eine wichtige Ursache für einen Amoklauf gewesen, dann verbieten wir Gotcha… Klasse… Nach dem Muster kann man das weiterspinnen. Das erinnert mich dann an das Gefahrenpotential, das sich ergibt, wenn man sich mit Kindesmißhandlung beschäftigt.

    Wenn die Information bliebe, dann sollte sie gesteuert werden. Unbewertet, so denke ich, kann sie Schaden anrichten.
    Schaden durch Fehlinterpretation. Einen durch Schaulustige entstandenen Schaden könnte ich jetzt nicht so wirklich begründen.

    Das macht mich grad alles depressiv >.

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