Unsere Sicherheit durch Kameraüberwachung…

…ist gefährdet. Der Gedanke kam mir heute bei einer Rauchpause am offenen Fenster, zu der ich mir ne Mütze auf meine Glatze wünschte, aber einfach keine dabeihatte. Ich hatte kurz davor Lars wegen einem feinen Interview mit dem FoeBuD gemailt, das er am Wochenende rauskloppte, und erinnerte mich an diesen Aufkleber:
Aufkleber zum Überkleben von Überwachungskameras
den man im FoeBuD-Shop kaufen kann.

Meine Sorge, dass die innere Sicherheit durch überklebte Sicherheitskameras gefährdet wird, war eigentlich immer gering. Man müsste zu den dann doch ein wenig höher angebrachten Kameras raufklettern, würde dabei aber wohl durch sie erfasst, auch das Beschießen der Objektive mit Paintball-Waffen scheint mir unwahrscheinlich und wenig erfolgversprechend, dafür aber riskant. Daher: die Risikominimierung im öffentlichen Raum erschien mir bislang als gesichert, die Kameras diesbezüglich frei von kritischen Sicherheitslücken.

Mit dem hereinbrechenden Winter beginne ich mich indessen etwas unsicher zu fühlen. Das fing mit dem Zusammentreffen des Mützenwunsches und dem FoeBuD-Aufkleber an.

Ich dachte darüber nach, dass man im Winter vollkommen unverdächtig erscheint, wenn man mit Kappe weit unten und Schal weit oben im Gesicht durch die Gegend spaziert. Auch das Mitführen eines Regenschirms dürfte kaum die Aufmerksamkeit anderer auf sich ziehen. Und nun werden wir hoffentlich völlig hypothetisch.

Eine böswillige Person, der an der Sicherheit im öffentlichen Raum nun gar nichts liegt – und solche Menschen gibt es, es ist wirklich erschreckend – könnte auf die Idee kommen, einen kugelförmigen Gegenstand, beispielsweise einen Golfball, anzubohren und ihn an die Spitze seines Regenschirms zu stecken bzw. kleben. Das ginge problemlos als Modeaccessoire in unserer postmodernen, wertevergessenen Beliebigkeitsgesellschaft durch.

Nun könnte dieser Mensch, dessen Skrupellosigkeit ich mir gar nicht en detail vorstellen will, auch den Winter zum Anlass nehmen, sich mit Mütze und Schal zu… nun, zu schützen vor der Kälte. So werden es gesetzestreue, sicherheitsbewusste Bürger interpretieren und vielleicht gar anerkennend zur Kenntnis nehmen, kriegt der so vermummte Saboteur doch weniger wahrscheinlich eine Erkältung, ist also fit und leistungsfähig und verursacht weder Krankentage noch Kosten im völlig kaputtschmarotzten Gesundheitssystem. Der Zerstörer der Gesellschaft erschiene quasi als ihr beispielhaftes, pflichtbewusstes Mitglied.

So verhüllt, könnte diese Gestalt, die hoffentlich nur in meiner, um die Sicherheit Deutschlands besorgten Phantasie vorkommt, mit Schirm, Schal und Melone, bzw. Kappe, zuzüglich einem FoeBuD-Sticker unter eine der Kameras treten, die verhindern, dass Junkies alte Frauen, die ihr Leben lang gearbeitet haben, ausrauben. Dass Terroristen Kofferbomben abstellen. Dass rivalisierende Jugendbanden sich Messerstechereien liefern. Die all das Schlimme verhindern, das man täglich in der Zeitung liest äh, das Ausmaß all des Schlimmen wirksam begrenzen, das man täglich in der Zeitung liest.

Nun nimmt der skrupellose Terroristenhelfer den Aufkleber und klebt ihn mit der Klebefläche nach außen auf den Golfball an seinem Regenschirm – ungesehen von der Kamera, unter der er sich befindet. Nur an den beiden Enden des Stickers klappt er die Klebefläche um, um ihn mit beiden Enden an dem Ball zu befestigen.

Eine stille Minute abgewartet, zu der niemand herschaut oder vorbeikommt – einmal den Arm mit dem Schirm hochgehoben und die Klebefläche des Stickers über das Kameraobjektiv gerollt, und dann ist es geschehen. Die Sicherheit in einem Teil Deutschlands ist massiv gefährdet.

Es scheint mir unwahrscheinlich, dass dieser Bug unbekannt ist. Dennoch sehe ich ständig Kameras ohne beispielsweise eine Drahtgittersicherung, die mit entsprechendem Abstand zum Objektiv (und der schlechteren Haftkraft des Gitters, im Gegensatz zu der der Linse) diese Angriffsmöglichkeit auf unsere Sicherheit ausschalten. Dennoch sehe ich Kameras, die als solche erkennbar sind oder womöglich gar erkennbar sein sollen. Dennoch sehe ich Kameras, die per Schirm am Arm problemlos zu erreichen sind.

Wann wird gegen diese existenzielle Gefährdung unserer Sicherheit endlich etwas getan?

Kategorie: ich gegen die wirklichkeit. permalink.

7 Responses to Unsere Sicherheit durch Kameraüberwachung…

  1. Lars says:

    Kleben sag ich nur, kleben!

  2. davadda says:

    …irgendwie wird mir immer mehr bewusst, dass Du einen mächtigen Knall hast…:)

  3. Korrupt says:

    Irgendwie wusste ich schon immer, dass du ne verdammt lange Leitung hast. :)

  4. Falk says:

    Das nennt man blühende Fantasie oder? *g*

  5. madchiq says:

    Kritisch anmerken moechte ich, dass der Artikel wohl eindeutig aus der sogennanten Oberschichtsperspektive geschrieben wurde. Regenschirm und Golfball, nee, klar. Andere „Schichten“ koennten aber imho durchaus aehnliche Ergebnisse mit einer gebraeuchlicheren Baseballkeule improvisieren.

    Hoffentlich kommt keine kriminelle Ader auf den Gedanken, eine Anleitung zu schreiben um eine solche Sabotage zu verueben. Waere echt uebel.

  6. Korrupt says:

    Weisst, madchiq, die Baseballkeule ist *verdaechtig*. Wir koennen nur hoffen, dass viele Unterschichtsangehoerige den Baseballschlaeger nutzen, damit fallen sie auf und kann die Sicherheit in Deutschland besser geschuetzt werden. Aber stell dir vor, diese Gruppe Menschen bemerkt, dass auch Prekariatsangehoerige Regenschirme mit sich tragen duerfen? Auch mit kostenguenstigen Accessoires, mit denen sie Individualitaet bei schmalem Geldbeutel praktizieren koennen?

  7. Pingback:just madchiq! » Anonym erwischt

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