Ein paar Gedanken über Angst und wer sie wovor hat

Es passt irgendwie nicht mehr zusammen, welche Sorgen gesellschaftlich diskutiert werden und wovor, ich sag mal, gewisse Angehörige der politischen und publizistischen Klasse. Stichwort Oslo, Kernkraft, sollte reichen. Ich bin kein Freund der Küchenpsychologie und bin mir der Gefahr bewusst, grade selbige zu betreiben, ich mag auch kein Manichäertum und selbiges folgt ebenfalls, mir reicht das stumpfe Vertreten der eigenen Interessen irgendwie nicht mehr als hinreichendes Erklärungsmodell für diese Diskrepanzen nicht mehr so recht aus. Klar will BILD Quote und damit Kohle machen und klar geht das besser mit Angst, aber damit und mit dem, was man von Diekmanns Penis so sagt, ist das alles irgendwann nicht mehr in der beobachteten Drastik erklärbar.

Ich habe das Gefühl, dass einige Leute da ganz konkrete, eigene Ängste und, ich sags einfach mal, Komplexe, da als bewusstes oder unbewusstes Motiv mit reinspielen haben. Jemand wie Uhl ist nicht einfach ein dummer, machtgeiler Scharfmacher ohne jeden Respekt, er ist in meinen Augen einfach auch ein schlechter Mensch. Auf das Risiko hin, unreflektiert Vorurteile abzusondern: Uhl ignoriert mit beneidenswerter Vehemenz, dass Menschen durchaus gewillt sind, Freiheit und ihre Risiken nicht nur auszuhalten, sondern sie auch und grade dann zu verteidigen, wenn sie angegriffen wird. Als Innenpolitiker ist man inzwischen ja schon prädestiniert dazu, aufs GG zu scheißen, wenn man den Mund aufmacht, aber diese Haltungen nicht zu stärken, sondern nach Möglichkeit zu diskreditieren und zu unterdrücken, da beginne ich irgendwann, persönliche Ängste reinzuinterpretieren. Angst vor eben einer ungegängelten und frei kommunizierenden Gesellschaft.

Gerade die Diskrepanz in Sachen Kernenergie und (innerer) Sicherheit finde ich hier inzwischen entlarvend. In Sachen AKWs wird von den Betonköpfen gepredigt, man dürfe und brauche keine Angst davor zu haben, die Verantwortung für jahrzehntausende lang strahlenden, giftigen Dreck zu übernehmen, den unsere Generation qua Definitionem in Sachen Lebenserwartung gar nicht kontrollieren kann. Geht es um Überwachung und Kontrolle der *Menschen*, ist kein Argument an den Haaren herangezogen genug, um Ängste zu schüren und das Abgeben jeder Verantwortung zu propagieren. Woher kommt diese unglaubliche Angst vor einer schwer überwachbaren Bevölkerung? Kann die aktuelle ekelhafte Reaktion „nur“ mit dem ganz normalen Effekt erklärt werden, dass man in der Politik eben irgendwann seinen Schlag Populismus und Machtgier abkriegt bzw. im Fall von CSU-Personal aufs eh schon vorhandene obendrauf?

Wie gesagt – im Falle von Gestalten des Schlags Uhl habe ich inzwischen das Gefühl, da zittern Leute um ihre eigene, als möglicherweise in einer allzu frei kommunizierenden und kooperierenden Öffentlichkeit allzu wackligen Position. Da ist sowas wie Guttenplag eine Sache, dasselbe Prinzip in Sachen Amigos vielleicht nochmal ein wenig deftiger. Obwohl doch landläufig bekannt ist, dass man „a Hund“ sein muss, um in der CSU überhaupt einen Fuß auf den Boden zu kriegen und die einschlägigen Akteure auch besoffen Leute totfahren können, ohne dass groß was passiert. Aber vielleicht ists eben einfach Angst, dass sich vielleicht doch was ändert.

In dem Kontext beeindruckt mich gelegentlich, Achtung, noch so ein schiefer Gedanke, die FDP. Dass die gelben Säcke die Machtnutten schlechthin sind, will ich ja gar nicht in Abrede stellen, aber dass sie trotz ihrer ganzen gekauften Ärsche und ihrer peinlichen Klientelpolitik gelegentlich für Freiheitsrechte eintreten, das imponiert mir manchmal schon ein wenig. Grund genug, die Hosen voll zu haben, hätten sie ja auch durchaus.

Jetzt, wo es dasteht, auch wieder wenig neues. Im Endeffekt der jahrelang bekannte Sachverhalt, dass sowas wie Meinungsfreiheit und freie öffentliche Diskurse eben lange Zeit nur ein Versprechen und mit dem Netz eben eine gesellschaftliche Tatsache geworden ist. Und wie gesagt, es ist aufschlussreich, wen das offensichtlich mit Angst erfüllt. Allein, die persönlichen Gründe dafür fände ich fast noch spannender.

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2 Responses to Ein paar Gedanken über Angst und wer sie wovor hat

  1. @derfreie says:

    Kann man so stehen lassen, bis auf den Ausflug mit der FDP (schon klar, dass du dich da selbst erschrocken hast).
    Wenn die Gelben die Gelegenheit hätten, würde uns ihre Klientel schon ihre Version von Freiheit zeigen.

  2. soligrab says:

    Menschen kontrollieren zu können ist ein vergleichsweise alter Gedanke, die Natur kontrollieren zu können ein vergleichsweise junger.

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