Zu Daniela Scherlers Antwort und wie Glauben zum Wissen wird

Bisher glaubte ich nur, dass die Personalie Daniela Scherler vollkommen untragbar für die Berliner Piratenfraktion ist, inzwischen bin ich geneigt zu sagen, dass sich das nach ihrer vielsagenden Antwort per offenem Brief zum Wissen hin geändert hat. Ich machs an ein paar Statements fest und mag mich dann noch ein paar Gedanken zur Fraktion selbst und den von mir vermuteten Hintergründen zu verbreiten. keine Angst, das wird sogar vergleichsweise versöhnlich, ungeachtet dessen, dass ich eine schnellstmögliche Trennung von Fraktion und Scherler sehr begrüßen bzw. das Beieinanderbleiben für fatal halten würde.

Tief blicken lässt bereits der Anfang:

„Ich habe mich bislang nie mit der Therapiemethode und den Weltanschauungen von Ryke Geerd Hamer auseinandergesetzt und nur am Rande die öffentliche Berichterstattung über ihn verfolgt. Ich war nie und bin auch heute keine Anhängerin der Neuen Germanischen Medizin. In Büchern von Rüdiger Dahlke, die ich gelesen habe, habe ich bislang keine positive Positionierung zu Herrn Hamer gefunden.“

Einmal: Dahlke selbst nach seinen in „Krankheit als Weg“ getanen Grundaussagen in Sachen Krankheitsentstehung nicht als problematisch zu empfinden bzw. nur die persönlich angeblich nicht bekannte Hamerverehrung als problematisch zu empfinden zeigt, dass die Frau fest verwurzelt ist in ihrer Traumwelt von Schuld und Verantwortung als Krankheitsursachen. Dazu passt auch das wenig verklausulierte Ersetzen von „Schuld“ nmit „Eigenverantwortung“ und selbst da, wo das esoterische „selbst schuld“ gar nicht mehr geht, in „spirituelle Verantwortung“. Das in Richtung AIDS-Infizierte oder Krebskranke zu kicken, ist das Letzte, es als „lockere Schreibe“ abzutun, eine verlogene Unverschämtheit. Zuletzt ist es auch nicht nicht so, dass man sie nicht auch und gerade explizit nach Dahlke gefragt hätte, ich zitier mich:

– Wie stehst du zu den Inhalten von „Krankheit als Weg“ von Dahlke,
insbesondere zu seinen Thesen der „Krankheitsentstehung“? …
– Wie weit sind die Jugendlichen in deinen Seminaren mit den „Lehren“
der genannnten Personen ausgesetzt bzw. den Kernpunkten derselben?

Nach ihrem Schweigen zu diesen Punkten hab ich auch keine weiteren Fragen mehr. Wer zu blöde ist zu begreifen, dass Dahlke hochproblematisch ist, soll bitte entsprechend intellektuell anspruchslosen Tätigkeiten nachgehen, und wenn sies begriffen und nicht beantwortet hat, dann aus gutem Grund. In beiden Fällen untragbar.

Weiter: Mit einem solchen Nichtwissen um die Einlassungen eines als Vordenker und empfehlenswerte Lektüre präsentierten Scharlatan disqualifiziert man sich schlicht und ergreifend als inkompetent, egal, worum es geht.

Mit der Passage

„Für die klassische Medizin würde ich mir wünschen, dass sie ihr Menschen- und Krankheitsbild auch in Zukunft erweitert, so wie es einige Krankenhäuser und Ärzte bereits tun. Ich lehne die klassische Medizin nicht kategorisch ab. Ich bin dafür, dass die Esoterik und Exoterik (Forschung und Wissenschaft) sich ergänzen und voneinander lernen. Die Quantenphysiker scheinen diesbezüglich Grenzen überschreiten zu können.“

demontiert sich die Frau komplett. Wenn einem Eso nichts mehr einfällt, kommt er mit Quanten (und belegt damit eindrücklich, dass er ausser seinem Esoquatsch auch nicht einmal gar nichts anderes zu kapieren imstande ist und nebenbei auch nicht davor zurückschreckt, die wissenschaftliche Arbeit in den eigenen Mist zu zerren und somit nicht nur den eigenen Schwachsinn zu verbreiten, sondern eben auch ordentliche Forschung mit diesem zu vermengen und so weiter zur Verdummung beizutragen.

Zu guter Letzt wurden die Statements, sie würde mit der politischen Arbeit nichts zu tun haben, auch bereits als Lüge entlarvt. Abgesehen davon, dass ihre „unpolitische“ Arbeit dazu führt, dass Texte wie der eben zitierte Schwachsinn auf einer Piratenpartei-Webseite stehen.

Ich will mich nicht weiterverbreiten, ich halte die Frau schlicht und ergreifend intellektuell wie auch moralisch für untragbar. Inhaltlich hat Marc Scheloske noch Lesenswertes zusammengetragen, ich mag an der Stelle einfach seinen Ausführungen zur Scherler komplett zustimmen und überleiten zu einem anderen Punkt, der mir seit einiger Zeit im Kopf rumspinnt.

Anders als er glaube ich nicht direkt an ein „Stockholm-Syndrom“, sondern eher, dass man sich auf eine Bewerberin eingelassen hat, von deren esoterischer Weltsicht man (hoffentlich) nichs hält, die man aber angesichts knapper Zeit und vorhandener praktischer Erfahrung im AGH-Prozedere (sie war ja schon bei der FDP in ähnlicher Position unterwegs) als beste Wahl empfand. Ob man deswegen über die Verblödungsbemühungen der Frau hinweggesehen hat oder im Zeitdruck wirklich was übersah, ich weiss es nicht. Ich hab, wie gesagt, eher den Eindruck, da sind ein paar Leute ganz froh an jemandem, der die ganze Institution, die Abläufe, Notwendigkeiten, Leute, Möglichkeiten etc. schon kennt, weils man eben selber nicht tut.

Das entschuldigt leider gar nichts, aber machts irgendwie verständlicher. Nichtsdestotrotz ists ein Unding. Schaut nach wem kompetenten und werdet diesen Unfall da los.

Oh, Nachtrag: soviel zu ihrer Ablehnung rechtsradikalen Gedankenguts.

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