Spiegeldissen II

…weil den Spiegel zu dissen, ist ja an sich grade modisch. Also mach ich das auch Ich mach das trotzdem, weil die aktuelle Printausgabe mal wieder titelt, dass man knochenkotzen will,und wenn man dann die Titelgeschichte liest (Fehler! Mächtig großer Fehler! Bleibenlassen!), dann regt man sich als denkender Mensch nur noch auf und verzweifelt an der Welt.

Es geht ums „Schicksal“ und um Propheten und seltsame Zufälligkeiten und dass das alles doch vielleicht irgendwie von Bedeutung, voraussehbar, in manchen Fällen zumindest ungewöhnlich ist, und alles zusammen atmet das „Da ist vielleicht was, wovon wir nicht wissen, dass, und deswegen ist da noch nichts belegt, aber trotzdem…“, und es ist ein einziges Elend. Da wird Nostradamus angeführt, die altbekannten Kennedygeschichten, man wundert sich geradezu, dass die Scheiße über Kennedy und Lincoln oder der Bibelcode nicht kommt.

Hallo, Spiegel. Du arbeitest da fleißigst an der esoterischen Verblödung der Menschheit. Ein Haufen Esoteriker, die nicht ganz ernsthaft zur Sprache kommen, aber denen auch nix entgegengesetzt wird. Mittelalterliches Gewäsch vom Schicksal und der Determinierteit menschlichen Daseins, aktuelle Themen wie Neurologie habt ihr natürlich ausgelassen, man muss ja der vordergründig verspotteten Horoskopleserklientel die Rosette lecken. Hättet ihrs einigermassen ernsthaft gemeint, wo bleibt denn dann der Dawkins, den ich nebenbei nicht ausstehen kann, der eurem Müll aber derbe gutgetan hätte? Wo bleibt Lem mit seiner Analyse des Unwahrscheinlichen und der zwangsläufigen Unwahrscheinlichkeit allem, das passiert? Wo bleibt wenigstens ein vernünftiger Statistiker?

Ehrlich, was ne Scheiße. Wenn du ein gulli-User wärst, ich würd dir ein „Geh sterben“ schicken.

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6 Responses to Spiegeldissen II

  1. missi says:

    [20:52] @MissAntroph: ich bin ja immer noch dafür, das dumme menschen einfach platzen. wär ne riesen sauerei, gäbe feine fotos und danach wäre ruhe

    [

  2. Stephan says:

    Was hast du gegen den Dawkins?

  3. mike says:

    Du liest also den Spiegel. In der Printausgabe. Pfui! Pfui. Ich bin bitter enttäuscht. Ich hoffe, den gibt’s gratis in Deiner – ähem – Dingsklitsche und Du hast den nicht bezahlt.
    In der Taz war übrigens demletzt (Silvesterausgabe) ein guter Artikel für all jene, die noch nich ganz gecheckt haben, dass dieses „Magazin“ Stern und Focus und Bild&Co lang schon irgendwo rechts sonstirgendwo, wo, wie Missi über 8 Ecken andeutet, merkbefreite Menschen ihr peinliches „Leben“ „leben“, überholt hat. Lesen.
    Ansonsten ist http://Spiegelkritik.de immer gern auch mal ’nen Besuch wert, auch wenn die’s mit dem Dissen eher (leider) nicht ganz so haben, und Taz auch eher nur spartanisch, wie man am Fehlen des auf den Taz-artikel aufmerksam machen, merkt, lesen.

  4. mike says:

    Ok, ich red zu viel und zu schnell, es gibt einen aufmerksam-mach-Artikel:
    http://spiegelkritik.de/2007/01/02/spiegel-geburtstag-angst-am-dovenfleet/
    wenn auch etwas mager, aber wie gesagt, das Gedisse kommt zu kurz, das muss man aus dem Taz-artikel extrahieren.

  5. Pingback:just madchiq! » Nachtrag

  6. Korrupt says:

    Ich mag Spiegelkritik nicht wirklich, aber ich hab auch schon lang nicht mehr reingeguckt. Mir ein wenig zu bemueht, aber ich werf mal wieder nen Blick.

    Ja, den gibts im Cafe Konkret zum Bier zu. Ich hab an sich kein problem mit Spiegel lesen, den liest man wie alles andere auch, das ist ja nicht, dass man da immer davon ausgeht, dass da die Welt, wie sie ist, gezeigt wird, sondern eben das, worueber der Spiegel schreibt :) Unter dem Gesichtspunkt les ich den gerne, und es sind nach wie vor auch viele lesenswerte Sachen dabei.

    Dawkins hab ich laenger nicht mehr gelesen, ich hab mir auch sagen lassen, dass er von seiner reinen Determinismus-Position weg ist. Ich pfleg halt gerne meine Aversionen :o)

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