Ich bin ein Opfer der Verhältnisse…

…einerseits des Wetters und andererseits der Hosensituation. Ersteres war heute gelinde gesagt regnerisch. Zweitere ist geprägt vom Verweilen meiner Moppedhose bei der Reperatur – Reißverschlüsse und Knöpfe müssen angesichts des mächtigen Innendrucks meines anmutigen Gem^H^H^HBierbauchs nachgerüstet werden.
Mit ner Jeans heut abend heim, hey, es ist nicht sonderlich weit, aber es ist verdammt unangenehm. Vor allem, wenn man sich vornimmt, die leckere Wokaktion von letzter Woche zu wiederholen und noch eine Extrarunde um den Ring macht, um im bevorzugten Asienshop noch Zitronengras und Limonenblätter zu holen. Ich steh klatschnass vor verschlossener Tür, zehn vor sieben. Verdammt. Kein Zitronengras, keine Limonenblätter, und es ist scheissnass und scheisskalt.

Davon lass ich mir die Völlerei aber nicht verderben, weil Todsünden sind geil und machen Spass. Also, ans Werk.

Man nehme ein Pfund zartes Fleisch – Putenbrust ist prima, wem eher nach Schwein ist, möge jenes zu Geschnetzeltem zerschnippeln. Nicht allzudünn, so Fingerdicke ist ein gutes Maß. Anschließend nehme man einen tiefen Teller, die gute rote Currypaste und Olivenöl, verreibe einen Teelöffel Paste in Olivenöl und mariniere darin das Fleisch.

Nun kann man sich dem Gemüse widmen. Das ist Ermessenssache, ich nehm immer so ein Pfund rum, je nachdem, was da ist – Broccoli/Möhren/Blumenkohl tiefgekühlt, asiatische Pfannenmischung aus der Truhe tuts auch, kann man natürlich auch frisch nehmen, frische Soja- oder Bambussprossen sind natürlich immer gut, und auch ne geschnippelte Zwiebel und/oder Lauchstange kann man reinwerfen, Zuchini, wie es beliebt. Während dem Schnippeln kann man mal …

Exkurs. Einen Wok nehmen. Der sollte drei Merkmale aufweisen:
– groß sein
– schwer sein
– unbeschichtet sein.
Ich hab das Vergnügen grade nicht, was alle wichtigen Eigenschaften angeht, und das ist gruselig. Ich werd daran im Lauf des Jahres 2007 was ändern.

Einen großen, schweren, gusseisernen Wok kann man nämlich knallheiss werden lassen, Öl reingeben, nochmal nen Teelöffel Currypaste, die anbraten im Öl, bis sie sich schön verteilt hat, dann das Fleisch rein. Scharf anbraten, dass sich die Poren schnell schließen. Nebenbei einen großen Topf Wasser für die Glasnudeln aufsetzen.
Ist das Fleisch angebraten, das Gemüse je nach Konsistenz dazu – Zwiebeln und geschnippelte Paprika zuerst, TK-Kram, der nur heiss werden muss, später. Währenddessen schnippelt man je nach Gusto drei, vier Halme Zitronengras klein. Die äußeren, holzigeren Schichten kann man durchaus auch nehmen, aber eben nicht alle, wie weit man die abzieht, ist Geschmaxxsache. Nun wirft man so um die 200, 300 Gramm trockene Glasnudeln in den Wassertopf und gibt ein wenig Salz zu.
Wenn das Gemüse auch ein wenig angebraten ist, macht man ne Dose Kokosmilch auf und löscht alles damit ab. (btw., ich hasse Kokosgeschmack. Hier ists aber völlig unproblematisch. Ich kanns mir auch nicht erklären. Oder halt dadurch, dass alles irgendwie trotzdem nicht nach Kokos schmeckt.) Man wirft Zitronengras, Limonenblätter, Salz, Pfeffer und, wenn mans mag, noch etwas klare Brühe dazu.
Alles durchköcheln lassen, wenns flüssig scheint, keine Panik, man muss eigentlich nicht abbinden, wenn man hinterher die fertigen Glasnudeln in die ganze Bescherung reinkippt und noch 5 Minuten durchziehen läßt.

So, und genau das machte ich nun und bau mir jetzt eine Kippe. Wenn man das mit der Kocherei clever anstellt, kann man nebenher problemlos noch einen Boardaccount sperren, zwei weitere vereinigen, ein Dresden-Dolls-Bootleg anhören, zwei Kippen rauchen und ein Bier trinken, sich über Bloggerschwanzvergleiche hartnäckiger Web2.0-Leugner scheckig lachen, einen weiteren Server begrüßen und danke für den Dresden-Dolls-Tipp sagen.

*kippeanzünd*

Bevor ichs vergesse, ich kriegte ja keine, aber wenn ihr das nachkocht, die Limonenblätter nicht mitessen :) ich hab statt Fleisch auch einfach schon Kartoffeln grob geschnippelt und scharf gebraten, Rest wie oben. Vielleicht für die Vegetarier unter uns interessant. Guten Hunger.

Kategorie: fundstücke, ich gegen die wirklichkeit. permalink.

7 Responses to Ich bin ein Opfer der Verhältnisse…

  1. missi says:

    Du schickst mich hier her…wegen nem verdammten Kochrezept?

  2. Korrupt says:

    Jetzt, wo ich drüber nachdenke. Live-Blogkochen. Man fängt mit nem Beitrag an, in dem man die Zutaten listet, und kommentiert dann nach und nach die einzelnen Schritte. Wie schnell/langsam manches geht und wie man warten sollte mit dem einen oder anderen, sieht man dann an der Uhrzeit der Kommentare. Kam schon wer auf die Idee, oder soll ich mir da nen Blogbutton patentieren lassen?

  3. mike says:

    2 Sachen: Geht das auch mit Tofu und ohne Zitronengras und Limonenblätter?
    Das Andere: Wenn Du in Deinem Firefox so Deine Rezepte zurechttippselst, werden da manche Wörter so geringelt unterstrichen? Ja? Das ist die neuerdings eingebaute Räschtschraipkorrkontrolle. Wenn da so Ringel unter Wörtern stehen, die’s bei Google nicht nur mehr als einmal sondern Unmengen und Quazillionen gibt, dann würde ich Dir eine dringende Nachrecherche empfehlen, weil’s nich am FF-Wörterbuch liegt, sondern an Millionen Deppen da draussen und in Deinem blöden Guhli-Forum, die Dir den unredlichen Kram in’s Hirn ficken.

  4. Korrupt says:

    Mit Tofu hab ich das nie versucht, ich hab generell noch nie mit Tofu gekocht und weiss absolut nicht, wie man das behandeln muss, wies verkocht, braet, wasweissich.
    Ohne Zitronengras und Limonenblaetter gehts natuerlich, nur schmeckts dann nicht ganz so gut :) Zumindest die Blaetter wuerd ich reinschmeissen, die muss man ja nicht mitessen.
    Die Rechtschreibkorrektur hab ich nicht eingebaut. Ich ueberleg mal, ob ich das will.

  5. mike says:

    Ich bin mir sicher, Du willst die Rechtschreibreparatur. Du musst die wollen, weil sonst hätte ich mir hier umsonst ’nen fetten Ast abgeschrieben.

  6. Dorothy says:

    Kruzersonate wollte ich nachgucken und jetzt kauf ich mir vielleicht
    doch noch einen Wok, weil ich Hunger bekommen habe.
    So geht´s im Internet.

  7. Black Spy says:

    Fleisch hat keine Poren, demnach können die auch nicht beim Anbraten geschlossen werden. Durch das Anbraten verbessert sich der Geschmack des Fleisches. Ob das Fleisch saftig bleibt oder trocken wird, entscheidet die Qualität des Fleisches und das Timing des Koches.

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