Vor fast neuneinhalb Jahren schrieb ich einen Bosch-Fanboyartikel, in dem ich einerseits feines Gerät lobte, die Beschaffung von Ersatzteilen bei Bosch hingegen als einen eher mühseligen Prozess mit einiger Luft nach oben beschrieb. Konkret: Auffindbarkeit meh, Usability meh, Angebot und generelle Reparierbarkeit per se aber hervorragend. Zusammengefasst: viel Licht unter großen Scheffeln und ein im- wie auch explitzites „Warum?“
Und vorneweg: heute ist das alles ein Träumchen, ich bin begeistert.
Damals passierte erst mal wenig. Ich erinner mich (es waren datenschutztechnisch entspanntere Zeiten) dass ich Traffic von Bosch-IPs auf dem Blog hatte, jemand nahms zumindest zur Kenntnis. Auf der Heimwerken-Facebookseite biederte ich mich gelegentlich an, sie sollten doch einen Erotic-Males-mit-Boschwerkzeug-Kalender machen und ich würde auch gern die Beispielbilder liefern, aber niemand sprang drauf an. Die Bosch-Geräte liefen indessen solide und auch wenn ich heute die kleinen 12V-Akkuteile in der GPA gelegentlich sehr praktisch finde, es geht doch nichts über eine schöne, kabelgebundene Bosch Blau-Handkreissäge, freihand ein paar Schnitte machen, sich von berufenen Leuten einen Grobmotoriker mit immerhin ruhiger Hand schimpfen lassen und … ich schweife ab.
Jedenfalls, am Bosch Blau-Bandschleifer war irgendwann der vordere Handgriff fratze. Nur wegen nem Handgriff was ordern war albern, weswegen ich den Bosch Grün-Schleifer aus der „defekt“-Kiste holte und beschloss, trotz eines wahrhaft langen und arbeitsreichen Lebens habe er noch ne Chance verdient.
tl:dr: das macht man heute auf boschtoolservice.com und was soll ich sagen, ich finde immer noch alle Ersatzteile für meinen Bosch Grün PBS 75 A. Und ich kann das gar nicht hoch genug hängen: konkret für genau meinen, das ist nämlich der älteste der Serie, am Ende einer Liste von immerhin 55 Iterationen und Ländervarianten. Ich müsste ihn Anfang Zehnerjahre (mit Venturekapital von Rocket Internet, haha!) gekauft haben und FSM weiß, er hat seinen Teil geleistet seitdem. Grüne Serie und nach wahrscheinlich eher 15 als weniger Jahren noch komplett reparierbar, ich wertschätze erheblichst.
Kurz nur das Doing: ich klickte mir die benötigten Teile zusammen, wurde auf aktuelle Verzögerungen wegen Vorweihnachtszeit hingewiesen (ich ahne Inventur), kriegte wie angesagt mein Päckchen und hab nun wieder zwei laufende Bandschleifer in der Utopiawerkstadt (a propos: spenden?).
Aber zum interessanten: Manöverkritik. Alles kein Vergleich zu damals. Komplett andere Liga. Man landet (nicht unmittelbar, ich komm dazu) beim Ersatzteilservice und findet eigentlich mit allen seinerzeit monierten Suchoptionen, was man braucht: Modellbezeichnung, Typnummer, Ersatzteilnummer. Klickbare Explosionszeichnungen. Bauteillisten drunter. Man schmeißt alles in den Warenkorb, zahlt und kriegt Material. Usability onpage wunderbar.
Die Ersatzteilnummern sind alle googlesichtbar und ohne JS-Gedöns auf der index, follow-Übersicht des jeweiligen Werkzeugs gelistet. Detailinfo zum Einzelteil ist reines JS-Layer, vollkommen vertretbar. Einzelergebnis der Suche nach einem Ersatzteil ist eine interne Suchergebnisseite mit noindex, follow – auch guter Stil und nachdem die Nummern googlesichtbar sind, an sich richtige Entscheidung.
Google indessen verkackt. Man müsste die Seite mit der Ersatzteilnummer finden, aber wie sich rausstellt, ist die nicht indexiert. Man mag über die Klicktiefe streiten und darüber, dass ich auf boschtoolservice weder ne sitemap.xml noch ne robots.txt finde, erstere ist vielleicht auch einfach gut versteckt. Wie auch immer, kann man als SEO wahrscheinlich nachjustieren, nichtsdestotrotz: wir haben hier
· evergreen content
· gebrandet, wie es kaum derber geht,
· transaktional (Ersatzteil kaufen) von einem
· Google Ads-Kunden.
…und wenn da Google den Plattenplatz lieber fürs Verarbeiten seiner Gemini-Halluzinationen verwendet, so be it, aber ich sag mal so: für Leute mit ernsthaften Intentionen im Netz (Kauf bzw. Verkauf von Ersatzteilen) ist Google hier natürlich ein Schritt, den man besser überspringt, es macht nur schlechte Laune.
Mir macht das inzwischen so schlechte Laune, dass ich testweise einfach noch mal bei Bing gucke, und tadaah…
…das ist die australische Seite und eines der neueren PBS 75 A-Modelle, aber da ist genau der Polschuh, der gesucht war. HALLO GOOGLE, JEMAND ZU HAUSE? BING MACHT EUCH GRADE BEI DER WEBSUCHE NASS, SPÜRT IHR NOCH ETWAS?
Kurzabschweifung: Das wirkt auf mich seit einiger Zeit nicht mehr wie ein Einzelfall. Ich schreib gelegentlich Wikipedia-Artikel und suche nach Sachen, von denen ich weiß, sie gibts online. Und ich bin immer häufiger da zum „schau gleich bei Bing“ übergegangen, weil ich sie bei Google nicht mehr finden kann. Es ist nicht mal mehr erbärmlich.
Zurück zu Bosch und dem Trivialkram. Eingangs bemerkt, wenn man nach „Bosch Ersatzteile“ sucht, landet man natürlich nicht unbedingt beim Toolservice. Das ist vollkommen OK, weil Bosch ja ein bisschen mehr Zeug herstellt als Elektrowerkzeug.
Vorn via Google-Ad ist die allgemeine internationale Landingpage für ersatzteilsuchende Endkunden. Mit „allgemein“ bin ich fein, das „international“ bin ich ein wenig zwiegespalten. Man wünscht sich natürlich die des eigenen Standorts, aber hreflang einer multinationalen Riesenseite, ich kenn schlimmere Strafen, wenngleich wenige. Weichen per IP/Geolocation? …können grade bei internationaler Kundschaft extrem nerven, da find ich es schon wieder cool, dass man sich seinen Standort selber raussuchen darf.
Nur reden wir ja über eine Google-Ad, nicht über organisch Platz 1. Hier kann man theoretisch natürlich je nach Zielland gleich die passende Länderseite spielen. Ads ist jetzt nicht meine Kernkompetenz, aus dem Stand würd ichs aber machen, weil beim wiedersuchen ist da durchaus auch mal Wettbewerb vorne (ich seh zB. FixPart.de) und ich schätze, mit einer englischen/internationalen Zielseite gibts ein schlechteres Quality Rating in Deutschland als der deutscher Marktbegleiter. Konkret: man könnte mit deutschen Ad-Zielseiten wahrscheinlich Geld sparen, das man grade Google in den Rachen wirft.
Organisch Platz 1 ist die Bosch-Professional-Landingpage, die mich per Buttonclick zum eigentlichen Shop weiterverweist. Auch hier Ambivalenz meinerseits, ich hab sowas immer gern auf der gleichen Domain und nen Klick weniger, Faktisch seh ich auf der internationalen LP ein anderes CMS als auf der bosch-professional, und dort wieder ein anderes als beim Ersatzteilshop, ob man sowas zusammengedengelt bekommt oder das überhaupt zusammendengeln will… ich ahne, da gewisse Bedenken durchaus nachvollziehen zu können.
Ein Fazit? Bosch wurde hier in den letzten Jahren um Welten besser und Google deutlich beschissener. Das wäre auch die Folie, vor der man in Detailkisten reingehen könnte. Auf die Schnelle scheinen mir so Sachen wie Produkt-JSON-LD in der Shopinstanz nachdenkenswert (seh ich beim flüchtigen Gucken keins). Andererseits: das ist bei einem riesigen, internationalen Shop nichttrivial. Es wird kein Kernziel sein – die Fachpartner vor Ort wollen ja auch leben. Und zu guter Letzt, Aufwand/Nutzen. Alle Welt schreit natürlich, Maschinenlesbarkeit! Wegen der KI!, ich hab noch keinen Usecase gesehen, der den Nutzen einleuchtend demonstrierte, und ganz trivial: wenn Google es nicht für nötig hält, die Seiten überhaupt zu indexieren, dann kann man den JSON-LD-Code auch mit zartem Bleistift irgendwohinmalen, bringt ebensoviel. Wenn Google in Plaintext schon keine Flachkopfschraube, 1 619 PB8 315 von einem Polschuh, 1 619 P08 315 unterscheiden kann, sondern dafür ein Extrascript mit vielviel Sahne und Puderzucker obendrauf braucht, dann macht Google seinen Drecksjob nicht. Scheiß auf die.
Team Bosch, und wenn ihr noch das mit dem Erotik-Male-Kalender mit leichtbekleideten Fanbois mit Boschwerkzeug hinbekommt, komm ich euch beim nächsten Zwischenhalt in Stuttgart knuddeln.










Du lobst hier die Nachhaltigkeit der Bosch Maschinen- ist schon eine gute Sache. Allerdings bekommt man in meiner Gegend kaum noch neue Bosch Maschinen- ein Mitarbeiter des örtlichen Baumarktes meinte es gäbe „Qualitative Differenzen zu anderen Herstellern“. Ich muss Dir voll zustimmen, Googles Suchroutinen, und auch die bei Ebay haben wirklich nachgelassen. Früher bekam man mal etwas ähnliches gelistet, heute nervt es mich total, weil ich alles gelistet bekomme, nur nicht das, wonach ich eigentlich suche…
Suchen würd ich seit längerer Zeit nur noch ab Hersteller, dafür ist mir die Unsicherheit bei irgendwelchen Teilebezeichnungen (haha, EAN, GTIN, Google, sowas lieferten wir mal mit den Produktfeeds an, klingelt da noch was bei euch oder macht das jetzt auch die KI?) jenseits derwen Homepages zu groß.
Bei der Qualität triffst du einen Punkt, den auch andere aufmachten. Blau heute sei grün früher, heißt es, ich kanns persönlich bedingt unterschreiben, weil mit dem Blau-Bandschleifer bin ich in der Tat unglücklich, weil als Profivariante seines älteren grünen Bruders machte er sich nie gut. Bei mir rutscht er als Montagsgerät durchm, weil einfach alles ein wenig zu hakelig, stramm, unzuverlässig ist, das fängt beim Spannhebel an, geht über einen launischen Feststellknopf bis zu einem „Der Staub kommt nicht raus, wo er soll“, drin bevor saubermachen). Ansonsten hab ich in Sachen Kreissägen, Akkuschraubern und Schleifern auch Makita, Metabo, AEG und Ryobi in der Hand, da ist jetzt nichts wirklich schlecht, aber jetzt auch nichts auf ne Weise besser, dass ich sagen würde, nun, da muss sich der Schwabe geschlagen geben. Ich geh mal davon aus, zumindest bei Makita wirds reparatur-/ersatzteiltechnisch nicht wirklich anders aussehen als bei Bosch.
Vermutung: grade bei Handelssortimenten spielt natürlich auch immer Preis/Marge mit rein. Klar, Qualität ansagen klingt klasse, aber die Motivation zur Empfehlung würde ich immer mit Vorsicht genießen, solange ich die Handels-Gewinnspannen nicht kenne.