Es mag gute Gründe geben, Pornhub mit einer gewissen Skepsis zu betrachten, ja, sie gar streng zu kritisieren, alleine, der Year in Review 2025 triggert mich zu einer umfassenden Lobpreisung, nachdem ich die These „Pornhub macht alles richtig“ über die Jahre nur in diversen Vorträgen und nur bezogen aufs Onlinemarketing vertreten habe. Da machen sie auch alles richtig, aber eben nicht nur dort. Außerdem retteten sie mir den Tag auf einer ansonsten entsetzlichen Dmexco vor X Jahren, aber ich schweife ab.
Das Year in Review von Pornhub ist der einzige Jahresrecap, auf den ich mich regelmäßig freue und den ich mit Interesse lese. Ich meine, sie fingen 2016 damit an, jedenfalls finde ich Folien von mir, die die These stützen…
…und noch weiter vorher gabs bereits Pornmd.com, eine „Liveanalyse“ des Suchtraffics auf dem diversen Pornhub-Network-Seiten. Grade stelle ich fest, das wurde wohl verkauft – bis Ende 2023 Pornhub-Network, seitdem eine niederländische Porn-Suchmaschine mit vielen, aber nun, anderen Quellen, und sieht mir alles sehr bezahlt aus. Whatever.
Disclaimer vorweg: ich bin nicht naiv, und ihr solltet es auch nicht sein. Was wir hier sehen/lesen, ist natürlich eine hochbereinigte und weißgewaschene Außendarstellung. Nicht im Sinne von „wir malen uns unsere Statistiken spannend“, sondern im Sinne von „Die Abgründe filtern wir weg“. Ich hab schon die eine oder andere Pornsuchmaschine von hinten gesehen und wenn man die Suchanfragen sieht, bevor die ganzen „preteen“ und „rape“-Anfragen (und schlimmeres) rausgefiltert sind, verliert man den Glauben an die Menschheit. That said.
Seit Jahren macht Pornhub im „Year in Review“ eine umfassende Traffic- und Suchanfragen-Analyse global und nach Ländern runtergebrochen, in wachsendem Maß angereichert mit netten Detailbeobachtungen und inzwischen auch längerfristigen Trends, es gibt inzwischen ja eine umfassende Recap-History. Dazu zwischenrein immer mal wieder anlassbezogene Infosnippets (Wie stark bricht der Traffic bei Sonnenfinsternis ein? Wie stark steigt er nach einer Apple-Keynote?), oder, ich sag mal, diskutable Ableitungen zu diversen Nationalcharaktern.
Dass das populärste Genre in Deutschland 2024 „Anal“ war und 2025 „German“, nun, ich bin sicher, es sagt was aus. Aber werden wir strukturiert. Ich sehe in den „Years in review““ drei größere Aspekte, die mich beschäftigen:
1. grundsätzliche Netznutzung (v.a. interessant)
2. erstaunliche Verschiedenheiten (v.a. amüsant) und
3. eine positive Normalisierung von Sexualität und Vielfalt (v.a. erfreulich).
Grundsätzliche Netznutzung
„Mobile first“ ist Basiswissen, allein, selbst im Pornbereich knappe 90% mobile ist eine Ansage, die einem nochmal auf andere Weise deutlich macht, wie wenig das tägliche (Publisher-) Arbeiten am Desktop mit dem mobilen Konsum der Nutzer zu tun hat. Spannend indessen: ich meine, zum ersten mal seit langem wieder sinkender Mobile-Anteil (-3%, Tablet und Desktop legten zu). Deutschland mit 18%(!) höchster Desktopanteil überhaupt. Und yeah!, 6,3% Linux auf dem Desktop, i like. Außerdem, i kid you not: 1% für VR (Meta Quest). Das ist ein beachtlicher Erfolg, bedenkt man die schlappen hundert Milliarden, die Zuck dafür verbrannte. Die Witze schreiben sich von selber. (zwei Absätze mehr zum erbärmlichen Zustand der Porn-VR nebenan).
Tatsächlich vermute ich hier aber ein wohlwollendes Aufrunden auf seiten Pornhubs. Vor einigen Jahren ließ ich mir aus berufenem Mund sagen, die VR-Stats auf den einschlägigen Pornportalen werden regelmäßig deutlich nach oben justiert, einmal zum Demonstrieren eines „wir und unser Publikum sind ganz vorn mit dabei“ und weiter wegen den Kooperationen mit den Produzenten der (kostenintensiven) Clips.
Wie auch immer. Browser- und Gerätestats gibts viele Quellen, alleine zur besseren Einschätzungen da auch mal die von Pornhub mitnehmen, justiert die Realitätswahrnehmung.
Erstaunliche Verschiedenheiten
With a grain of salt. Klar, es ist schon witzig zu überlegen, warum die Verweildauer auf der Seite nach US-Staaten von Alaska angeführt wird (liegts an der Temperatur oder den Bandbreiten?). Wenn in Deutschland der Traffic zur Walpurgisnacht stärker einbricht als am Tag der Deutschen Einheit, heißt das, zur Walpurgisnacht wird mehr in Echt gevögelt oder vergeht einem zum Nationalfeiertag einfach jedes Interesse an Sex? Was bedeutet „pinay“ bzw. „pinoy“ in den Philippinen und warum wird das dort gesucht? Weltweit 38% Frauenanteil inzwischen, holla!, und in Kolumbien und Argentinien 56%? (.de 26%). Die von GenX stärker präferierten Genres im Gegensatz zu anderen Altersklassen, not sure if feel seen.
Es ist immer auch eine Sache reinspielender Variablen – welche Personengruppe hat in $land die Möglichkeit, Porn zu konsumieren, wie weit verzerrt das was auch immer? Wie zuverlässig/verzerrt sind dabei die demografischen Merkmale? Wie groß ist der Onlineporn-Konsum in $teilgruppe, wie groß ist der Pornhub-Marktanteil dort überhaupt, welche Rolle spielen andere Anbieter? usw., der Gründe, das alles mit Vorsicht zu genießen, sind Legion, nichtsdestoweniger, ich ahne, dass hier recht große Zahlen im Hintergrund berechnet werden und sich durchaus auch einiges abzeichnet bzw. abzeichnen muss.
Positive Normalisierungen
Mir imponierte zunächst der Einstieg: „Diverse Desires“ und die Ansage, LGTBQ+-Themen hätten dominiert und „Trans“ wurde zweithäufigst besuchte Kategorie. Das konsequent positiv dargestellt: da positioniert sich grade ein Player in der politischen Diskussion und ich finde das gut und richtig.
Zweiter Gedanke: janun, viel mit „prozentualen Zuwächsen“ illustriert, und das ist auch so einer der Punkte, wo man beim Lesen den „I see what you did there“-Eindruck kriegt: es gibt keine absoluten Zahlen mehr. Also gar keine. Prozente, Verhältnisse, Ranglisten. Selbst die Trafficdaten sind weg, damit nicht von Durchschnitts-Clipgrößen und den Petabytes an Datentransfer auf grobe absolute Zahlen geschlossen werden kann.
Nun ist „transgender“ die am zweithäufigsten aufgerufene Kategorie. Absolut sagt das aber erst mal wenig aus, weil wir nicht wissen, ob damit alle Filme aus der Kategorie? Aufrufe der Kategorieübersicht? …nochmal anders definierte Zahlen? gemeint sind. Weiter kennen wir nicht das Verhältnis von Kategorie-Navigation zu Suchnavigation. Bei den Suchbegriffen landet „trans“ nur auf Platz 18. Vor „blowjob“, holla!, aber mit viel Brot und Butter-Begriffen vorher, allen voran „hentai“ und „milf“ auf 1 und 2. Long story short: man könnte natürlich auch sagen, der Trend hin zur zweidimensionalen Wichsvorlage bleibt ungebrochen und die Gesellschaft überaltert.
Nichtsdestotrotz: wahlweise ist „transgender“ tatsächlich weit vorne inzwischen oder Pornhub will zumindest die Botschaft kicken, dass selbiges in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. Beide Interpretationen sind mir sehr sympathisch.
Mit gleichbleibender Vorsicht sollten die anderen, mehr oder weniger offensiv gespielten Insights genossen werden: das Publikum wird vielfältiger und diverser, mehr Sexualitäten werden normalisiert. Gleichzeitig scheint es einen Trend zum „real thing“ zu geben, Porn von/für alle Altersklassen, Menschen- und Körperbilder jenseits des Pornstern- und -sternchenklischees etc.pp. Alles ganz wunderbar. Mir ist bewusst, dass ich mir da Hoffnung machen lassen will, aber es macht mir tatsächlich Hoffnung. Ich glaube, Leute sind erstaunlich ehrlich, wenn sie alleine vor nem Screen sitzen und die Hose aufknöpfen.
Dazu alljährlich und auch zwischenrein Insights liefern, ich wüsste trotz mutmaßlichen Daten-Frisieraktionen keine bessere Quelle, danke dafür. Ich bleib dabei, Pornhub macht alles richtig.






