Freiheit für Christian und Brigitte!

So, jetzt klopf ich doch mal Parolen im Blog, und das noch auf anbiederne RAF-Duzer – Weise. Das muss ich aber loswerden, weil es mir zum einen auf den Zeiger geht und weil ich was zur aktuellen, bekloppten Debatte beizutragen habe, was noch keiner so sagte und was ich für wichtig halte. Also hört her und lernt.

Zum einen: die beiden müssen raus, und die ganze Reuedebatte sollen sich alle schnell wieder wohinstecken, wo die Sonne nicht scheint. Ich will im folgenden begründen, warum ich dieser Ansicht bin.

Die ganzen Geschichten wegen strafen, nicht rächen und Angehörige sind keine Richter usw. hat man schon oft genug gelesen. Ich will auf was anderes raus. Dazu muss ich ein wenig nen Bogen schlagen, aber lest, es ist nicht ganz blöd.

Die RAF hat sich in den Krieg gegen den Staat begeben. Das mag man bewerten, wie man will, aber es wird seit jeher als Lebenslüge der RAF betrachtet, dass sie den Staat personifizieren wollte, dass sie glaubte, der Staat und das System ändere sich, wenn man einige seiner Repräsentanten erschiesst. Das ist eine Kritik, der ich mich anschliesse: hier lag die RAF falsch, es löst keine Probleme, wenn man reaktionäre Gestalten wie Schleyer umnietet. Weil eben die Schleyers in Massen produziert werden und die Figuren trotz aller Symbolträchtigkeit aufs Leichteste ersetzt werden.

Jedenfalls: Die RAF gegen den Staat. Was grade gefragt wird: Darf der Staat die letzten inhaftierten Insassen, Christian Klar und Brigitte Mohnhaupt, nach 24 Jahren begnadigen? Das fragt jedenfalls der Spiegel und fragt einmal mehr denkbar blöde: die Antwort ist, wie es jedem denkenden Menschen unmittelbar einleuchtet, „Ja.“ Natürlich darf er. Die Frage ist, ob er soll. Und da kriechen sie jetzt aus den Löchern und schreien nach Reue.

Und denen sage ich ein gelassenes: Euer Reuegefasel lasst mal brav stecken, ihr verlogenes Dreckspack. It takes two to tango, und nicht nur die RAF hat bis 1998 Krieg gespielt, da war auch der deutsche Staat wacker dabei. Der führte die Rasterfahndung ein, der kam auf die amnesty-international-Liste der Folterstaaten, der diskutierte auf höchster Ebene ernsthaft! über Gefangenenerschiessungen.

Heute schreibt auch der Spiegel über die „angebliche Isolationsfolter„, um im selben Artikel darüber zu berichten, dass Klar fünf Jahre lang keinen Kontakt zu anderen Gefangenen hatte. In seinem Vorgehen gegen die RAF und der RAF-Gefangenen zeigte sich der deutsche Justiz- und Vollzugsapparat von seiner viehischsten Seite seit Kriegsende. Wie unmenschlich der Staat werden kann, hat sich im Deutschen Herbst mehr als einmal gezeigt.

Und nun meine Ansicht zu der ganzen moralinsauren Debatte. Der Staat hat mit der RAF die Möglichkeit ergriffen, extrem restriktive Gesetze zu erlassen, die Bevölkerung eben mal bis heute unter Generalverdacht gestellt, sich Methoden im Strafvollzug erlaubt, die jeder Diktatur Ehre machen. Gestalten wie Strauss haben sich dafür aussprechen können, Gefangene zu erschiessen und konnten anschließend ihre politische Karriere fortsetzen. Und solang sich Repräsentanten des deutschen Staats nicht für diesen ganzen Dreck entschuldigen und tätige Reue zeigen, haben sie kein verdammtes Recht, sowas von Klar und Mohnhaupt zu fordern. Wenn sie besser sind wie die Terroristen, dann sollen sies beweisen. Aber was ich grade sehe, ist um einiges verstockter, als das, was ich von Klar lese, von Mohnhaupt ganz zu schweigen. Aber ein Staat hat das, was er von zweien seiner Bürger einfordert, auch selber zu leisten.

Und wenn jemand fragt, ob Köhler jemanden wie Klar begnadigen darf: Die Begnadigung ist das Mindeste. *Ich* will, dass sich Köhler für Strauss, für Horst Herold, für den Tod Holger Meins‘ entschuldigt. Und dann kann er meinetwegen von Klar Reue fordern. „Tätige Reue“ aber bitte erst dann, wenn er die Rasterfahndung und Generalüberwachng in .de absägt, wie auch immer er das anstellen mag. Bis dahin soll er begnadigen. Und ansonsten die Fresse halten.

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17 Responses to Freiheit für Christian und Brigitte!

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