Bochumer Kneipenbedienungen!

Ich muss ein ernstes Wort mit euch reden. Das fällt mir nicht leicht, durfte ich doch einige sehr sympathische VertreterInnen eurer Gattung kennenlernen. Aber es geht einfach nicht mehr an, der grausamen Wahrheit muss ins Gesicht gesehen werden, auch von euch.

Es folgt die ewige Wahrheit vom Weizenbier. Denn vom Weizenbier gibt es drei verschiedene Sorten. Da ist einmal das „Kristallweizen„. Eine meist schale Plörre von der Liga eines Becks Gold, an sich der Inbegriff des Frauenbiers und nur deswegen kein selbiges, weil es gewöhnlich im halben Liter auf den Tisch kommt und in Bezug auf halbe Liter Bier im Doppel-X-Chromosom eine grundsätzliche Abneigung fest verankert ist. Meist bzw. praktisch immer aus der Flasche, meist mit Zitrone, und die Puristen bestehen auf dem Reiskorn im Glas. Wie der Name sagt, recht kristallklar und durchscheinend.

Dann gibt es da das „Dunkle Hefe„. Etwas herber und würziger im Geschmack, manchen (wie mir) mit einem zu penetrant rauchig-bitteren Unterton versehen, ist das dunkle Hefe auch meist ein Flaschenbier. Ich kenne liebe Menschen, auch überwiegend männlichen Geschlechts, die selbiges regelmäßig konsumieren und es mit den Worten „Ein dunkles Hefe, bitte“ bestellen. Und daran tun sie recht, denn das bestellte Bier ist in der Tat ein dunkles Hefe.

Und dann gibt es das „helle Hefe„. Ja, so heißt das. Ein helles Hefeweizen, abgekürzt helles Hefe. Es heißt *nicht* „trübes Weizen“, trübe sind allenfalls blasentreibende schlechte ungefilterte Pilsvariationen. Ein helles Weizenbier mit Hefe ist ein helles Hefeweizen. Ich sehe grade, dieser Satz ist unmittelbar einleuchtend und in sich so schlüssig, wie er nun sein kann, daher gerade nochmal: Ein helles Weizenbier mit Hefe ist ein helles Hefeweizen. Das *ist* so. Es ist kein „trübes Weizen“. Es *gibt* kein trübes Weizen. Es gibt helles Hefeweizen, es gibt dunkles Hefeweizen, und es gibt Kristallweizen. Es ist schlimm genug, dass ihr statt frischem württembergischen Hefe vom Fass meist bayrisches Flaschenhefe hier anbietet, aber man muss tolerant sein und dem Ruhrpott seine wenigen und irgendwo auch liebenswerten Makel nachsehen, und nach dem dritten ists eh scheißegal, aber bis dahin, bitte, ich bitte euch inständig: bemüht euch um eine korrekte Syntax beim Bierbezeichnen. Ich bestehe ja nicht darauf, dass ihr korrektes Schwäbisch lernt, wie es manche Menschen durchaus nötig hätten, um sich mit mir angemessen unterhalten zu können, ich will doch nur, dass ihr das Bier beim rechten Namen nennt. Und der ist im Fall des hellen Weizenbiers mit Hefe „Helles Hefeweizen“. *Nicht* „trübes Hefe“. Sondern „Helles Hefe“. Es ist wirklich nicht schwer.

Danke.

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10 Responses to Bochumer Kneipenbedienungen!

  1. Ja says:

    Freundlich ausgedrückt kann man auch sagen: Die Süddeutschen haben es halt nicht raus, anständiges Bier zu brauen, lassen sich dann auch noch unverständliche Namen dafür einfallen, und wundern sich, wenn man im Ausland, wo es richtiges Bier gibt (Pils, Alt, mit Abstrichen Export, ganz sicher nicht Kölsch, daß ist so eine Art Wasser, wie es auch Süddeutsche brauen könnten), mit eindeutigen Bezeichnungen, dann keine Ahnung hat, was sie meinen. Das ist so ähnlich wie der Mallorcaurlauber, der nach dem zweiten Abend im Restaurant sagt, daß die Wiener Schnitzel von Mama aber besser sind.
    Und das Gejammer alleine reicht schon, dich zum Ehrenossi zu ernennen! Ich würd‘ ja jetzt gerne erstmal ein kühles, frischgezapftes Feige auf die ganzen Unfähigen und Jammerlappen trinken, aber der Boss hat was dagegen…also mache ich das einfach nachher. In diesem Sinne: Gute Frau, bringen sie dem Ehrenossie doch bitte noch ein trübes Wasser, ähm, „helles Hefe“, damit er uns nicht das anständige Bier wegtrinkt.

  2. Greg says:

    Mir gefällt ganz besonders der Kristallweizen-Beck’s Golg-Vergleich. Ansonsten hast du auch absolut Recht, wer ein „trübes Weizen“ bestellt, dem sollte da Dreck o.Ä. reingemischt werden.

    Darauf: Bedienung, stell mir mal ein 05er-Betäubungsmittel unter die Dusche!

  3. Ja says:

    Feige=Fiege ;-) (nicht zurückzuführen auf Alkoholkonsum während der Arbeitszeit ;-))

  4. Ralf says:

    Das mag ja alles noch angehen, aber inzwischen gibt es sogar ALKOHOLFREIES helles Hefe !!! Die Perversion per se.

    Darüber hinaus meine ich mich zu erinnern, dass man in Bayern helles oder dunkles Weißbier bestellen kann. Da finde sich dann noch einer zurecht…

  5. p5ych0 says:

    wie im pott wird altes bier getrunken. können die sich etwa keine neubier leisten oder hab ich da was nücht verstanden?! im übrigen bin ich der meinung , das korrupt völlig recht hat, also kurz gesagt : wer eine trübes weizen bestellt, scheint mir auch etwas trüb in der birne zu sein. und noch was : die unterscheidung zwischen altbier und kölsch beruht auf rivalisierenden lokalpatriotismen, während korrupts beitrag sich auf wissenschaftliche Tatsachen stützt. oder noch mal anders : wenn korrupt euch in die hohe kunst des stilvollen biergenusses einweiht, dann sollten die dünnbiertrinker einfach mal die schanuze halten. bergmann bleib bei deinen flözen usw….

  6. Zello says:

    äh ja was soll ma‘ dazur ols bayer nur sogn? …. cola weizn oder bananar weizn (a affen weizn gnannt) ist nu perverser! i wois jetz net wers erfunden hot, aber i hoff somit ist die schand von bayrischn weizn wech. die krässlichn weizn übrigens kumma (dank des geldes) alle (inzwischn) aus franken, des ghört (in)offiziell garnimmer zu bayern. ps: becks ist jawohl nen nordseewasserl.

    in diesem sinne: prost!

  7. Black Spy says:

    Es gibt natürlich nicht nur Hefe alkoholfrei (schmeckt wie Malzbier, nur nicht ganz so süß), sondern auch Hefe leicht, also weniger Alk als normal, aber mehr als alkoholfrei (bedingt schluckbar, wenn die Temperatur nicht höher als knapp über dem Gefrierpunkt ist).
    Alkoholfreies Weizen ist als isotonischer Durstlöscher nach dem Sport zu gebrauchen, Genußmittel ist das aber keines mehr.
    Um die Verwirrung komplett zu machen sagen die Südbayern „Weißbier“ dazu, in Nordbayern (aka Franken = Besatzungsbayern) „Hefeweizen“. Vergleiche „Erdinger Weißbier“ aus Erding (wer hätte das gedacht) und „Tucher Hefe Weizen“ (mit Deppenleerzeichen) aus Nürnberg. Trinken möchte ich beide nicht – Tucher schmeckt bäh und Erdinger ist Sponsor des FC Bayern München.
    Ein sehr leckerer Ableger des Hefeweizens ist der Weizenbock. Den dunklen Weizenbock von Erdinger gibt es das ganze Jahr, den hellen Weizenbock von Gutmann gibt es nur November und Dezember. Ganz nebenbei haben die Bockbiere gut 7 Vol.-% Alk, machen also schneller dicht.

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