Angekommen und zum Warmwerden in einen Talk zum Widerstand gegen kenianische elektronische ID-Pläne reingehorcht (Aufzeichnung). Ich hab da gar keine Hintergründe, was postkoloniale Verwaltungsstrukturen in Kenia angeht, aber den Horizont hats erweitert. Wir reden viel über Europa, meinetwegen noch die USA und als großes Vorbild über die Dystopie China, was digitale Erfassungs- und Verwertungssysteme von Bürgerdaten angeht. Was und wie da in anderen Staaten mit fragileren oder riskanteren Hintergründen agiert wird (und dass auch da erfolgreich Zivilgesellschaft schlimmes Zeug verhindert) – ich ziehe meinen Hut und fühle mich klüger.
Darknavy. Drei chinesische Kids hacken kommerzielle humanoide Roboter. (Aufzeichnung) Im Sinne von „wir rooten die und bringen sie dazu, genau das zu machen, was wir wollen, z.B. Leuten in die Fresse schlagen“. Ich denke ein wenig an die Probleme im Automotive-Bereich und ahne, hier sind einfach nochmal deutlich mehr Schnittstellen und Angriffsvektoren. Und überhaupt, Auf die Frage, dass da ja 50.000 dieser Roboter draußen im Einsatz wären und sie sie prinzipiell übers Netz hätten übernehmen können: Naja, so einfach wäre das nicht gewesen, man muss die Seriennummer der jeweiligen Roboter kennen, und da hätten sie halt nicht damit rumgespielt. Klar, Möglichkeiten gabs, aber taten sie halt nicht. Ich weiß nicht, so das „jetzt, wo ihr fragt, ja, man hätte sich da eine 50K-Roboterarmee zusammenhacken können, aber wir hatten anderes zu tun“ ist so ein Punkt auf der Bingokarte, bei dem ich lieber flugs ein „wie fickend cool sind die?“ kommentiere, als mir länger und tiefergenend Gedanken zu machen. Hihi, Publikumsfrage „Did you try cars?“ Nein, das sei schwieriger.
Doctorow. Ich ahne, ich weiß, was er sagen wird und wills nur nochmal hören (Aufzeichnung). Wir haben grade eine Chance, das freie Internet, Interoperabilität und offenes Computing wieder nach vorne zu bringen. Grund: Trump bricht grade eh alle Brücken ab und scheißt auf alle Abkommen, also gibt es keine Gründe mehr, sich an US-IP-Regimes zu halten. Weiter gibts unerwartete Akteure/Koalitionen, die das alles langsam auch bekloppt finden (wegen digitaler Souveränitär, Abhängigkeiten, Kapitalabflüssen etc.). Insofern wird nun hoffentlich eine Menge abgeräumt, was bisher US-Monopolisten und -Monokulturen begünstigte. Ich mag seinen Optimismus. Man machte bisher mit, weil sonst gibts Zölle. Jetzt haben wir Zölle, also scheiß drauf.
Ich musste dann zwischenrein neue Klamotten holen gehen und blieb mal wieder am Wikistand hängen, weil da war grade ein Talk über Internet Governance und ihre Institutionen. Bei meiner Mag schrieb ich vor 25 Jahren noch über demokratische Legitimationen von IANA und ICANN, wir sind inzwischen weiter. Das Internet Governance Forum ist bei der UN aufgehangen und explizit als ein Multi-Stakeholder-Modell aufgezogen (und nicht „multinational“ iSv. „Sache der Regierungen“). Sprich, Akteure der Zivilgesellschaft können und sollen sich einbringen.
Und nun haben glücklicherweise die UN-Mitgliedsstaaten recht flächendeckend das Modell akzeptiert und sich zu dieser Einbeziehung verpflichtet. Sprich, es gibt Gremien und Foren, bei denen gelegentlich die beschränkten Entscheidungsbefugnisse beklagt werden können, in denen besagte zivilgesellschaftlichen Akteure aber einen sehr direkten Draht und Einfluss kriegen können, ja sollen: denn seitens der staatlichen Akteure werden durchaus die Ungleichgewichte in Richtung privatwirtschaftlicher Akteure festgestellt und offensiv weitere Stakeholder-Stimmen eingefordert. Da ist u.a. Wikimedia auch dabei, aber das war nur am Rande. In dem Bereich passiert viel und nicht alle sind glücklich, aber es bewegt sich einiges in richtige Richtungen. Über Governanceprozesse und typische Hemmschuhe auf UN-Ebene lässt sich vielleicht vortrefflich lästern, aber selbst als Zyniker vor dem Herrn werde ich einen Teufel tun und mich damit abfinden wollen, dass wir das Bot-Trafficshaping der Zukunft doch bitte an Cloudflare outsourcen sollen.
Danach noch eine angenehme Unterhaltung zur Problematik niedrigschwelliger Einstiege in zunehmend komplexe Projekte, ob nun digital oder analog. Vor allem ein „ich hab da keine blinden Flecken, die Probleme sind überall bekannt/vorhanden“, aber die generellen Strategien (Selbstwirksamkeit, Aufgaben/Projekte mit Ergebnissen etc.) Das scheint bei Wikipedia, -data, -media, OSM und auch ganz analogen Communityprojekten vor der Haustür zu funktionieren.
Im Jahresrückblick dann wieder viel KI und gematik (Aufzeichnung). erdgeist stellt meiner Ansicht nach zurecht die Frage, was da für eine Kultur dahintersteht, wenn man in X Runden den Kram nicht sicher kriegt und vor allem bei diversen Fixes einfach grundsätzlice Probleme und Konzepte mehrfach ignoriert werden. Es passt ins Bild, dass auf eine Anfrage an die EU-Komission, wie Ursula Vdl’s Ansage der kurz bevorstehenden AGI sei (Hint: kommt 2026, das ist bald!), die Antwort aus Versatzstücken der diversen KI-Dampfplauderer besteht und die darüber hinaus teils per KI generiert wurde. Hypothese: es denkt halt niemand mehr drüber nach, was wie getan werden muss, sondern lässt das halt bei ChatGPT schreiben. Die Realität wird einmal mehr komplexer sein, aber nun.
Ich lass den Tag mal vollends ausklingen und stell das hier live.









