Mein SEO/GEO/whatever-Rück- und Ausblick, 2025

Endgegner

Endgegner

Tja, so schnell sind zwei Jahre rum. Ich lag in einigem zumindest nicht richtig, und trotzdem, irgendwie auch nicht falsch, wie meist ists halt irgendwie anders. Whatever, Zeit für einen Recap, was sich aus meiner Perspektive in den Bereichen SEO, „KI“, ihrer Rezeption und den aktuell empfohlenen Hebeln in der Branche so getan hat. Die 2026er-Ausblicke lesen sich wild durchmischt, aber dass die Musik jenseits klassischer SEO-Tellerränder spielt, ist klar. Mal positiv einsteigen mit mir klug scheinenden Gedanken, die mir die letzten Wochen über den Weg liefen:

Attribution stirbt. An sich ist sie schon tot. Wir werden neue Erfolgsmetriken brauchen (Impressionen -> Lücke -> Conversions)
Mittel nicht mehr mit Zielen verwechseln. Sinkender Clicktraffic ist nur dann ein Problem, wenn Clicktraffic bisher das Ziel und kein Mittel war.
– Sehr schmerzhaft: Mehr wie Texter und Verkäufer (autsch!) denken. SEO fokussiert(e, zurecht) auf ein Ziel. Texter und vor allem Sales fokussieren auf Problem -> Lösung.

Grade letzteres ist beim zweiten Betrachten was, was man als ordentlicher SEO eh schon länger macht/machen sollte. „Beste XY 2026“ ist zurecht keine Phrase, auf die man mit Freude optimieren sollte. Ich hege ein zartes Pflänzchen Hoffnung, dass vermehrte Ermittlung von und Fokussierung auf Inhalte nach dem Muster „Für Problem X ist X eine Lösung, insbesondere bei Zielgruppe Q, aus folgenden belegbaren Gründen A, B und C“ das Netz nach viel SEO-Spammerei mal wieder ein Stückchen besser macht. Es hätte auch eine gewisse Ironie, wenn ausgerechnet die Slop-Schleuder KI die echten Menschen verstärkt dazu bringen würde, Wissen und Information zu organisieren, statt sie als reines Mittel (Content) zum Zweck (Rankings) irgendwie hinoptimiert rauszuhauen.

Aber trotz rausgezogener Orientierungshappen: es ist immer noch eine wilde Gemengelage an „Macht das, lasst jenes“. Neu und erfreulich inzwischen die Hinterfütterung mit Daten. Heute rauschte ein „Jetzt belegt: der Common Crawl ist eure Eintrittskarte in AI-Citations!“ an mir vorbei und ich musste sehr grinsen, denn den Wiki-Artikel zum Thema schrieb ich letzten Oktober und seitdem stands da schon drin, alleine, ein paar mehr Daten und Erfahrungen dazu, immer gern.

Sei es nun aber KI-zitable Infohäppchen! nein, keine KI-Zitablen Infohäppchen, sagt JohnMu!, schema.org!, nein, Entity SEO, nein, Tabellenlayouts! Kennt ihr die dl/dt/dd-Syntax?, die rockt! llms.txt ist Die Zukunft ™! Content ausbauen für natürliche Fragestellungen! Nein, reduzieren, konsolidieren, fokussieren wegen der Chunks/dem kleinen Kontextfenster/überhaupt. Schreibt für Endnutzer, es ändert sich nichts! Nein, definiert euer Grounding für die Maschinen!, ich seh für jede These die ist so/ist nicht so-Musterbeispiele, nur eine Sache ist stabil: Youtube spielt vorn mit, denn damit verdient Google Geld. (Funfact: letzteres trifft besonders bei Gesundheitsinformationen zu.)

I beg to differ: nobody clicks links.

I beg to differ: nobody clicks links.

Man muss der Fairness halber dazusagen: das alles (Ausnahme llms.txt) sind Punkte/Vorgehensweisen, die in bestimmten Settings Erfolge erzielten, die wiederum auch reproduzierbar sein dürften. Abhängig wahrscheinlich vom Setting, und wenn was spöttisch rüberkommt: Ich hab bei allen Quellen obiger Thesen/Takes was gelernt und bin dankbar für die Mühe, die sich da wer gemacht hat. Kontext scheint mir halt wie immer King und wenn man grade die Hoffnung hatte, den einen geilen Hebel für die GEO-Wende gefunden zu haben, schießt man halt gern Die Lösung ™ aus der Hüfte.

Trivial: Eine Brandnennung bei ChatGPT wird von anderen Mechanismen getriggert als eine Produkterwähnung in Gemini und die wiederum von anderen wie denen einer Quellennennung in einer Google-KI-Ergebnisbox. Mein persönliches Bauchgefühl sagt mir beispielsweise, dass mein Hobby Knowledge Graph (das heißt jetzt Entity SEO, oder besser Entity GEO?) im Google-KI/Gemini-UNiversum eine größere Rolle spielen wird und bei den OpenAI-Kisten eine kleinere. Wenn jetzt der Common Crawl als der Schlüssel zur Citation hochgejazzt wird: das wird er eher bei ChatGPT als bei Gemini sein, aber klar, leuchtet ein. Allein, die Frage stellt sich, wie soll man heute in die CC-Datensätze der letzten drei Jahre reinkommen? Ich fürchte, die wurden alle bereits im Lauf der letzten drei Jahre gescraped, und die Erkenntnis, dass das ne Rolle spielen könnte, wäre heute etwas spät dran. Whatever.

Bei allem hier anklingenden Frust: anders als noch vor drei, vier Monaten sind wir weiter als früher mit händischen Stichproben und täglich anderen Ergebnissen. Von Sistrix wie auch SEMrush kriegt man inzwischen einigermaßen sinnvoll erhobene Sichtbarkeitsanalysen über eine recht große Menge an Prompts, die zumindest sowas wie eine Vergleichbarkeit verschiedener Sites und eine „Basis-Sichtbarkeit“ in bestimmten Themenfeldern erlauben. Gefühlt Ende des Blindflugs, andererseits sind neue blinde Flecken umso deutlicher: sowas wie eine Customer Journey konnte man sich bis vor einiger Zeit mit althergebrachten Attributionsmodellen noch einigermaßen reinen Herzens in die Tasche lügen. Aktuell würde ich zur Hoffnung, konkrete Conversions mit entscheidenden Touchpoints zusammenzubringen, ein lethargisches „Hamwa nich, kriegnwa nich wieder rin“ ansondern, aber lass mich da natürlich sehr gerne falsch beweisen.

Alleine bin ich damit nicht. Wie gehts aber weiter? Ich bin nach wie vor ein großer Freund von Johannes‘ Einschätzungen, und bei „Mehr KI-Mode“ sowie „Google steckt ChatGPT in die Tasche“ bin ich voll bei ihm. Persönlich warte ich immer noch drauf, dass bei OpenAI die Fibu kommt und sagt, kein Geld, was nun? aber dass das noch groß was am Status Quo ändert, wie heute/morgen/nächstes Jahr hauptsächlich online Infos gefunden werden, glaube ich nicht mehr.

Einkaufen ja, kämpfen nein!

Einkaufen ja, kämpfen nein!

Bleibt trotzdem der Elefant im Raum: Auch wenn Google im Unterschied zu OpenAI tatsächlich Geld verdient, mit den KI-Ergebnissen in der jetzigen Form verbrennen sie welches. Display wirds nicht richten, weil niemand mehr auf Webseiten unterwegs ist oder dort gar Werbung klickt. In irgend einer Form werden Gemini, KI-Modus, KI-Boxen above the fold monetarisiert werden, denn wenn Leute schon für eine organische Top-1 nicht mehr nach unten scrollen, für eine Ad tun sies erst recht nicht. Wobei halt, da gibts ein Protokoll für. Bei „kaufnahen“ KI-Ergebnissen bindet Google einfach die passenden Angebote aus den verschiedenen Shopping-Feeds ein, die bisher halt via PLA und Konsorten ausgespielt wurden. Sahnehäubchen: so sind sie direkt auch für agentische KI verfügbar und man kann den persönlichen Digitalassistenten einkaufen schicken.

Ich klinge zynisch, aber ein „Universal Commerce Protocol“ scheint mir ein vollkommen logischer Schritt. Ich zitiere: „UCP is built to work across verticals and is compatible with existing industry protocols like Agent2Agent (A2A), Agent Payments Protocol (AP2) and Model Context Protocol (MCP).“ (Witzigerweise ist letzeres (MCP) einer der Fälle, wo ich einen dieser „Oh hoppla, spannend!“-Momente hatte, die mir im Bereich LLMs etc. eher selten unterkommen.) Wenn irgendwer da einen Standard zur Monetarisierung von KI-Output setzen kann, dann Google, und wenn man mich fragen würde, wie man das am besten macht, dann würde ich mit meiner begrenzten Kompetenz sagen „Genau so“.

Der Kater thront über der Technik

Der Kater thront über der Technik

Aber, um den Gedanken abzuschließen: ich fürchte, alles, was wir jetzt an „GEO-Sichtbarkeit“ und Citations sehen und messen, wird dann wieder komplett in Frage gestellt, wenn KI-Ergebnisse ernsthaft monetarisiert werden, und das werden sie müssen. Und dann stellt sich nicht nur die Frage, wo kommen die monetarisierten Inhalte und Links hin?, sondern auch, welche nichtmonetarisierten Inhalte und Links fallen deswegen dann weg? und vor drei Jahren hätte man gesagt, naja, so derbe können sie das nicht spielen, weil spätestens dann gibts ne Kartellklage, aber wir haben 2026 und ich ahne, wenn nur die Google-Monetarisierung so derbe gespielt wird, sind wir noch gut bedient.

Wie immer (nachträglich) guten Start ins neue Jahr und Nazis aufs Maul.

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