Berlin 1: Das Elend der Welt

So, ein paar Sachen aus Berlin muss ich berichten, und weil ich grade Missis Rechner mit Beschlag belege, fang ich nicht mit dem 22c3 an, sondern mit dem Elend der Welt in Berlin. Das war nämlich irgendwie beherrschende Assoziation in der ersten halben Stunde nach Ankunft in der Hauptstadt, Pierre Bourdieu, „Das Elend der Welt“, ganz große Soziologie. Ironischerweise waren wir nicht mal in Marzahn und Konsorten, sondern sind schlicht vom Bahnhof Zoo nach Moabit. Von Bochum sollt ich ja auch das eine oder andere gewohnt sein, aber irgendwie, Berlin ist anders.

Nun ja, dauernd ging mir der Bourdieu im Kopf rum, obwohl alles eigentlich ganz spannend aussieht hier. Im Buch gehts ja um das „alltägliche Leiden an der Gesellschaft“ in den französischen Banlieues, Bourdieu hats jetzt nicht mehr erlebt, wie richtig er mit seinen Analysen lag, aber wie auch immer. Grade muss ich auch noch kurz abschweifen, das „Elend der Welt“ ist höchst empfehlenswert zur Anschaffung, nur angesichts größeren Umfangs trotz Paperback ein wenig schwer zu bezahlen. Ich hatte es mir konsequenterweise zu Weihnachten schenken lassen. Das führt dazu, dass ich mir heute recht sicher bin, die einzige Person auf dem Planeten zu sein, die ein Buch mit dem Titel „Das Elend der Welt“ und der Widmung „Weihnachten 1999. Alles Liebe, Mama“ besitzt. Ok, genug abgeschwiffen.

Jedenfalls, Sara von den FN dann doch mal zu treffen, fiel dann wegen einiger Terminverschiebungen aus und ich hatte die Gelegenheit, ein bisschen Holocaustdenkmal und diese Strecke zur Siegessäule zu gucken. Zu der muss ich mir auch noch irgend nen dummen Kalauer in Richtung Diminuitiv von „Siegessau“ und einer Verknüpfung zum Glücksschwein überlegen, das die Kollegen von Fliks vor dem Kickern gelegentlich bis zur völligen Erschöpfung penetrieren. Aber dazu später. Ich kam ein wenig plattenbau-, deutschland- und reichstagsgeschädigt an der nächsten Ubahnstation an und drehte mir eine Kippe.

Woraufhin mich jemand nach Tabak fragte, ich ihm selbigen gab und er sich eine Portion nahm. Ich reichte Blättchen nach und es folgte die Frage, ob er sich auch ein Stück Pappe zum Filter bauen nehmen könnte, ich sag ja, und er nimmt sich ein Stück Pappe für den Filter. Anschließend nimmt er sich ein Blättchen und gibt mir das Päckchen zurück, und ich sag, er kann sich ruhig drei nehmen. Nein, sagt er, eines würd völlig reichen. Nimmt sich das eine, den Filter und den Tabak und geht.

Ich mag grade ein wenig emotionalen Overload haben, aber *das* fand ich deprimierend.

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6 Responses to Berlin 1: Das Elend der Welt

  1. ClemensBW says:

    du troll du,…

    *ditsch

    hättest du doch mal geschrieben das du zum CCC fährst…
    dann hätte ich meine faulen füsse auch mal bewegt, dich auf handy angerufen und mal hallo gesagt…

    Korrupt, ich bin enttäuscht…

    btw. guten rutsch :)

  2. Stephan says:

    Also wenn dich sowas deprimiert bist du eindeutig zu empfindlich. Überhaupt… wie kann man, wenn man in solch einer interessanten Stadt ist deprimiert sein? Für sowas hätte ich in Berlin gar keine Zeit ;)

  3. JackBSmoke says:

    Ich hab die Tage von einem Freund eine Story gehört, die fast genauso funktionierte…Typ fragt nach Tabak; Blättchen, ihm wird mehr angeboten, er lehnt ab. Irgendwie schon merkwürdig, daß man sowas immer gleich mehrfach hört in kurzer Zeit.

  4. Greg says:

    Warum ist das deprimierend, wenn er das ablehnt?!

  5. Korrupt says:

    Weil man keine Einblätter zum kiffen baut. Ausser, man hat wirklich bloss noch den Winzkrümel Dope.

  6. Greg says:

    Erschreckend finde ich daran, dass es als „deprimierend“ empfunden wird, dass jemand nichtmehr genug Gras hat um sich ’nen richtigen zu bauen ;)

    Also ich bemitleider mich dann schon ganz gerne mal selber, aber dass das auch andere Leute deprimiert…

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