Studenten!

Das war scheiße. Ne Demo in Bochum, die erstmal dadurch auffällt, dass gerufen wird, ey, da sind ein paar geile Schlampen im Bermudadreieck, kommt mal gucken.

Die zu Grabe getragene Bildung hatten wir schon 97. Ihr zieht durch ne verdammte Stadt und habt Brillenträger als Polizeischutz, ihr seid gegen Studiengebühren und tragt Tattoos mit euch rum, die drei Semester finanziert hätten. Und ihr gebt eure Statements von euch und geht dann wieder. Und das wars dann.

Nun muss ich zugeben, dass ich mir beispielsweise angesichts der aktuellen RAF-Debatte bevorzugt die Frage stelle, warum wir heute keine haben. Von daher bin ich vielleicht der falsche Ansprechpartner, wenns um sozial akzeptierten, harm- und folgenlosen Protest gehen soll. Aber herrgott, das doch ein Armutszeugnis. 97 hatten wir schon das Problem, dass alle für uns waren und erst ab Mayer-Vorfelders Schwachmatenblabla sowas wie eine Gegenstimme auftauchte. Eckt an. Provoziert, und damit meine ich nicht, mit „Die Bildung geht baden“ die geileren eurer Studentinnen zum Nacktbaden in die Ruhr zu schicken. Es muss nicht mal die Innenstadt brennen, aber bitte, BITTE! irgendwas dazwischen.

Ich bin ja nicht der Typ, der zum Selbstbeweihräuchern neigt, aber wir wurden seinerzeit mit berittener Polizei mit Schlagstöcken aus der verdammten Bannmeile getrieben, wir hatten denkbar unprofessionell versucht, das Bundeskanzleramt zu mailbomben, und bereits wir waren zu brav. *Viel* zu brav.

Macht was. Gross denken. Ich sag nicht bewaffneter Widerstand, aber ich denk so das eine oder andere. So seid ihr nur schick aussehende und vielleicht gut fickbare Innenstadtdekoration. Auch das kann ein erstrebenswertes Ziel sein, vor allem, wenn jemand wie ich aus dem Fenster guckt. Aber das kanns nicht gewesen sein, wenns denn um mehr gehen soll.

(Kurze Erklärung: Anlass ist eine bereits einige Zeit zurückliegende Studidemo gegen Studiengebühren im Bochumer Bermudadreieck.)

Kategorie: ich gegen die wirklichkeit. permalink.

7 Responses to Studenten!

  1. asynchron says:

    na, kann net jeder demonschtriere wie de hesse ;-)
    (und die sind mir auch noch zu brav, aber immerhin, 4x autobahnblockade allein in frankfurt, immerhin, immerhin!)

    aber eins find ich net ok bei all der berechtigten kritik an kuscheldemos:
    ich muss nicht selbst bedürftig sein, um glaubwürdig gegen studiengebühren demonstrieren zu dürfen -> siehe teure tattoos. insofern find ich deine kritik an dem speziellen punkt zu spitzfindig.
    dummerweise lässt es sich so an, dass in erster linie die auf die strasse gehen, die davon schlechtergestellt werden – siehe bayern, dort leben und studieren kann sich eh kaum einer leisten, passierten ergo auch kaum proteste, 1500 bei einer „groß“veranstaltung am marienplatz in münchen, die zahl kriegen eine menge anderer unis mit spontanen vollversammlungen getoppt -, aber deswegen ist es umso mehr zu begrüßen, wenn mal auch eine/r sich aufrafft, der es „NUR“ aus solidarität oder auch vorrausschauendem denken (eigene kinder???) tut.

  2. Greg says:

    Dass der Boykott der Studienbeiträge (übrigens nicht Gebühren) bei uns gerade kläglichst (!) gescheitert ist – und so lief das in fast allen Städten – motiviert nicht unbedingt. Warum sollte man denn mit Gewalt (oder halt „krassen“ Aktionen) irgendwas erzwingen wollen (klappt natürlich eh nicht), wenn die Mehrheit der Studierenden nicht dahinter steht?

    Ich erachte das mitlerweile als sinnlos. Das „Bildung zu Grabe tragen“ nervt mich auch. Dass geile Studentinen ihre Brüste entblößen, begrüße ich allerdings. Hilft zwar nichts, aber stören tut’s auch nicht wirklich, oder?

  3. madchiq says:

    Die Frage ist doch vielmehr, wofuer denn noch protestieren.
    Der Zug ist mit den 68’ern abgefahren… genau in dem Zeitpunkt, als die ganze Chose den Bach runterging und deutlich wurde, dass sich null veraendert hat. Schaut euch doch die damaligen ach so radikalen Weltverbessernden an – Kommune 1… RAF… Joshka and friends.

    Und als Sahnehaeubchen: die Studierenden werden immer juenger, die Studienzeiten immer kuerzer… bis sich da jemand ueberhaupt in die Materie reingedacht hat, ist er oder sie bereits Praktikant_in bei Bertelsmann.

    (Wie waers eigentlich mal zur Abwechslung, wenn geile Studenten ihre Unterhose runterlassen. Die Tittenaktionen sind irgendwie auch nicht mehr so innovativ.)

  4. asynchron says:

    na also was die proteste angeht, die ich mitbekommen hab oder ggf. „hintermänner“ kenne. das bewusstsein eines gesamtzusammenhangs ist da durchaus da, nur kann man das schlechter auf ein transparent verschlagworten

    und natürlich ist die sache gelaufen, die nächsten paar jahre dürfen die neolibs/neocons die welt zugrunderichten, wenn dann noch was übrig ist, schauen wir in 20 jahren weiter — aber stillschweigend zusehen und auf den lauf der geschichte hoffen, wär mir zuwenig, und gottlob gibt es noch andere auch, denen das auch nicht reicht.

    dass die boykottanstrengungen scheitern, frustet mich auch ohne ende (an meiner uni wird gleich gar nicht angefangen *seufz*), aber letztlich kann man ’s den medienhörigen massen nicht verübeln. die option eines auswegs sehen sie nicht, ihre einzige chance ist, sich schnell da durchzuwuseln, einen sauberen lebenslauf hinzulegen und auf das beste zu hoffen. denken sie halt so. da müsste man jahrzehnte propaganda beheben können. umso wichtiger bleibt trotzdem, dass sich noch jemand rührt. dass wenigstens die möglichkeit vorgeführt wird. und wenn es auch am ende nix nutzt.

  5. Kamuflaro says:

    Bilder?

  6. Korrupt says:

    Hm, dass ich da auch aus Lust am Dissen gedisst hab und um die absolut frauen- und studentenfeindlichen Statements aus unserem Buero zu archivieren (deren weniger jugendfreien Varianten ich bereits weggelassen habe), das spielte beim Verfassen des Texts schon auch eine Rolle.

    Ernsthaft, dass demonstriert wird, ist so wichtig und richtig wie irgendwas. Die verwendeten Mittel haben sich in meinen Augen abgenutzt. Was daran liegen koennte, dass selbst wir uns seinerzeit trotz der angesprochenen Ausnahmen weitgehend auf die beschraenkten.

    Ansonsten Ack zu asynchron und madchiq, ich seh das alles natuerlich auch mit einer gewissen resignation, mit der man den Leuten, dei wenigstens noch auf die Strasse gehen, unrecht tut.

    Ich begeb mich nun dank madchiq nicht auf das duenne Eis der Frage, ob wir ne neue RAF brauchen, sondern mach nen Schlenker zu seinem unten ohne. Oeffentliches Studentenficken angesichts ohnehin schlecht ausgestatteter Unis und entsprechend sinnlosem Besuch derselbigen, beim gleichzeitigen Onprangering des Poebels, der die Klappe haelt, solang er ein Bier zum Saufen und einen Porno zum gucken hat?

    Ach, obwohl, brennende Muelltonnen wuerden mir doch besser gefallen, den Pr0n hats ja im Netz.

  7. Pingback:Tales from the Mac Hell » Die taz begräbt die RAF…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere