Krankenversicherungskarte mit Bild: Anschreiben an meine KV

Hoi,

letztens regte ich mich drüber auf, dass meine KV ein Passbild von mir will. Dass es eine entsprechende Gesetzgebung gab, ging völlig an mir vorbei, ich halte das angesichts bestehender Ausweispflicht für vollkommen unnötig.

Folgendes Schreiben habe ich grade an meine KV aufgesetzt. Ich bitte um Feedback, Kritik, Ergänzungen und wer ähnliches geschrieben kriegte, Bescheid über jeweilige Reaktionen. Vorlage folgt, IANAL, wers verbessern und ergaenzen kann, unten ist ein Kommentarbutton.

—-
(meine Adresse)

(Adresse meiner KV)

Betr.: Neue xxx-Versichertenkarte mit Bild

Sehr geehrter Herr N.N.,

die Lektüre Ihres Schreibens vom 30.4. 2007 lässt meiner Ansicht nach einige Fragen offen. Sie fordern von mir ein Passbild für meine Krankenversicherungskarte. Ich werde Ihnen nicht erklären müssen, dass es sich dabei um sensible personenbezogene Daten handelt, die Sie erfassen wollen, ohne mir eine Möglichkeit anzubieten, dies zu verweigern, ohne meinen Versicherungsschutz zu verlieren.

Gemäß § 3a BDSG sind Sie zur Datensparsamkeit verpflichtet:

„Gestaltung und Auswahl von Datenverarbeitungssystemen haben sich an dem Ziel auszurichten, keine oder so wenig personenbezogene Daten wie möglich zu erheben, zu verarbeiten oder zu nutzen. Insbesondere ist von den Möglichkeiten der Anonymisierung und Pseudonymisierung Gebrauch zu machen, soweit dies möglich ist und der Aufwand in einem angemessenen Verhältnis zu dem angestrebten Schutzzweck steht.“

Sie benötigen von mir zu keinem der von Ihnen angegebenen Zwecke ein Passbild. In Ihrem Schreiben behaupten Sie, die Übermittlung eines Passbilds mache mich „unverwechselbar“, gebe mir „mehr Sicherheit bei Verlust und Diebstahl“ und biete „mehr Individualität“.

Alle diese Begründungen treffen nicht zu und verstoßen darüber hinaus gegen den angeführten Paragrafen. Abgesehen davon, dass ein Argument wie „mehr Individualität“ in Bezug auf eine Krankenversicherungskarte völlig deplaziert ist, habe ich mitnichten mehr Sicherheit bei Verlust und Diebstahl, sondern laufe vielmehr Gefahr, dass ein Dieb meiner Versicherungskarte mehr über mich erfährt und selbige leichter einsetzen kann, als er es ohne enthaltenes Passbild kann.

Unverwechselbar macht mich bereits mein Personalausweis. Es ist absolut kein Problem, bei fehlender persönlicher Bekanntschaft in der Arztpraxis einen Personalausweis vorzuweisen. Eine Erfassung meines Bildes bei meiner Krankenkasse ist somit überflüssig und verstößt gegen die Bundesdatenschutzgesetze.

Ich werde Ihnen kein Passbild zusenden und verlange die Beantwortung folgender Fragen:

– Wird meine gesetzlich vorgeschriebene Krankenversicherung gekündigt, falls ich nicht gewillt bin, Ihnen personenbezogene Daten zu übermitteln, zu deren Preisgabe ich gemäß § 3a BDSG nicht verpflichtet bin?
– Falls ja, an welcher Stelle kann ich gegen diese Praxis Einwände erheben?
– Ihnen als Angestellten einer Krankenkasse sollten die elementarsten Grundsätze des Datenschutzes bekannt sein, ebenfalls die Sensibilität von Daten im medizinischen Bereich. Haben Sie, und wenn ja, wie, gegen diese gesetzliche Vorschrift Einspruch erhoben? Falls nicht, warum nicht?
– Gibt es für mich eine Möglichkeit, eine Krankenversicherung abzuschließen, ohne dazu Lichtbilder abgeben zu müssen?

Ich bedanke mich im Voraus für Ihre Mühe und verbleibe

Mit freundlichen Grüßen

(ja, ich eben)
—-

Ich hab noch nichts ähnliches in den entsprechenden Blogs gelesen, mich würds freuen, wenn sich jemand meldet, der ähnlich angeschrieben wurde und vielleicht auch mal nachgehakt hat. Grossen Dank.

Kategorie: ich gegen die wirklichkeit. permalink.

16 Responses to Krankenversicherungskarte mit Bild: Anschreiben an meine KV

  1. beertocht says:

    Also, mangels so einer Karte will ich mich nur kurz zum Für und Wider äußern.
    Grundsätzlich hätte ich, wenn’s denn nur ein (nicht digitalisiertes) Foto ist, keine Probleme damit. Deine KK kennt dich doch eh schon besser als sonst einer. Und aufgrund der verschiedenen abgerechneten Erkrankungen, mit denen wir zu Ärzten rennen, können sie mit Hilfe ausgefeilter Software ein Profil erstellen, das dich zum gläsernen Patienten macht. 1984 ist längst vorbei – wir sind schon weiter.
    Und wer sagt, dass diese Daten datenschutztechnisch wirklich bei der KK bleiben? Das sind auch „nur“ profitorientierte Unternehmen und es sollte mich schon sehr wundern, wenn sie die Datenbestände nicht in der einen oder anderen Manier nutzen würden.
    Ansonsten: der Text ist inhaltlich oké. Stilitisch und orthographisch hab ich eh an allen Texten was zu nörgeln, drum lass ich’s hier. Das mit der Mühe im Voraus würd ich allerdings auf jeden Fall weglassen.
    Und um dem Dilemma aus dem Weg zu gehen solltest du Karriere machen, viel Geld verdienen und dich privat versichern… (war das jetzt politisch inkorrekt?)

  2. Korrupt says:

    …ich hatte gestern auch noch mit Kai unterhalten, das Ergebnis war ernüchternd, natürlich ist alles schon durch und wird das alles wenig Ergebnis zeitigen.

    Ich mags nur nicht so unwidersprochen hinnehmen. Es kotzt mich an, es ist unnötig, und anders als Schäubles Phantastereien ists nicht mal irgendwie wenigstens propagandistisch begründbar. Ich kapier es nicht. Warum diese unnötigen Kröpfe? Würds nicht reichen, nur die Sachen durchzusetzen versuchen, für die es wenigstens irgendwelche faschistisch-autoritären Begründungen gibt? Warum so sinnlosen Dreck?

  3. Ich finds gut und diese ganzen Diskussionen rundherum, ach, mann kann, wenn man will, alles aus tausend anderen Sichten sehen und alles noch tausend mal besser machen und von hinten rum das Gehirn durch die Ferse absaugen und hastenichjesehn. Ich bin gespannt, vor allem auf die Antwort auf

    Haben Sie, und wenn ja, wie, gegen diese gesetzliche Vorschrift Einspruch erhoben? Falls nicht, warum nicht?

    die natürlich gar nicht kommen wird.

    So what? Make them sensible!

  4. Pingback:Tales from the Mac Hell » Krankenkassenkarte mit Bild, ein wenig Antworten…

  5. talkfreund says:

    Meine Frau und ich haben gestern auch dieses Schreiben von unserer Krankenkasse erhalten. Halten diese „moderne Form“ des gläsernen Kranken völlig daneben. Ich werde mich nachher auch mit unserer KK darüber unterhalten (Sitz liegt direkt gegenüber meines Arbeitsplatzes). Ich denke, dass das Ergebnis leider ziemlich ernüchternd ausfallen wird. Da kamen die Schnapsnasen bestimmt während eines Sommerloches drauf :-(

    @beertocht
    bin selber ja nicht privatversichert. gibt es bei privaten denn dann keine versichertenkarte? (unfähig und faul jetzt danach zu metacrawlen *g*)

  6. Anonym says:

    Vorneweg, ich möchte anonym bleiben aber etwas dazu schreiben.

    Hier wird die Frage gestellt was das alles für einen Sinn hat. Ganz einfach.

    Dies ist nur ein Schritt von vielen uns irgendwann von einem System abhängig zu machen welches kommen wird.

    Heute sind es kleine „unbedeutende“ Dinge wie KVKarten oder KreditKarten usw. Morgen sind es dann Elektornische Implatante die uns das Leben „leichter“ machen sollen, von KV zu Arbeit, Schule, Lebensmittel und Konsum.

    Da viele leute Heute dies mit dem Lichtbild hinnehmen und sich dabei nichts denken, werden diese bei solche Implatanten auch nichts denken, aber dann ist es vorbei mit der „Freiheit“.

    Ich hab meine Kasse angerufen und gefragt was passiere wenn ich nicht diese Karte annehme? Kurz, im schlimmsten Fall hätte ich kein Anspruch.

    Soweit sind wir schon, dass die Leute wegen sowas „kleines“ die Ansprüche verweigert werden.

    Denkt an diesen Implatant und ihr seht wohin die Reise geht.

    mfg

  7. ano says:

    Tipp: Ich habe den entsprechenden Brief einfach ignoriert, nach ca. 8 Wochen bekam ich eine Versichertenkarte OHNE Bild zugestellt. Ich weiß nicht, ob das bei allen Kassen funktioniert, abr einen Versuch sollte es wert sein.

    gruss

  8. haarpracht says:

    ich finde des mit dem bild völliger blödsinn….
    dort ist au erläutert wie und was das bild alles beeihnhalten muss, hallo ich bin doch net bescheuert u zahl mich dipplig nur wegen dem einen bild, man soll den mund geschlossen halten etc, keine kopfbedeckung, da sitzt bei mir der punkt, ich habe persönliche gründe u wenig haare drum trage ich kopftuch aber nicht wegen religiösen günden…
    scheiss drauf wirklich

    lg

  9. tw_24 says:

    Das Hamburger Abendblatt sieht in der heutigen Ausgabe die „Gesundheitskarte“ als gescheitertes Milliardenprojekt. Eine der Begründungen ist, nun ja, recht hybsch:

    „Ausgerechnet das Foto des Krankenversicherten, das die künftige e-Card zieren soll, sorgt für Verwirrung im Gesundheitsministerium, bei Krankenkassen, Datenschützern und Patienten. [..]

    Für den Centralverband Deutscher Berufsphotographen urteilte Andreas Gliem: Anforderungen der Datenschützer, der EU und der Gematik selbst werden nicht eingehalten. Weil die Krankenkassen von den Versicherten Fotos abfordern, aber nicht prüfen, ob tatsächlich die Versicherten darauf zu sehen sind, sei das Verfahren nicht zulässig. ‚Patienten sind nicht absolut zweifelsfrei identifizierbar. Systematischer Missbrauch ist möglich.‘ Dabei sollte gerade das Foto Millionen-Betrügereien verhindern helfen.“

    Das Sicherheitsmerkmal als zusätzlicher Unsicherheitsfaktor. Fein.

  10. Gefunden says:

    Das habe ich im Netz feunden:
    http://www.gti-verbraucherschutz-forum.de/cgi-bin/forum/YaBB.cgi?num=1207835498/15

    Ziat:
    Die Patienten die von der Krankenkasse angeschrieben werden, wegen dem Lichtbild, sollen bei der Krankenkasse schriftlich anfragen, > auf welchem Paragraphen die sich beziehen … die vom Auftraggeber als zur Ausführung bestimmt gekennzeichnet sind. <
    Zitat Ende.

  11. MarioF says:

    Warum immer so förmlich bei Kontakten mit der AOK? Ich werde per Einschreiben einen A5 Umschlag mit einer Kotprobe von mir einsenden. Kot ist ja auch sowas von individuell und meine Daten daraus darf die AOK gerne intern speichern. Aber: Obacht – werde ich noch einmal angenervt von diesen überbezahlten&überflüssigen Amtseseln, dann scheisse ich meine DNA auf den Tisch des AOK-Vorsitzenden.

    Ich denke, an meine deutliche Absage wird man sich im Vorstand noch lange erinnern.

    Sorry: Wer glaubt, dass er mit formalistischen Begründungen diese Schweinerei abstellen kann, der sollte besser Katholik werden. Wer glaubt wir SELIG.

  12. Ich schliesse mich bis auf diesen Komentar einfach mal dem DIE SACHE AUSSITZEN an.War schliesslich kein einschreiben, sondern ne normale briefzustellung.sowas geht gerne mal verloren…oder 2mal…oder 3mal…mal sehen.

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