Die Legenden des Wüstenplaneten, oder: wenn mich eine Trilogie für dumm hält

Ich habe meine Probleme mit manchem Science Fiction, von meinem gelegentlichen Bashen des Genres hatte ich aber – bewusst oder unbewusst – Frank Herbert in der Regel ausgenommen. Der Wüstenplanet wird so ab Band 3 oder 4 etwas schwierig, aber nichtsdestotrotz halte ich den Zyklus für ein herausragendes Stück SF/Fantasy, und das ganz ohne den üblichen Verweis, dass es zum Herausragen in diesem mülldominierten Genre nicht viel braucht.

Sein Erbe haben Brian Herbert und Kevin Anderson (u.a. Star Wars) angetreten, und sie hätten Vater Frank auch aufs Grab pissen können, das wäre aber wohl schlechter zu vermarkten gewesen. Unter der Trilogie gehts ja nicht mehr, und in der Trilogie wird die Vorgeschichte des Dune-Zyklus erzählt. Butlers Djihad, der Krieg der Menschen gegen die Denkmaschinen, die Entdeckung der Spice, die Entstehung der Gilde, Ursprünge von Bene Gesserit und Bene Tleilax, der Mentaten, die Vorgeschichte der Häuser Harkonnen und Atreides. Klingt gut, ist aber scheiße.

Das sind nicht die Bücher, die ihr sucht.

Das sind nicht die Bücher, die ihr sucht.

Die Story: Die Menschheit ist nach der Bewusstwerdung des „Allgeists“ Omnius, der zentralen Instanz der Computer, von der Diktatur der damaligen Herrscher in eine Diktatur der Maschinen abgerutscht und fristet seitdem ein eher klägliches Dasein entweder in Sklaverei oder unter ständiger Gefahr der Invasion. Eine Reihe von Menschen hält sich die Maschinerie noch eher so aus Neugier, weiter gibts die „Titanen“, Cyborgs mit Menschengehirnen, die den Computer-Allgeist seinerzeit gebaut und weitgehend aus der Kontrolle verloren haben. Die Rahmenhandlung besteht weitgehend im Kampfverlauf zwischen diesen drei Gruppen, die sich weitgehend unversöhnlich gegenüberstehen. Details betreffen die einzelnen Akteure sowie die Vorgeschichte der Fremen auf Arrakis.

Das klingt jetzt nicht sonderlich originell, könnte aber als Hintergrund der einen oder anderen spannenden Geschichte, Szenerie, whatever taugen. Dergleichen gibts leider nicht, stattdessen an scih alles, was US-Science Fiction mit Ausnahme von P.K.Dick so unglaublich dröge macht. Fantasielose Schlachtereien, flache Charaktere und im Prequel-Fall der „Legenden…“ auch noch ein gerüttelt Maß an Vorhersehbarkeit. Bei Tolkien gibt es in „Blatt von Tüftler“ das Bild der „Tiefe“ einer Landschaft, in die man hineingehen kann, ohne dass sich der geheimnisvolle Horizont in bloße „Umgebung“ verwandelt, und ich sage, diese Faszination der Tiefe hat Tolkien schaffen und halten können, im Herrn der Ringe wie auch in den tatsächlich geschriebenen Vorgeschichte. Mit diesem angelegten Maß wird so manches klein und erbärmlich, aber so ist es nun mal: die „Legenden…“ schaffen keine Tiefe, keine Faszination, sind erbärmlich, aber leider Gottes keine kleine, sondern eine erschreckend seitenmächtige Papierverschwendung.

Nun ist man Kummer gewohnt und wäre ja zumindest mit einer netten Story und interessanten Charakteren zufrieden. In der Story nerven aber permanent handwerkliche und logische Fehler, die ich in dem Ausmaß bisher nur bei der Foundation ertragen musste. Beispiel gefällig? Die Suspensorfeldtechnik, bekannt aus den schwebenden Beleuchtungen aus Dune wird erfunden. Das Unternehmen, dessen Technologie später die Gilde hervorbringt, schafft hier eine *Antigravitationstechnologie*, verdammt nochmal, damit kann man sich einige spannende großtechnische Anwendungen denken, mit denen recht interessanter technologischer und gesellschaftlicher Fortschritt, Wechselwirkungen von Technik und Gesellschaft angestellt werden kann, und womit wird die Firma groß? Mit schwebenden Leuchtgloben. Leuchtgloben, verdammt! „Hey, ich kann die Gravitation abschalten!“ „Cool, bauen wir schwebende Straßenlampen!“ Ich muss kurz brechen gehen.

Ähnlich wirr die Haltung zu Computern. Weil die Denkmaschinen die Menschheit versklavt haben, werden keine (keine leistungsfähigen?) Computer mehr gebaut. Raumschiffe und recht aufwändige Waffensysteme gibts aber, die Tleilax haben eine fortgeschrittene Gen- und Medizintechnik, aber dennoch, keine Computer. Graduell unterschiedlich, bis hin zu „Wir brauchen Sklavenhaltung, weil wir unsere Technik nicht automatisieren können“, aber mit den Raumschiffen rumfliegen geht. Bitte was? Und so weiter und so weiter.

Was mich aber am meisten aufregt ist, wenn mich ein Buch für explizit blöd hält. Und da hört der Lesespass dann eben auf, denn einerseits werden alle diese gröbsten Patzer auch nicht ansatzweise erklärt, auf der anderen Seite wird keine Gelegenheit ausgelassen, dem tumben Leser eine Latte offenbar unglaublich zentraler Sachen wieder und wieder anschaulichst vor Augen zu führen. Zauberin XY ist vollkommen sozial verkrüppelt und kapiert das Konzept von Zuneigung und Empathie nicht mal dann, wenn man es ihr mit der Dampframme in die Fresse schlägt. Erasmus ist ein psychopathischer Sadistenroboter, der aus unerfindlichen Gründen Menschenforschung nur via Folter hinbekommt und dem bei aller Neugier praktisch nichts anderes als das einfällt (mit einer Ausnahme, die auch noch das letzte Restchen Charakterlogik vollends in die Tonne kloppt). Iblis ist ein machtgeiles, intrigantes Arschloch, das Macht will und intrigiert, und überhaupt, habt ihr es benmerkt? Nicht? Er ist machtgeil! und ein Arschloch! Also nochmal: Iblis ist ein machtgeiles Arschloch! Erwähnte ich bereits, dass Iblis ein machtgeiles Arschloch ist? Schaut, gleich macht Iblis wieder eine machtgeile Arschlochaktion, weil er ein machtgeiles Arschloch ist. Wie vorhin, erinnert ihr euch, als er sich so machtgeil arschlochhaftig verhalten hat? Er ist eben ein machtgeiles Arschloch und wird eins bleiben! Versteht ihr? DAS IST WICHTIG, vergesst es nicht, er ist ein MACHTGEILES ARSCHLOCH! Es ist zum Kotzen. Über drei Bände hinweg halten mich diese Autoren für zu blöd, auch nur fünf Seiten lang zu behalten, dass A ein Arsch, B ein Sadist und C irgendwie lieb, aber naiv und trotzdem unnahbar ist, dass Gruppe D so und so tickt und auf Planet E die Verhältnisse aus den und den Gründen so, wie sie sind, und dann kriegt man das wieder und wieder und wieder aufs Brot geschmiert. In jedem Vorwort werden Lektoren, Verlegern, Agenten und werweissnochwaswemalles gedankt, andersherum sollten sich jene tagtäglich und mit derselben repetitiven Monotonie pausenlos bei einer Gesellschaft bedanken, die das unwiederbringliche Verlieren von Lebenszeit durch unsäglich flache, unnütze und schlechte Wiederholungen in Büchern durch schlechtes Lektorat nicht mit konsequenten Erschießungen der Verantwortlichen ahndet.

Die „Legenden des Wüstenplaneten“ sind schlechte Bücher. Lest sie nicht.

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3 Responses to Die Legenden des Wüstenplaneten, oder: wenn mich eine Trilogie für dumm hält

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  2. Sebastian says:

    Interessante Rezension, sehe ich ähnlich. Wie stehen sie zum Film um das Dune Universum?

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