OHM2013: Warum Krypto die Lösung sein kann und muss

Big Tux will keep watching you

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…ein eher etwas runterziehendes erstes Learnng, das ich vom ersten Tag mitnehme. Ausgerechnet in der Keynote von Julian Assange heute abend. Die haute mich inhaltlich jetzt nicht so um – ok, was soll er auch an bahnbrechenden neuen Erkenntnissen verkünden, wenn er in einer Botschaft eingesperrt ist? – aber ein klares Statement mit einem Beispiel, das mich persönlich hier überzeugt.

Der politische Kampf gegen die Totalüberwachung ist sinnlos, eine Rücknahme der bestehenden Kontroll- und Überwachungsregimes von vernachlässigbarer Restwahrscheinlichkeit. Die Lösung wird in Krypto bestehen und muss in Krypto bestehen.

Ich sehe das nicht mal als ein „Sich entscheiden“ in der mir ohnehin suspekten Diskussion von „Mehr Krypto für alle“ vs. „Von Staaten und Diensten den Verzicht auf die Totalüberwachung einfordern“, denn beides ist notwendig und wichtig. Man solle sich nur nie auf letzteres verlassen, auch wenn man meint, erfolgreich gewesen zu sein. Weiter ist es dringend notwendig, die Herrschenden eben daran zu erinnern, dass sie gegen Grundrechte und gegen ihre Bürger vorgehen und totalitäre Strukturen schaffen. Und vielleicht, hoffentlich kann man sie irgendwann dafür zur Rechenschaft ziehen. Aber:

Ohm2013, ein Schaf (Bild unrelatiert)

Ohm2013, ein Schaf (Bild unrelatiert)

Man denke nur an die atomare Abrüstung. Seit Jahrzehnten wird selbige gefordert, und die Arsenale starren genauso overkillträchtig aus den Silos und von den Bombern und den strategischen U-Booten wie eh und jeh. Der konkrete militärische Nutzen (oder gar der konkrete, haha, „Sicherheitsgewinn“) ist bestenfalls unklar, tendenziell nicht vorhanden bis negativ. Kosten: Immens. Gefahr, Präsenz etc.: unmittelbar erkennbar. Das sind sehr physische, strahlende und unter hohem Aufwand zu wartende und bereitzuhaltende Instrumente. Trotz allem: eine Reduktion konnte nicht in nennenswertem Umfang durchgesetzt werden, obgleich eigentlich die meisten nichts dagegen hätten bzw. jetzt nirgends vehement das Hohelied der atomaren Aufrüstung gesungen wird.

Die Totalüberwachung elektronischer Kommunikation ist dagegen geradezu minimalinvasiv. Sie fördert keine direkt gefühlten Bedrohungen, sie ist für die meisten Menschen weitestgehend abstrakt und sie ist für die, die damit arbeiten, kein irgendwann möglicherweise mal einzusetzendes Abschreckungspotential, sondern schlicht das tägliche Brot. Eine Atombombe ohne die ganzen nervigen Nachteile, die man hat, ohne dass es wo strahlt und mit permanentem praktischen Anwendungswert. Und dem immer schönen Argument, dass wenn wir es nicht machen, machens andere trotzdem und sind uns gegenüber im Vorteil.

Drohne, eine von unseren. Nacht, OHM2013

Drohne, eine von unseren. Nacht, OHM2013

Solang noch irgendwo Atomwaffen stehen, solle man demnach den Wunsch nach einer Einstellung der Kommunikationsüberwachung in Richtung durchaus idealistischer Wünsche verbannen, die zweierlei sind: extrem wünschenswert und Gegenstand des permanenten Einforderung gegenüber den Regierenden, und andererseits was höchst unwahrscheinliches, auf dessen Kommen man sich freuen kann, aber nicht hoffen sollte.

Dieser Vergleich war bei mir jedenfalls der Knackpunkt, nach dem ich meine sagen zu können, ja. So ist es. Und es mag scheisse sein, dass wir die Krypto brauchen, aber wir werden sie brauchen. Denn die Alternative ist kein konkret erreichbares Ziel, sondern eben der Stachel, mit dem man den Großen Brüdern im Fleisch wühlen kann, aber sie werden den Teufel tun und mehr machen als salbungsvoll vage Änderungen in mittelfristigen Zeitrahmen in den Rahmen des vielleicht Möglichen zu stellen.

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