CSD Frankfurt: Pervers und angenehm wie immer…

…wars, und ein paar Gedanken und Beobachtungen muss ich für die Nachwelt festhalten. Zuerst zur Kritik. Ich bin ein toleranter Mensch, der die Pläsierchen seiner Mitmenschen mit einer geradezu vorbildlichen Gelassenheit hinnimmt, aber wenn SMies in *bunten Klamotten* rumrennen, dann ist das schlicht pervers. Ansonsten waren sie aber schnuffig wie immer, und Mr. Leather Germany hat mich angegrinst, das war fein. Überhaupt musste ich feststellen, dass das Tragen eines T-Shirts mit dem Aufdruck „Boeses junges Fleisch“ auf dem CSD ein hervorragender Gesprächsinitiator ist. Nur hat mir niemand geglaubt, dass ich wirklich böse bin. Seltsam, aber so wars. Außer einmal, aber da kam ich grade von der Podiumsdiskussion und hatte mich aufgeregt, da rief mir jemand ein „Guck nicht so böse!“ zu.

Aber zur Politik komm ich später. Zu den schönen Nebensachen. Die Lesben sind zum zweiten Mal in Folge hübscher geworden, das fand ich fein. Und sie essen Steaks. Ernsthaft, zwei schnuffige Mädels, die aussehen wie frisch der Grünen Jugend entsprungen und aneinandergekuschelt große Scheiben saftigen toten Tiers verzehren, also mir geht da das Herz auf. Überhaupt wurden für diesen CSD unglaubliche Mengen von Schweinen geschlachtet (Ralf erhob hier Einspruch und behauptete, die würden nur aufgetaut) und in Wurst- und Steakform in die Menschen gebracht.

Unters Volk gebracht wurden auch die üblichen Sticker, Parolen und die unvermeidlichen Kondome. Besonders die FDP schmiss scharf mit gelben Gummis, und ich ertappte mich beim Gedanken, ob es politisch korrekt wäre, mit einem FDP-Gummi zu ficken. Dem schloß sich naturgemäß die Überlegung an, ob es noch unkorrekter wäre, sich mit nem FDP-Gummi ficken zu lassen oder ob das schon wieder eine symbolisch hoch aufgeladene Aktion wäre, mit der die asozialen Elemente der „freiheitlichen“ Agenda der Liberalen zur Kenntlichkeit entstellt würde.

Überhaupt wars erstaunlich politisch, das fand ich fein und hätte ich nicht in der Form erwartet – weil irgendwo ist die Bewegung ja in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Zugegeben, der Kommerz geht mir gelegentlich auf die Nerven, vor allem, wenn dann neben ai und der Aidshilfe eben noch die unvermeidliche Naturheilpraxis, der Esoshop und die natürliche Körperenthaarung steht. Aber da bin ich ja eh Kummer gewöhnt, und wenn man sich einmal mit der Existenz so schwachsinniger Initiativen wie Lesben und Schwule in der Union oder Homosexuelle und Kirche abgefunden hat, dann machen die Esos den Kohl auch nicht mehr fetter. Die Linke war erfreulich präsent, die Jusos tun mir auf dem CSD immer irgendwie leid – keine Ahnung warum, aber ist einfach so – und irgendwie stutzig machte mich der hohe Anteil von Leuten, die FDP- *und* Grüne-Sticker trugen. Wenns in .de je ne Ampel gibt, die Schwulen fändens sicher fein, hab ich den Eindruck.

Ach, die Grünen. Claudia Roth war ja da, ich hatte mir fest vorgenommen, sie scheiße zu finden, und es ging vollkommen daneben. Ich muss mich hiermit outen: Ich fand Claudia Roth klasse. Das lag zum einen an diesem unsäglichen CDU-Heini, der bei der Podiumsdebatte dabei war und so schreiend blödes Zeug erzählte, dass ich ganz ungute Assoziationen hatte, die unter anderem mit Dummheit und Todesstrafe zu tun hatten, über die ich mich aber an dieser Stelle aus Gründen meiner inneren Sicherheit nicht weiter verbreiten will. Nur kurz: wenn ich Schwule scheiße finden und als CDU-Depp vom Dienst auf nen CSD beordert werden würde, dann könnte ich *ohne jegliche inhaltliche Vorbereitung* intelligenter und bissiger den konservativen Rollback argumentativ befördern als dieser Typ, der vermutlich noch nen Pressereferenden hat, der ihm seine Gülle tippt.

Vor diesem Hintergrund ist Claudia Roth natürlich von nicht zu unterschätzender Strahlkraft. Aber auch ganz für sich: die Frau regt sich auf, sie regt sich über die richtigen Dinge auf und man nimmts ihr ab, dass sie sich drüber aufregt. Und nicht publikums- und zielgruppenwirksam irgendeine Entrüstung inszeniert. Das find ich prima. Ich hatte sie später dann noch ein wenig höflich paparazzt, sie befand sich in einem kleinen Grüppchen Leute und beriet zur Verpartnerung in Abhängigkeit vom Bundesland und den jeweils dafür vorgesehenen Ämtern. Ein paar Autogrammkarten waren zu sehen, aber das war offenbar nur kurz ein Thema, die Politik und die Praxisberatung waren wohl schnell wichtiger. Sowas find ich sympathisch.

Ein paar Worte zu Nazichic und Fetischismus muss ich noch loswerden, meine unvermeidliche Musikkritik loswerden und noch ein, zwei Anekdötchen plus Gesamteindruck, aber das mach ich später.

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3 Responses to CSD Frankfurt: Pervers und angenehm wie immer…

  1. madchiq says:

    Na, wie waers, naechste Woche Stugi?

  2. Korrupt says:

    Ich denk nicht… ffm ist etwas weniger kilometertechnisch und das war schon ein wenig anstrengend…

  3. trekmaster says:

    Um es mit Joan Baez zu sagen: „Love is just a pain in the ass…“ ;-)

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