George Tabori…

…ist tot. und andere sind da berufener als ich, Nachrufe zu schreiben. Ein paar Sachen muss ich aber loswerden.

Ich kenn von Tabori nur „Mein Kampf“, und das sah ich live irgendwann mal in Stuttgart und eine Aufzeichnung im Fernsehen, beides viele Jahre her. Ein Tabori-Plakat von „Mein Kampf“ hing im korruptschen Jugendzimmer und rettete das intellektuelle Niveau neben auf Interrail geklauten Zugschildern, RAF-Bekennerschreiben und Bathory-Plattencovern.

Tabori live gesehen hatte ich nie, mit „Mein Kampf“ und Hitlers Versprechen an seinen Zimmergenossen, einst eine „saubere Lösung“ für ihn zu finden, hatte der Mann aber mein Herz erobert. Ich genoss seinerzeit die Schlauchbootfahrt rheinabwärts mit dem Chemie-LK sehr, aber dass die Deutsch-LKler Tabori live trafen (in Berlin, iirc) und bei nem Gespräch nach Uraufführung (Babylon-Blues?) dabei waren, da war ich neidisch. Ich ließ mir aber immerhin erzählen, dass Tabori gefragt wurde, wie das denn sei, er selber verfolgter Jude, die Familie in Auschwitz ermordet, und in allen seinen Stücken komme dauernd Hitler vor? „Was haben Sie denn gegen Hitler?“ fragte er zurück, und das ist ganz groß.

Tabori hommiere ich gelegentlich, ich weiß nicht, wems vielleicht auffällt. Für einen werten Boardkollegen kündigte ich letztens intern auch an, für die Zeit nach seinem Urlaub eine saubere Lösung zu überlegen, da er sich grade mit dem jüdischen Untervolk einlässt und gar Andeutungen in Richtung Rassenschande macht. Wer meint, da kommt mein innerer Nazi durch, nein, ich hab nur wenige andere zitierfähige Tabori-Kenntnisse.

Jedenfalls, Tabori, ich muss mehr von ihm lesen, an sich merk ich grade, dass ich ihn wirklich immer nur klasse fand, aber mich dennoch nicht weiter interessierte. So viel gute Leute, so wenig Zeit, und mal wieder ist einer von ihnen tot. Ich glaub aber, Tabori hat ein paar Sachen im Leben gerissen bekommen, 92 wird man auch nicht, wenn man vollkommen uneinverstanden mit seinem eigenen Ding ist, ich glaube einfach, dass da ein reiches und erfülltes Leben im Wortsinn zu Ende ging, und da soll man sich freuen, dass es das gab, und nicht traurig sein, dass es rum ist. Dank dir für den Kampf, und auch für alles andere vielen Dank.

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