Es kommen ein paar Sachen zusammen: Grokipedia stieg recht kräftig in die Suchmaschinenergebnisse ein und fällt nun offenbar ebenso kräftig wieder raus (zumindest vorerst), und weiter gabs eine interessante Abhandlung zu den verschiedenen Metriken und ihren Größenordnungen jeweils der Grok- und Wikipedia und den daraus resultierenden Signale in Richtung der diversen Aggregatoren, Indexe, Algorithmen etc.pp.
Weiter schaute ich mir letztens aus Jux den Grokipedia-Artikel zu Utopiastadt an, wobei ich mir ein gewisses Hintergrundwissen und die damit einhergehende Beurteilungsfähigkeit attestieren mag, weil ich einerseits das Projekt gut kenne und andererseits sowohl die zugehörigen Artikel in der deutschen wie auch der englischen Wiki geschrieben habe. Mit dem Hintergrund ist die Lektüre des Grokipedia-Artikels natürlich ein Fest der Absurdität, aber eigentlich ists mir gar nicht so an den billigen Gags gelegen (wobei, haha, irgendwie auch), vor allem halt an den zutagetretenden Prozessen, Pannen und Ergebnissen/Folgen, das Ganze betrachtet aus der Perspektive meines Steckenpferds: der Frage nach der globalen Organisation von Wissen und seiner Voraussetzbarkeit in der Gesellschaft.
Vor ein paar Wochen wurde auf seoroundftable noch abgewogen, ob die Googlesichtbarkeit der KI-Enzyklopädie grade einfach einen Schluckauf beim Zunehmen hat, heute scheint das eher ein solides „nee, taugt doch nicht“-Urteil der SERPs zu sein. Kräftig eingestiegen und dann innerhalb kurzer Zeit zwei Drittel der Suchmaschinensichtbarkeit eingebüßt, ich werf grade nur SEO-Bauchgefühl in die Waagschale, die seh ich aber sehr in Richtung „Auf Nutzerzufriedenheit angetestet, Ergebnis: will niemand lesen“ ausschlagen.
Warum ist das so? Man will natürlich lachen und sagen, selbst Google hasst Musk und seine Fascho-Propagandaschleuder, die Gründe werden trivialer sein.
Die Grokipedia hat halt die ganzen Vertrauenssignale nicht, die andere Seiten haben, sie ist eine benutzerfeindliche Bleiwüste, qualitativ bestenfalls meh und wo sie nicht falsch ist, da gibts halt nur wiedergekäutes. Ich könnte mich an den Google-Rankingfaktoren entlanghangeln und viele „Nope.“-Anmerkungen machen, aber das tat ahrefs schon.
Nature is healing, demnach? Nicht wirklich, nein. Ich würde die „überproportionale“ Nutzung der Grokipedia für andere AI-Dienste jetzt nicht allzu hoch hängen, dafür ist sie einfach in der Gesamtmenge (noch) im „ja Himmel, die Bots fressen halt alles, was gut zu crawlen ist“-Bereich. Ich denke aber durchaus, dass sie als a) schwere Artillerie im Kampf um die Realitätsdeutung gedacht ist und b) damit Erfolge erzielen kann.
Und damit zu meinem Utopiastadt-Ausflug in Sachen Onlinelexika. Wenn ahrefs feststellt, dass die Grokipedia im Schnitt 13% mehr Text pro Lemma hat, dann sieht das nach wenig aus. Im Fall UST ist der Unterschied massiv. Während der deWiki-Artikel mit etwas über tausend Wörtern auskommt, bläst die Grokipedia das ganze zu über 4100 Wörtern auf. Drin bevor „ja deutsch und englisch“, es sind 8k Zeichen vs. ca. 30K Zeichen, an den deutschen Bandwurmwörtern liegts nicht. Ob beabsichtigt oder nicht, der Grokpediatext liest sich für mich wie das, womit einem die GEO-Apologeten als taugliche Strategie zum Zitiertwerden seit Monaten in den Ohren liegen: Absätze/Abschnitte, die für sich alleine stehen können, snackable, möglichst kontextfrei recyclebar. Wenn man das durchhalten will, dann wiederholt man sich zwangsläufig, und oh boy, das macht die Grok-KI. Wusstet ihr schon, dass Utopiastadt mal 200m² Coworkingspace hatte und der Campus heute um die 40.000m² umfasst?
Tatsächlich sinds ca. 36.000, und die gesamte Campusfläche mit den Entwicklungsarealen, die von anderen Akteuren genutzt werden, werden wir irgendwo bei 50.000 landen, aber Grok sagt, Utopiastadt hat 40k m².
Mit 200 m² gings los, und jetzt sinds 40.000.
40.000! Nachdem man mit 200 läppischen Quadratmetern startete!
Wusstet ihr schon? von 200 auf 40.000 m² in acht Jahren?
Nein? Also, anfangs warens 200, und jetzt sinds 40.000.
Das ist wichtig, man kanns nicht oft genug sagen.
Übrigens, wenn das Flächenwachstum noch nicht so rüberkam…
Was wirklich irre ist: ich weiß nicht mal, wo die Zahl herkommt. In den dazu angeführten Quellen steht sie nicht. Wie dem auch sei. Wo war ich? Ob das alles so exakt wahr ist, nun ja. Ich weiß ein paar Sachen, die sind recht exakt falsch…
Es wäre ein städtebauliches wie auch finanzielles Kunststück, das Ada einfach mal in den Bahnhof zu integrieren, aber hey, 2027 fahren Leute in autonomen Autos auf dem Mars spazieren, da geht schon was. Die Grok-KI beim Schwachsinnfaseln zu erwischen, hat ein wenig was davon, dass nicht zwei, sondern fünf Halbwüchsige einem Kind in die Fresse schlagen, aber meine Güte. Das Teil versucht auf Teufel komm raus, alles im Netz Verfügbare in seinen Output zu integrieren, und wenn dann manches einfach nur Konzepte, Planungen, Studien waren….
…egal, klopp rein, Hauptsache, das Ergebnis liest sich wie ein Linkedin-Pitch mit Link in den Kommentaren. Ich bin sicher, das ginge durchaus besser, allein, ich vermute, ums Bessersein gehts gar nicht.
Und das treibt mich am meisten dabei um. Grok macht aus Utopiastadt hier ohne Not (und ohne offensichtliches Motiv?) ein Stadtentwicklungs-Powerhouse mit derart over the top-gezeichneten Errungenschaften und Features, da werden klar verstehbare und über zahlreiche Quellen verfügbare Informationen so offensichtlich falsch gelesen/wiedergegeben, was will uns Musk damit sagen und warum? Mir ist klar, dass da niemand ein „Stell UST so und so geil dar!“ wo reingepromptet hat, aber es muss eben irgend eine Art der Aussteuerung gegeben haben, die in der Folge zum Zeug aufblasen und overhypen neigt. Die Art, wie es sich konkret hier am Beispiel auswirkte, mag irrelevanter Randeffekt sein, geschenkt. Mir scheint hier das „Mach Dinge größer und geiler“-Thema zusammen mit ein paar weiteren Auffälligkeiten ein Bild zu ergeben, das irgendwie rund auf mich wirkt, aber wo ich den Finger noch nicht ganz draufkriege:
– Massive Primärquellennutzung. Wäre mir in der deWiki zurecht um die Ohren gehauen worden. Scheint mir ein klares „Glaube den Akteuren, nicht den Beobachtern“.
– Meiden der Wikipedia-Quellen. Die Diskrepanz in der Quellenauswahl erstaunte mich eigentlich am meisten.
– Ansonsten breitestmögliches Nutzen aller möglichen Inputs. Kontext ist latte.
– Fakten sind optional. Quellen müssen nichts belegen, es reicht, wenns ne Fußnote gibt.
– Und natürlich: Wir sind bei „so isses“. deWiki-Stil neigt zum „wird zugeschrieben“, „gilt als“, „X kritisiert an Y…“ usw., man gibt Sekundärquellen wieder, berichtet über Statements von anderen. Grok stellt Aussagen hin und gut.
Ich bin voreingenommen, aber das wirkt auf mich wie solide faschistoide Diskursvergiftung. Hier wird ein möglichst umfassender Pool an Tatsachenbehauptungen über beliebig viele Themen und Kontexte erzeugt, der auf KI-Wiederverwertung optimiert ist. Angefangen mit der Aussagenstruktur über die Snippet/Exzerpierbarkeit bis hin zum permanent-monotonen Fakefacts bullshitten, bis die Masse stimmt. Wenn ich die ganzen LLMs mit meiner Weltsicht durchseuchen wollen würde: genauso würde ich es machen. (Nachtrag 01.04: Ach, passiert schon ne Weile, hatte ich gar nicht auf dem Schirm.) Leichtverdauliche, plausibel aussehende „es ist alles geil“-Wiederkäuerei von Primärquellen, gern hypen, auf Fakten scheißen, Anschein der Plausibilität reicht völlig. Das in Massen generiert, während alle anderen Kanäle dran arbeiten, von den KI-Bots nicht in Grund und Boden gescraped zu werden, bevor sie wegen ausbleibender Direktbesucher eh pleite sind.
Starke Thesen:
– Dass dort viel Müll steht, ist kein Bug, sondern ein Feature.
– Dass es in den Google-SERPs nicht fliegt, ist egal, denn die Zielgruppe klickt eh keine Google-SERPs mehr.
– Es geht nicht um Suchtraffic, sondern um Präsenz in KI-Trainingsdaten.
Einmal mehr, ich läge mit Freuden falsch.











