Lob eines alten iPads (war: Das Setup)

Vorsicht, Egofick ahead. Ich finds ja schade, dass der Admartinator zwei doch recht sympathische Blogs eingestampft hat, auch und grade aus teils egoistischen Gründen: im „Das Setup“ (Leute aus dem Netz referieren ihre Rechnerausstattung, weil sie denken, es interessiert vielleicht jemanden) war ich vor längerer Zeit vertreten. Es wär generell schade, wenns nur noch in archive.org rumliegt, und weiter bin ich bin ja der festen Überzeugung, dass angesichts der allgemeinen Dummheit jeder Satz, den ich ins Netz schreibe, eine Anhebung der Durchschnittsintelligenz von Online-Inhalten bedeutet. Konkret und knapp: ich bins der Menschheit quasi schuldig.

Um nach langweiligen Einleitungen, gnadenloser Selbstüberschätzung und allgemeiner Eigentextrecycling-Graphomanie noch einen draufzusetzen: es wird sogar ein wenig apple-freundlich. Das fällt mir nicht zuletzt angesichts meines Blogtitels und der zugrundeliegenden Überzeugungen schwer, aber es muss sein: ich muss mein altes iPad loben, denn es ist ein wenig was besonderes. Außerdem noch ein paar Worte zu Technik und Technikwünschen vor vier Jahren und heute. Kurze Zeit eigentlich, nichtsdestotrotz, wenn mans so nebeneinander sieht, was ich seinerzeit antwortete und was heute so Sache ist, nun ja. Zur Sache.

iPad, 4/2010. Rennt.

iPad, 4/2010. Rennt.

Sehr am Rande im „Das Setup“-Text kommt ein iPad 1 (rein WiFi, 16GB) vor, das ich „fast nur zum Lesen“ nahm. Wohl eines der ersten, das man in .de in der Hand haben konnte, ein US-Import für Macnotes von recht direkt nach Verkaufsstart in den USA. Jetzt etwas über vier Jahre alt, eine Gadget-Ewigkeit und letztens fiel mir auf, dass ich mit dem Ding vollkommen glücklich bin, obwohls das ressourcenmäßig schmalste iPad ist, das je gebaut wurde und es inzwischen die fünfte Generation gibt. Das Teil liegt in der Regel im Bett, öfter auch beim Arbeiten/Basteln in der Gegend, wenn man ein wenig Netzrecherche nebenher braucht, und wenn mich irgendwas dran stört: 720p via XBMC ruckelt öfters.

Klar, die XP-Kiste, die auch im Setup erwähnt wird, rennt immer noch und ist nochmal deutlich älter, aber da ist seitdem auch nochmal Ram getauscht, ich meine, Proz/Mainboard auch irgendwann seitdem und die GraKa. Rechner altern nicht ganz so wie Gadgets, und irgendwann fiel mir auf, dass weissgottwieviel neuere iPads auf FB angeboten werden und ich ertappte mich bei der Denke, warum jemand ein iPad 3 loswerden will und warum. Whatever.

Interessanter find ich aber die Wünsche und Sorgen der damaligen Zeit, und so sehr ich gelegentlich meine, es kommt immer beschissener, so sehr fällt mir an der Stelle auf, trotz aller Gartenzaunphilosophie bei OS- und Gadgetherstellers ists hier nicht angekommen bzw. empfinde ich die Situation als deutlich entspannter als vor vier Jahren. Wobei, Win 8 auf Arbeit…. aber hey, das NAS, das OOTB alles bedient, was WLAN oder nen Ethernetstecker hat, steht im Schrank. Der Applekram ist immer noch gejailbreakt (zugegeben, bei alter HW keine Kunst) und macht, was ich mag. Nach wie vor ist der Rechnerpark hier höchst heterogen, trotzdem an sich bestens vernetzt und tut auch weitgehend das, was ich will (und wenn nicht, dann liegts in der Regel an mir). Ich hab jetzt nicht die derben Heimautomationsansprüche, aber wenn man mit dem iPhone via WLAN die Mucke von der NAS-Platte auf den Bluetooth-Receiver der Anlage im Wohnzimmer schmeißen kann und das weniger aufwändig ist als ne CD rauszusuchen, dann bin ich an sich zufrieden. DRM? Klar, früher war mehr Warez, aber nein, kein DRM hier zu sehen. Und zu guter Letzt, das Traumsetup: 15″ sinds nicht, aber ein verratztes Denkbrett mit nem Xubuntu drauf liegt auch schon länger wieder in der Gegend. Wir müssen uns Ruppsel als glücklichen Menschen vorstellen.

Notwendige Klarstellung: damit will ich mitnichten was sagen a la „Ach, was haben wir uns damals angestellt, herumbefürchtet und wasweissich“, im Gegenteil. Ich wage an der Stelle die These, dass ich nur und gerade deswegen im Moment so ein entspanntes persönliches Fazit ziehen kann. Alle wollen sie immer noch am liebsten Zäune bauen, lasst uns weiter wacker einreissen, drüberspringen, whatever. Und nu, Ruppsel erzählt von früher (WIR HATTEN JA NICHTS!).

Wer ich bin und was ich tue?

Das Setup, Bild von Ruppsel damalsMein Name ist Richard Joos, im Netz kennen mich viele auch unter dem Nick Korrupt. Ich komm zum einen aus der Sozialwissenschaft ins Netz und zum anderen aus etwas schattigeren Ecken – genauer gesagt von gulli.com, ab 2000 rum – in die recht reinliche Macosphäre. Konkreter – ich hab in Tübingen Soziologie studiert, mich damals schon mit Netzthemen beschäftigt, war irgendwann Admin auf dem g:b, dann auch jobtechnisch dort in textender und communityleitender Funktion unterwegs. 2008 wurde gulli verkauft, wir schrieben ein Buch drüber und hauptsächlich bin ich seitdem mit macnotes.de beschäftigt. Private Bloggerei gibts auch, und die unvermeidlichen mobilen und sozialen “Dienste”, nun ja. Man feedet halt rein. Zunehmend auch von unterwegs, da ist das iPhone 4 dran schuld. Nach wie vor finde ich am Netz die sozialen und gesellschaftlichen Implikationen spannender als den “reinen technischen Fortschritt” und seh die Netzentwicklung trotz aller Bedenken mit recht großer Zuversicht.

Welche Hardware ich nutze?

Aus jedem Dorf nen Hund. Arbeitspferd ist ein 2010er-Macbook Pro 15? mit mattem HiRes-Display und auf Arbeit natürlich externer Peripherie. Damit läuft das Geschäftliche und wenns sein muss, auch anderes von unterwegs. Mobil/privat bin ich ansonsten mit einem Ideapad S10e unterwegs, auf dem rennt ein Ubuntu in Netbook-Edition. Zu Hause steht dann noch ein Desktop mit nem seltsamerweise immer noch stabilen XP drauf rum und zwei 24er-Monitore.
Mehr und mehr mobiles passiert auf dem iPhone 4, das ist nach nem Classic und dem 3G das dritte Applehandy in meiner Hosentasche und das erste, das massiv größeren Geräten den Platz streitig macht, weils trotz Jailbreak schnell ist und die Retina-Auflösung rockt. Auch das einzige Apple-Gerät, das ich weitgehend vorbehaltslos gut finde.
Das iPad nehm ich komischerweise fast nur zum Lesen. Ansonsten bin ich der Ansicht, dass der Rechner nicht viel und die Peripherie viel mehr ist. Ordentliche Handballenunterlage, eine Uralt-Mactastatur (vom ersten iMac) und zu Hause eine der besseren Logitechs, es geht nichts über angenehmes Tippen. Schon allein deswegen wird der Desktop niemals sterben :)

Welche Software?

Hm, Standards? Ich schreib viel, also Textmate auf dem Mac, Ultraedit bei Win und was so rumliegt und UTF8 kann auf Linux. Ansonsten halt Firefox überall, den Multimessenger der Wahl (Adium/Pidgin mit OTR-Plugins) usw. Ich liebe 1Password auf dem Mac, Skype muss man halt haben, und an sich bin ich bei Software anspruchslos – irgendwas, was FTP und SFTP kann, irgendwas, was MP3 abspielt und nicht mit i anfängt, und dann noch VLC. Interoperabilität ist fein, weswegen ich sowas wie MacFUSE sehr mag und NTFS-3G. Zu guter Letzt: Truecrypt, Enigmail/Thunderbird, GPGmail.

Mein Traum-Setup?

Haha. Da werden mich jetzt wieder ein paar Leute Verräter schimpfen, aber ich will wieder ein schönes 15? Thinkpad mit Ubuntu drauf. Es geht nichts über ein verratztes Denkbrett, die Dinger sind unkaputtbar (wenn man nicht grade 220V an den RJ45 legt) und können an sich alles, außer gepflegt aussehen. Zu Deutsch, perfekt für mich.
Ansonsten bin ich aber mit dem heterogenen Geräte- und OS-Park vollkommen zufrieden, das hilft gegen Fanboytum und beim Ertragen der jeweiligen Gründe, warum jede Plattform einfach auch scheiße ist. Aus dem Grund fällt mir zum aktuellen Wunschtraum grade auch weniger ein Rechner, sondern ein vernünftiges, bezahlbares NAS ein, an das auch externe USB-Platten mit NTFS rangehängt werden können und das OOTB mit allem funktioniert, was an OSen und Filesystemen rumspringt.

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