Der Schleppi rennt.

Mit einem redlichen Betriebssystem. An dem man erst ne Menge schrauben müsse, bevor man einigermaßen produktiv werden könne, so ein geschätzter Kollege von mir, der mich damit zum Mac bekehren wollte. Aber nun, in meinem Alter hat man da noch eine etwas andere Einstellung. Und grade bin ich nicht mal ganz unglücklich drüber. Worüber genau eigentlich, meine Güte, ich fang mal wieder von hinten an: über ein schickes Thinkpad, auf dem seit ein paar Tagen ein Ubuntu-Linux rennt. Und das ich grade ein wenig liebgewinne.

Wie heissts immer? Linux auf dem Desktop – immer ists nächstes Jahr vielleicht soweit; die fehlende Kompatibilität v.a. im Notebooksektor usw. usf. Es ist immer noch was dran, zuerst warf ich ein Debian drauf, und ärgerte mich etwas mehr als ne Nacht lang drüber, dass von 1280 auf 800 keine Rede sein konnte, 1024×786 war das höchste der Gefühle, sieht man von spannenden Effekten auf die Darstellung ab, wenn man mit den modelines rumspielte. Ich gebe zu: ich war frustriert, das Thinkpad war ne Entscheidung für a) ein solides Notebook, aber eben auch b) einen für Schleppimaßstäbe guten Ruf in Beziehung auf Linuxkompatibilität. Nun ja. Den Spott kann man sich ausmalen, wenn man bedenkt, wie mein Blog heißt und dass ich damit die Firma meine, in der ich arbeite. Die ich an und für sich auch gerne mag, aber in der es sich in Bezug auf die Kollegen so verhält wie gelegentlich auf Boards in Bezug auf die User: schon ok, dass es sie gibt, ohne sie wärs aber doch viel entspannter.

Jedenfalls, Bestrafer zog mir ein Ubuntu, ich schmeiss es drauf, und das Ding erstrahlt in 1280×800, wie es soll, holt sich seine IP vom DHCP, aktualisiert seine Pakete aus dem Netz, es war eine Freude zuzugucken. Der Sound tat nach dem simplen Umstellen des Treibers auf ALSA, und oh! die Ironie, die Notebooklautsprecher selber erst nach Reboot, das kenn ich an sich bloß von gewissen anderen OSen.

Seitdem bin ich am mich häuslich einrichten und Perversitäten begehen. Aber zuerst zum häuslich einrichten, das ist ja immer so ne Sache auf einem neuen Rechner. Wobei ich jetzt sagen muss, es ist schon alles mögliche anders, aber nicht wirklich komplizierter wie auf nem anderen System. Klar, den tkpasman gabs nicht als Debianpaket, also laden und laut Anleitung mit make, make install einbauen, und es ging nicht, bis ich merkte, make sollte ich eben auch erstmal installieren. Solche Sachen. Nachgucken, wie manche Pakete im debian-Paketmanager überhaupt heißen usw, aber meine Güte. Wenn ich an den ersten Suse5 – Versuch denke, das ist eine völlig andere Zeit gewesen.

Jetzt sind die ersten Mailaccounts eingerichtet, Chat und Messenger tun, eine Latte backend-Logins sind eingerichtet, und langsam wirds ne Alternative, mit der Kiste aufs Bett zu flaggen, statt am Schreibtisch sitzenzubleiben. Das fein *find*. Der FTP läuft grade nur unter root, das ist ein wenig komisch, so Kram ist grade noch. Testweise ein Verzeichnis als root von der Win-Kiste geholt, nichts davon aufmachen können als User, das felst dann irgendwie wieder die Hütte wie in alten Zeiten, wo man sich wunderte, dass das Netz nicht tat, weil man nen Terminator am Koax-Ende vom 10base2 vergessen hatte.

So richtig die Option ist das mit dem im Bett werkeln aber doch noch nicht, dem steht eine gewisse Perversität im Wege. Mangels Router hab ich schlicht nen Switch an die zweite Netzwerkkarte der Windope-Kiste gehängt und auf der nen Softrouter eingerichtet. Und mit ner Linuxkiste über nen Win-Router ins Netz zu gehen… „Es ist wider die Natur“, meinte Bestrafer nach Kenntnisnahme, und ich fürchte, er hat recht. Aber als Übergangslösung tuts das, und dann sehen wir weiter. Bis dahin ists aber halt komisch ins Bett zu flaggen und zu wissen, man muss eh nochmal raus und die andere Kiste runterfahren. Wie auch immer.

Jedenfalls, Ubuntu ist freundlich zu mir. Ich glaube, das ist alles sehr gut und richtig so gewesen bis jetzt.

P.S. Ja, ich kenn VNC, lang damit gewerkelt, aber das jetzt aufsetzen und nächste Woche nie wieder brauchen, nee, muss nicht.

Kategorie: ich gegen die wirklichkeit, mac hell 1: job. permalink.

4 Responses to Der Schleppi rennt.

  1. dlfa says:

    Hö? Kiste runterfahren? Was ist mit dem Taskmanager von Windows – wie heißt er gleich? Setz ne Uhrzeit rein, zu der die Kiste runterfährt, so kommst du auch garantiert zu deinem Schönheitsschlaf.
    Alternativ per ssh einloggen, shutdown -h now.

    Gruß,
    dlfa

  2. missi says:

    Als ich zu dir meinte: „Mach den Rechner aus und geh ins Bett…“, meinte ich nicht „…und mach dort den Laptop an und spiel mit dem Gnome…“ :D

  3. LexaT says:

    Herzlichen Glückwunsch ;)

    Ich freue mich für Dich, dass alles so problemlos funktioniert hat. Und es ist schön, dass du dich noch an so einfachen Dingen wie Sound und transparenten Effekten erfreuen kannst. Nun hast du sogar eine Funktastatur inkl. Maus ans Laufen bekommen und musstest dafür nur einen Sender in deinen USB-Port stecken *lach*

    Ich bin mir sicher, dass der Betrieb mit einem zweiten Monitor auch kein Problem darstellen wird und du in Bälde wieder zum regulären Arbeiten kommen wirst. Irgendwie war ich der Auffassung, dies sei der Sinn von Schleppis ;)

  4. das clemens says:

    Korrupt, herzlichen Glückwunsch zu dieser entscheidung,

    ich bin vor ähm.. 3(?) Wochen auch komplett umgestiegen, und muss sagen das ich es nicht bereue :)

    Viel Spass noch, oder wie man sagt Have a Lot of Fun ;)

    mfg
    CK

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