Mein Weg zur Spiritualität, Sinai-Kamelsafari

Berührt von Seinen nudligen Anhängseln

Berührt von Seinen nudligen Anhängseln

Ich hielt mich ja für unempfänglich, was den Glauben an göttliche Mächte, Kräfte der Natur und spirituelle Energien angeht. Auch, als man mir sagte, die Wüste verändere einen und man komme anders raus als rein, war ich tendenziell eher skeptisch. Ich wurde eines besseren belehrt.

Es muss die Einsamkeit der Wüste auf dem Sinai gewesen sein, die reine und unmittelbare Natur, geformt von Seinen Nudligen Anhängseln, welche mich Seine Kraft spüren ließ. Mag in der menschenarmen Umgebung die Kraft Seiner nudligen Anhängsel noch machtvoller sein, wie vor tausend Jahren, als noch mehr auf jedes einzelnen Menschen Haupt ruhten, bevölkerungsdichtenbedingt, und mich daher seine Kraft durchströmt haben. Ich musste Sein Zeichen einritzen, nicht einmal, sondern gleich mehrfach.

iPhone-Bild, dank Seiner Gnade und einem Prozent Akku

iPhone-Bild, dank Seiner Gnade und einem Prozent Akku

Das FSM gibt die Lappen zur rechten Zeit

Das FSM gibt die Lappen zur rechten Zeit

Und was soll ich sagen, es gefiel Ihm wohl. Denn nachdem ich mein Werk zu Ehren Seiner Fleischbällchen vollendet hatte, waren die Steingravuren notwendigerweise staubig, Stein und Ritzen schwer erkennbar, und ich glaubte schon, pustenderweise in der Wüste Sein Zeichen reinigen zu müssen, doch mein Werk gefiel Ihm wohl und es zeigte mir einen Lappen, den es wohl zu diesem Zweck an den Ort meiner Verehrung wehen hatte lassen. Sollte ich noch Zweifel an Seiner Macht und Seinen Zeichen gehabt haben, ich zog mein iPhone aus der Tasche, welches ich nach vier Tagen ohne Aufladung an sich aufgegeben hatte. Eingeschaltet, hatte ich eine Anzeige von bisher noch nie gesehenen 1% Batteriestand und Es erlaubte mir, noch Bilder zu machen, ehe sich das Gerät in den Ruhemodus verabschiedete.

Nach diesen überzeugenden Zeichen werde ich wohl Pastafari bleiben, auch wenn ich in Civ V immer gern den Diskordianismus als meine Leib- und Magenreligion verbreite, aber hey, das ist schließlich ein Spiel. Im Sinai wars der Ernst des Lebens, und so sehr mir alles gefallen hat und es eine großartige Erfahrung war, so skeptisch war ich zu Beginn, als sich unsere Gruppe konstituierte. Das einzige Bauchschmerzthema, das ich hatte: es waren doch alle sehr, sehr spirituell. Plus eine durchaus religiöse Beduinenschaft, man hatte einigen Input.

Prähistorisches Krafttier

Prähistorisches Krafttier

Es war aber alles letzten Endes sehr verträglich. Ich beschloss, eh Urlaub zu haben und niemanden zu was auch immer aufklären zu müssen, und wurde diesbezüglich auch wunderbarst in Ruhe gelassen. Die wirklichen Reizthemen kamen, FSM sei dank, auch nicht wirklich zum Gespräch, so war an sich alles durchaus harmonisch. Nur, irgendwann fiel mir was auf, ich kanns an sich genau datieren, am Nachmittagsritt nach der Oase am vierten Tag.

Wobei, vorher schon, im White Canyon, da fiel mir auf, wie froh ich drum war, diese ganze Spiritualität nicht zu haben, diese Freiheit im Kopf, die Dinge zu sehen, ohne irgendwas reininterpretieren zu müssen, den „Garten als schön erkennen zu können, ohne, dass Elfen drin hausen“, ich meine, Sagan sagte das.

Oh, Schicksal.

Oh, Schicksal.

Was mir da am vierten Tag auffiel: ich hatte mich noch nie bewusst mit einem Aspekt dieser Erkenntnis versöhnt. Ich erinnere mich an zwei, drei größere Knackpunkte in meinem Leben, an denen mir auffiel, dass der rerligiöse Kinderglaube, eine Art von Spiritualität, das Interesse an den Themen verschwunden war, und ich erinnere mich an das Gefühl dabei: man hatte was verloren, es hatten wichtige, aber durchaus auch schmerzhafte Erkenntnisprozesse stattgefunden. Es gab einmal eine Diskussion auf dem g:b um Religion und Atheismus, ich erinnere mich, dass Atheisten/Agnostikern vorgeworfen wurde, man mache es sich ja leicht, man werte es ab, wie Menschen zum Glauben gefunden hätten, man ignoriere was auch immer, und ich sagte, da kürzen wohl ein paar Leute ihren Denkvorgang ab, denn es ist ein Lern- und Erkenntnisprozess, der dazu führt festzustellen, dass es eben Niemanden Dort Oben gibt und die Dinge eben passieren, weil Physik oder Leute. Und verdammt nochmal, diese Erkenntnis ist nicht unbedingt schön oder angenehm, man sucht sich das nicht raus, und es mag den einen oder anderen durchaus schmerzen. Ich wuchs ja durchaus christlich erzogen auf und fand das überhaupt nicht verkehrt. Analog das „spirituelle“ – man erkennt eben irgendwann, wie die entsprechenden Selbstmanipulierungen funktionieren, wie überhaupt Leute auf die entsprechenden Ideen kommen (Himmel, gerade in der Wüste ist einem gelegentlich extremst klar, wie man auf die Idee kommen kann, irgendwelche Kraftorte, Götter, himmlische Mächte herbeizuhalluzinieren, die Trigger liegen auf dem Silbertablett da.) Und irgendwann erkennt man: Nein. Unsinn. Und bedauert dann auch durchaus, was nun eben zunächst als „weg“ wahrgenommen wird, denn wie gesagt: verkehrt schien es einem ja lange nicht.

Ein Kraftort.

Ein Kraftort.

Ein bestiegener Kraftort.

Ein bestiegener Kraftort.

Eine gewisse „Spiritualität“, diese Fähigkeit zur Selbstmanipulation, die ist manchmal nicht ganz unpraktisch, und auch hier gabs die Momente, wo ich dachte, hm, weg. Scheisse, du merkst, was hier passiert, du schaltest in den Beobachtungsmodus, du kannst dich amüsieren, aber dich ebensowenig drauf „einlassen“ wie eben auf den Glauben an den Weihnachtsmann. Es ist nicht immer praktisch. Und da beim Nachmittagsritt ging mir auf, dass ich verdammt glücklich drüber war. Dass ich nicht bedauern muss, was verloren zu haben,. sondern vielmehr stolz drauf sein kann, wovon ich mich alles befreit habe. Nicht allein, bewahre, und grade das war dann auch so eine Erkenntnis: dass da ein paar sehr liebe und wichtige Menschen viel Anteil dran hatten und ich mich drüber freue. Und nicht den geringsten Grund habe, irgend etwas hinterherzutrauern, im Gegenteil.

Vanitas.

Vanitas.

Einswerden mit dem Baum

Einswerden mit dem Baum

Es ist dann durchaus amüsant festzustellen, dass eine Umgebung, die manchen anderen gerade auf das Gegenteil bringt, eben diesen Effekt auf sich hatte. Aber ich kanns bestätigen: man kommt anders raus als rein, und ich muss sagen, in meinem Fall auch durchaus ein wenig mehr froh und dankbar.

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