Die taz begräbt die RAF…

…und ich hab schon gar keine Lust mehr, mich drüber größer zu echauffieren oder rumzulinken, ich hatte die Printausgabe grade in der Hand, der deutsche Herbst jährt sich und die taz kommt mir da grade rüber wie die Grünen ab Regierungsbeteiligung. Ironischerweise hattens wir davor noch von der RAF und dann krieg ich die Wochenendausgabe in der Hand, und da begräbt die taz die RAF, schreibt über x Seiten, wie daneben, kaputt, sinnlos, unhinterfüttert und verblendet und schlimm das alles war und dass heute ja niemand mehr versteht, wie das überhaupt passieren konnte.

Oh, taz. Du müsstests doch besser wissen, du müsstest doch in der Lage sein zu kapieren, wie es zu Denkstrukturen wie der RAF kam. Und nein, das „Kinder aus besseren Familien machen einen auf Wir ändern die Welt!“ und rauchen Gauloises dazu, das ist *nicht ganz* der Punkt. Auch nicht das Rumpsychologisieren um Kollektivkörper und das Einerlei des Terrorismus als selbstreferentielles, von den Zuständen (goldene Siebziger!) völlig abgehobener Struktur. Euer „Was ist mit der Solidarität mit den Opfern“ – Gedisse ist derbst peinlich, und das „Die waren eigentlich alle irrelevant und man sollte die endlich mal auf Normalmaß kleinreden“ solltet ihr, wennschon, nicht auf acht Seiten ausbreiten, denn, im Vertrauen, ein „das sollte doch kein Schwein mehr interessieren“ kriegt man kürzer transportiert.

Ich denke, dass ich mich eher frage, warum es heute keine RAF gibt, als ob ich mich frage, ob die RAF eh überbewertet und abgehakt gehört, ist eher bekannt. Ich halte Schleyer beispielsweise für eine durchaus symbolträchtige Opferfigur, die dafür steht, was die RAF bekämpft hat. Ich hielt beispielsweise bei Bourdieu die Zuspitzung des Feindbilds auf Tietmeyer für ein klassisches Hereinfallen auf die RAF-Denke – Tietmeyer ist keine Symbolfigur, wenn den wer erschossen häte, als Bourdieu selig noch schrob, hätte imo nichts bewirkt.

Herrhausen halte ich auch für einen der großen Fehler der RAF. Auf der anderen Seite, ich kann mir nicht helfen, als die Frage aufkam, warum niemand Ackermann erschossen hat, da fiel mir auch erst nichts mehr ein. Doch, jetzt beim überlegen: Es ist verboten.

Ich glaub nicht, dass man die RAF begraben muss. Aber nach heutiger Lektüre der taz hab ich das Gefühl, *die* riecht inzwischen seltsam genug.

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9 Responses to Die taz begräbt die RAF…

  1. Oliver says:

    taz und ich las schon halb automatisch faz, warum auch immer. Dabei dachte ich nur was schreibt der nur für nen Käse, ist doch klar – beim zweiten drüber schauen … na ja das Alter :D

    Gewalt kann ich nicht ab, Gedanken wird wohl niemand von der Hand weisen können in bestimmten Situationen. Das viel los war, das sich irgendetwas bewegte, das ist mehr als verständlich, die Situation war einfach gesellschaftlich völlig verfahren, es brodelte und etwas kochte über. Ich kann und will die RAF nicht gutheißen die Situation allgemein wiederum kann ich verstehen. Ich bezweifle jedoch das Gewalt irgendeine Lösung darstellt. Ich beschäftige mich mal aus dem historischen Blickwinkel damit, die Ausgangsbasis ist wie gesagt verständlich, der Rest im Verlauf nicht.

  2. mike says:

    Oliver: natürlich ist Gewalt keine Lösung. Die eine quatschen halt lang und breit, die anderrn tun was gegen Gewalt. Dass da solch integre Personen wie Schleyer oder Herrhausen oder wer auch immer als Kollateralschaden auf der Strecke bleiben: ICH finde sowas nicht gut, keineswegs.
    Wie sowas passieren konnte? Das ist schwierig, aber so weit weg nicht: damals gabs noch Leute, die der Meinung waren, dass man mit Worten und Gelaber nicht gegen Gewalt ankommt; heute haben wir Blogs. Und die Taz. Ich find das dufte.

  3. Korrupt says:

    Yop, da hatten wirs gestern auch davon. Schoen, wie friedlich und sachlich artikuliert der Protest heute ist. Deswegen hat sich auch nach Heiligendamm so viel getan, deswegen hat die Politik eingesehen, dass die Lage an der H-IV-Front wichtige ist als das Terror- und Überwachungsgefasel, deswegen kamen keine Studiengebühren und wurde damals der Nato-Doppelbeschluss abgesägt, nachdem 300.000 Leute dagegen friedlich demonstrieren und so wird auch heute mit Blogs und taz richtig was bewegt.

    Nur: Heiligendamm taten die G8, was sie wollten, der NATO-Doppelbeschluss wurde seinerzeit abge*segnet* und der Staat hat nchts besseres zu tun, als ne Bundestrojaner-Scharade zu spielen, obgleich sich massenhaft Leute friedlich und kompetent dagegen aussprechen. Und wir haben Studiengebühren, obwohl sooo viele hybsche Kommilitoninen ihre Titten herzeigten.

    Den gewaltfreien Protest zeichnen zwei zentrale Eigenschaften aus. 1. er ist gewaltfrei und 2. er ist erfolglos.

  4. kuxxx says:

    Auf Gewalt zu verzichten bedeutet auch immer eines: Die Gewalt anderen zu überlassen. Schliesslich waren es Strukturen, die sich durch das erfolgreiche Ausüben von Gewalt legitimieren, gegen die z.B. die RAF anging.
    Klar ist Gewalt Scheisse. Nur die Staatsgewalt ist OK. Ob sie selber Gewalt ausübt mittels ihrer Knüppelgarden oder Terrorparagraphen für unliebsame Zeitgenossen. Oder ob sie Gewalt an anderer Stelle, in anderen Ländern gutheisst oder unterstützt.

    Sollte sich wirklich wieder ein gewaltbereiter Widerstand formieren, wirds deutlich heisser in Deutschland als damals in den Siebzigern. Man kann heutzutage seine Ziele ferngesteuert treffen, jedes Ziel. Und, viel wichtiger, man kann über das Internet an der Presse vorbei sein Tun Kommunizieren.

  5. madchiq says:

    Ich bin mir nur nicht so sicher, ob „uns“ (sic!) durch das Erschiessen von eins, zwei, oder mehr „Entscheidungstraeger/innen“ Studiengebuehren oder G8-Beschluesse erspart worden waeren… und das ist ein Punkt, der bei diesem mantraartigen Widerkaeuen von den „zentralen“ Eigenschaften gewaltfreier Proteste durchaus verloren geht.
    Jede Bewegung braucht ihre Krise, in der sie gedeihen und wachsen kann und ich behaupte hier einfach mal, wir haben derzeit keine.

  6. Greg says:

    Korrupt, war denn der gewaltsame Widerstand erfolgreicher? Und Demos sind natürlich nur – wenn sie erfolgreich sind – ein Tropfen auf den heißen Stein. Über längere Zeit können sie aber schon etwas bewirken. Es können/könnten sich Parteien daraus gründen, die (egal ob sie an die Regierung kommen oder nicht) die politische Agenda beeinflussen. Oder sie können bestehende Parteien dazu bewegen bestimmte Themen aufzunehmen, was zwar oft Populismus sein dürfte, aber wenn’s wirkt…

    Was die RAF – außer Angst und Unverständnis in der breiten Öffentlichkeit – erreicht hat, sehe ich nicht. War m.E. eher kontraproduktiv.

    PS: Bestimmt werden wir uns nach 2 – 3 weiteren Kommentaren alle einig :D

  7. Scheiß die Wand an – was die RAF erreicht hat oder nicht, wird sich nicht ergründen lassen, es sei denn, es gibt ein Paralleluniversum, in dem ab der „Gründung“ der Baader-Meinhof-Bande alles anders gekommen ist.

    Fakt ist, die „68er“- oder Hippie- oder Links- oder wtf-ever-Bewegung hat in dieser Gesellschaft EINIGES bewegt und die RAF war eindrucksvoller Teil davon.

    Und Fakt ist, dass diese Welt noch beschissener wäre, wenn nicht immer und ewig „die Guten“ den Mund aufmachen, bloggen (ja, auch bloggen), demonstrieren, Farbbeutel werfen, Autos anzünden, Plakate kleben oder den einen oder anderen Mächtigen über die Wupper gehen lassen.

  8. kuxxx says:

    Wobei ein Arschloch, bestimmt?

    http://youtube.com/watch?v=9KReZyAZLI0

    Die Vorrreiter wissen selber schon, von der Sauerei.

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