Flüchtlingen helfen in Wuppertal, nicht ganz leichtgemacht

Vorweg: ich will hier gar niemand an den Karren pinkeln, im Gegenteil – alle Leute, mit denen ich zu tun hatte, waren wirklich engagiert und cool unterwegs. Es scheint mir eher eine Sache fehlender Koordination und der knappen Personaldecke in den einschlägigen Bereichen, die ja auch nicht erst seit gestern eine Problem ist,

Hintergrund: Über verschiedene Quellen standen hier drei Rechner rum, die man noch wunderbar als Surfstation gebrauchen kann. Weiter hatten wir selber und im Bekanntenkreis mal geschaut, was alles hilfreich/nützlich sein könnte und nach kurzem Abchecken der Abwurfstellen ein Auto vollgeladen.

Plan war Wuppertaler Tafel oder die Diakonie, beide mit entsprechenden Einrichtungen am Start, wo Gebrauchsgüter, Klamotten etc. sozialkaufhauslike an die Leute gehen, die sie nötig haben.

Nun kriegten wir von eine Freund, der vor Ort im Flüchtlingsheim war die Info, dass dort (wenig überraschend) niemand über Geld verfügt – nach Aufnahme kriegen die Luete Lebensmittelgutscheine und das wars. Nur: beide Stellen, wo wir anliefern wollten gaben an, dass sie eben zu zwar sehr niedrigen Beträgen und nur an Bedürftige abgeben, aber eben zu *Geldbeträgen“ – eine Ausgabe an die Leute, die eben über keinerlei Bargeld verfügen, ist dort nicht vorgesehen. Wenn also der Plan war, Leuten eine Möglichkeit zu geben, zu zurückgebliebenen Verwandten via Rechner Kontakt aufzunehmen (Internetzugang ist ja nochmal ein anderes Problem): die kommen garantiert nicht an die Kisten, wenn wir sie dorthinbringen.

Wir hakten nochmal nach und fanden heraus, dass die Stadtmission tatsächlich direkt Sachgüter an die Flüchtlingsheime bringt. Direkt hin kann man nicht/nur im Ausnahmefall, weiter muss ich zugeben, liefere ich lieber wo was ab, wo die Leute einen ansatzweisen Überblick haben, was wo fehlt – nicht dass die Leute ohne Kochtopf einen Rechner und die ohne Rechner zwei Tüten Kinderspielzeug kriegen.

Der Abliefertermin bei der Stadtmission war dann nochmal ein wenig kompliziert wegen nicht wirklich hilfreichen Öffnungszeiten. Es haute aber irgendwie hin, auch wenn dort wiederum Platz- und Personalsituation eben auch *etwas* angespannt war und ich deswegen jetzt nicht ausdrücklich ein „Bringt Sachen dorthin“ empfehlen will, solang nicht klar ist, dass das dort auch ressourcentechnisch verteilt werden kann. Letzten Endes nahm ich die Rechner wieder mit und ließ Kleidung, Spielzeug, Haushaltswaren dort, weil bei ersteren schlicht nicht klar war, wer da weiss, wie und wo man die am besten hintut.

Wie eingangs gesagt: ich will da niemandem von den Involvierten einen Vorwurf machen, im Gegenteil. Ich hab aber das Gefühl, dass hier grade sehr viel Reibungsverlust entsteht und bei allem Ekel, den einen in diversen Kommentarspalten und FB-Gruppen anspringt: es wird einiges Tolles gemacht und gerissen von erstaunlich vielen Leuten, und *das* ist was geiles und das sollte man nach Möglichkeit so wenig wie möglich ausbremsen.

Dass trotzdem nicht einfach Hinz und Kunz zu den Heimen kommen können und Kaffee, Kuchen und Klamottentaschen mitbringen, kann ich schon gut verstehen. Dass sich die Lage für die Betroffenen nach Anerkennungsverfahren ändert und sie dann auch a) Bargeld und b) Zugang zu den Sozialkaufhäusern haben, fein. Nur die Zeit davor scheint gerade etwas schwierig und wenns da Potentiale gibt, die Lage hier etwas zu entschärfen, sollte man die nutzen. Und mein Gefühl ist, dass man da kommunal einfach eine Koordinierungsstelle bräuchte, die da die ohnehin vorhandenen Träger/Institutionen in die Richtung brieft und dem durchaus vorhandenen Was-Machen-wollen ein, zwei Steine aus dem Weg räumt.

Mein letzter Stand ist, dass aktuell insbesondere in Sachen Hygieneartikel und Küchenutensilien eine ziemliche Knappheit herrscht im tal. Grade bei sowas denk ich eben, Himmel, *das* kann man besorgen, da steht genug in allen möglichen Haushalten rum, wenn hier auf der einen Seite Mangel herrscht und auf der anderen dann das Zeug verstaubt, das scheint mir irgendwie lösbar.

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2 Responses to Flüchtlingen helfen in Wuppertal, nicht ganz leichtgemacht

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