Dass die Türken kaum was auf die Kette kriegen…

Die Religion des Wortes,
Innendekoration
Schön, so von vorne, neh?

…war das Motto, unter das ich meinen letzten Blogeintrag zum Thema Istanbul stellen wollte. Das ist dann nämlich schön selbstreferenziell und in sich widersprüchlich, wie ich es mag. Was ich an Istanbul so mag, ist das improvisierte, irgendwie funktionierende, und das irgendwie auf ner unglaublich hohen Taktfrequenz.

Aber um da mal was klarzustellen: die muslimische ist der christlichen Kultur natürlich derbstens unterlegen. Das ist nicht schwer zu belegen, dafür muss man nur zur Hagia Sophia. Und sich vor
Augen halten, dass der Islam als Religion der Schrift und derbe bilderverbietend eben nur per Schrift rumdekorieren kann, und das sehen wir hier rechts, was dabei rauskommt.

Von hinten sieht alles anders aus, auch der Islam und Allahs Wort
Von hinten sieht alles anders aus, auch der Islam und Allahs Wort

Und wer jetzt sagt, das ist doch mal ne bemerkenswerte Religionsauslegung, die Botschaft im Mittelpunkt und nicht diese katholische Bilderdienerei, der mag durchaus recht haben. Was mir den Islam als Religion sympathisch macht, ist in der Tat diese bemerkenswerte Konsequenz, die den meisten christlichen Kirchen fehlt, und ohne die eine Religion in meinen Augen auch nur Teeniegewichse ist (mir lag die abwertende Formulierung „Kindergeficke“ auf der Zunge, aber das wär grade zu themaverfehlend doppeldeutig, daher nur der Nebensatz zum die Pointe nicht auszulassen). OK, Christen sind auch scheiße, aber herrgott, sie würden ihre Textschildern in den Kirchen nicht mit so einer Rückseite im Raum stehen lassen. Bildlich wie wörtlich. Das geht nicht.

Das kann Layher besser
Das kann Layher besser.

Dass die Hagia Sophia nicht nur schöne Ausblicke bietet, musste ich so aus reiner Gehässigkeit raus auch dokumentieren. Und wenn Istanbul eine Sache braucht, dann ist es das Gerüstsystem von Layher. Man sehe sich das H-S-Gerüst an und man wird verstehen, was ich meine.

Ernsthaft: Layher-Gerüste regeln die Hütte wie in alten Zeiten. Gerüste? Layher. Die sind fein, leicht, genormt, simpelst zusammenzusetzen und außerdem kannte ich zu Jugendhauszeiten eine Tochter des Hauses, was dazu führte, dass ich während einer Party wegen Sturmfrei in der layherschen Heimsauna rauchte und beobachten konnte, dass in feuchter Saunaluft ein erstaunlich langsames und mildes Abbrennen begünstigt wird. Irgendwann sassen wir dann vor dem Testbild des ARD und hörten uns ne halbe Stunde lang die Ansage „Erstes Deutsches Fernsehen. Ah Err Deh.“ an und lachten uns schlapp über den Scheißjob, den man haben muss, wenn man jede Nacht von drei bis sechs diesen Satz dauernd im selben strengen Tonfall wiederholen muss. Ich schweife ab.

Hauswrack in Fatih, Istanbul
Das hält.

Jedenfalls, die Türkei improvisiert, und das irgendwie bemerkenswert effizient. Jene halbe Ruine in Fatih nebenan kann man wohl unter weniger effizient, die drunter abgebildeten Mordkopien (Hurra, es gibt sie noch!) als eher gut gemacht betrachten. Was hingegen gar nicht geht, war die (leider unfotografierte) Werbung eines Elektrostands in irgendeiner Unterführung, wo es MP3-, MP4- und gar MP5-Player(!!) gab. Was mir auch grosse Freude machte, war der Livespam im Schaufenster. Viagra, Cialis, anyone? Ich hielt mich aber eher an Mach3-Klingen und original 501 Levis-Jeans.

Mordkopien in Istanbul
Trotzdem: das MS-Monopol wird in der Türkei nicht mehr wie einst gefördert.
Jetzt, wo ich Viiaaaagra ausprobiert habe, würde ich es immer wieder kaufen
Spam in Unvirtuell.

Ebenfalls charmant ist das unverkrampfte Verhältnis der Türken zur NS-Zeit. Ich war nicht dabei, als LexaT jenes schöne Schachspiel knipste, aber das ist vermutlich ganz gut so gewesen, denn sonst wär ich vielleicht auf dume, teure und politisch völlig inkorrekte Gedanken gekommen.

Himmel,nein, würde ich nie kaufen, Würd nich nicht mal drüber nachdenken.
Ich will die Rote Armee sein.

Und, das ist doch die Situation hier, es kann ja auch nicht angehen, dass wir uns aus der Türkei inspirieren lassen sollen, wie wir mit unserer finsteren Vergangenheit umgehen sollen. Im Gegenteil müssen wir den Osmanen Kultur und westliche Denkungsart beibringen, das sagte auch schon Atatürk und der hat meistens fast immer Recht gehabt.

Dieser Mann hatte mit Sicherheit große, imposante Hoden.
Ich mag ihn.
Ich hab außer einem schicken Shirt auch große, imposante Hoden.
Ich bin jung, schön und dünn, das ist das einzige, was zählt.

Insofern will ich meinen letzten Eintrag zum Thema Istanbul mit der bildlichen Dokumentation der beiden großen kulturellen Reformern der Türkei beschließen. Wäre ich Türke, ich wär Kemalist. Aber ich bin bloß gulli-Boardadmin, aber ich glaube, auch als solcher kann ich mit Istanbul als auch Istanbul mit mir gut klarkommen. Himmel, man hat sogar was voneinander, und das freut mich derbe, weil die Stadt ist einfach der Irrsinn schlechthin. Wahrscheinlich vertragen wir uns deshalb so gut.

Kategorie: ich gegen die wirklichkeit, mac hell 1: job. permalink.

3 Responses to Dass die Türken kaum was auf die Kette kriegen…

  1. Adem67 sagt:

    Ja, Istanbul ist eine wirklich schöne Stadt… Leider konnte ich die Stadt noch nie richtig erkunden, obwohl ich immer in Istanbul lande wenn ich in die Türkei reise. Ich werde mir die Stadt aber auf jedenfall näher ansehen, Bekannte habe ich dort genug :)

    Ich wusste garnicht, dass du ein Blog führst. Werde demnächst öfter hier vorbeischauen :)

    Gruß

  2. st. sagt:

    mensch meier, mit posten des schachspielbildes hier und nicht dort ist dir jetzt die einmalige karrieregelegenheit bild-leserreporter zu werden entgangen.

  3. Korrupt sagt:

    „Ich war total schockiert. Gut, dass so etwas bei uns verboten ist.“

    Omfg. Ich war amysiert. Jetzt muss ich mich bestimmt entnazifizieren lassen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert