Bosch Ersatzteile, einige Onlinemarketingbetrachtungen

Einleitung

Das hier wird länger, ich oute mich von vornerein als Fanboi und hab ein wenig ein eigenartiges Gefühl, weil das vielleicht auch Züge eines jener Blogeinträge tragen könnte, deren URLs in der Vergangenheit massig in Disavow-Listen eingetragen wurden. Nichtsdestotrotz, frühkindlich-schwäbische Prägung („Halt dei Gosch, i schaff beim Bosch!“), längere positive Erfahrungen mit diversen Geräten, eine massive Traumatisierung durch das Im-Sande-Verlaufen meines Angebots, erotische Male-Model-Kalender mit Bosch-Heimwerkergeräten zu konzeptionieren und eine nun stattgefundene Begegnung mit dem Bosch-Ersatzteilservice machen mir diese Art Kribbeln in den Tippfingern, bei den ich weiß, es ist sinnnlos, sich zu wehren.

Folgendes ist eine Betrachtung zu Optimierungsmöglichkeiten in Sachen Bosch Ersatzteile bei Heimwerkertools. Ich kenne die Rahmenbedingungen nicht (Vertragshändler-Priorisierung, Imageüberlegungen, Kosten/Nutzen usw.) und insofern ist alles ein wenig ins Blaue geschossen. Andererseits passiert es mir selten, dass mich ein Thema anspringt und man dann einfach mal öffentlich hirnstürmen kann, und nachdem Bosch kein Kunde ist, mag ich das einfach mal genießen. Sie machen verdammt viel gut und richtig, btw., und ich muss zugeben, die Problematik ist… nun, interessant.

Vorgeschichte

Ich schrottete die Bodenplatte meines Bandschleifers – der hat einiges zu tun, insofern nehm ich nichts übel einerseits und schätze ich, kam irgendwas zwischen ein (leicht zu lockeres) Flohmarkt-Schleifband und die Unterlage. Das Ergebnis war eine glatt abgerissene Bodenplatte, die man an sich nachkaufen können müsste. Modell war ein PBS 75 A-Bandschleifer, Die Suchanfrage ließ mich ein wenig ratlos zurück, stöbern brachte nur ein paar Teile und Zubehör, nicht das, was ich brauchte.

Bandschleifer in need of Ersatzteile

Bandschleifer in need of Ersatzteile

Nun machen sie drunten im Schwäbischen wie gesagt ja viel richtig und haben auch eine Bosch Heimwerken-Facebookpräsenz, die einerseits nette Sachen postet und andererseits auf Nachfrage gern weiterhilft. Ich frag nach, ob/wo ich das Ersatzteil kriege, nachgehakt wurde erst mein genaues Modell und dann noch die Gerätetypnummer, bei letzterem pfuschte ich dann und gab erst eine innen im Gehäuse angebrachte Typennummer durch, aber dann fand ich das Gemeinte, gab Daten durch und kriegte die Info, mit der Grundplatte 1.619.X06.361 für EUR 4,58 plus MwSt. sei ich dabei. Jubel! Sehr feiner Kurs für nicht ganz gängige Ersatzteile. Ernüchterung! Google wirft zu der Typenbezeichnung nichts raus. Bevor ich mit weiteren Fragen nerven wollte, hatte ich den klugen Gedanken, dass das FB-Team von Bosch Heimwerken wohl davon ausgeht, dass man auf der Webseite von Bosch Heimwerken guckt. Dort werden Reiter für „Werkzeuge“ und „Zubehör“ angeteasert, da gibts aber tatsächlich nur „Werkzeuge“ und „Zubehör“. Die Suche auf der Seite wirft zu der Typbezeichnung auch nichts. Aber: unter „Service“ findet sich der Ersatzteilservice. Dort wiederum zwei Varianten von Suchmasken.

Wir kommen zum Ende: Mit der durchgegebenen Sachnummer 3 603 BA1 000 komm ich auf das korrekte Ergebnis, wo ich praktisch meinen kompletten Bandschleifer in Einzelteilen ordern und selber montieren kann. Direkt linken kann ich das leider nicht, weils irgend ein JSP-Kram mit Viewstates und sowas ist. Hier kriegte ich kurz Bauchschmerzen, aber dann bezwang ich mein SEO-Ich und ließ das Schrauber-Ich frohlocken ob der Möglichkeit, günstig eine Bodenplatte, gleich noch einen frischen Luftfilter und eine vom Abmontieren/Reinigen etwas ausgeleierte Abdeckhaube 837 zu ordern. Und, Premiere! zum ersten mal im Internetz mit der eigenen Kreditkarte zu bezahlen, weil Paypal geht nicht.

Der richtige Weg zu Ersatzteilen von Bosch

Wer direkt bei Bosch seinen Bohrhammer kauft, sagen wir mal, den hier, schaut gleich nach dem passenden SDS-Bohrfutter beim Zubehör, und dort findet sich dann auch gleich der Hinweis zu den lieferbaren Ersatzteilen. Und, oh Wunder: dort werden die Explosionszeichnungen sogar – via SKU – direkt angelinkt.

Ersatzteil-Übersicht bei Bosch

Ersatzteil-Übersicht bei Bosch

Mir scheint das immer noch zuviel Scriptgedöns und zu wenig Content mit vernünftigem Markup, um da jemals zu „Bohrhammer PBH 2100 RE Ersatzteile“ gefunden zu werden, aber immerhin. Long story short: wer seine Sachen direkt beim Bosch ordert, wird draufkommen, an derselben Stelle nach Ersatzteilen zu suchen.

Der falsche Weg zu Ersatzteilen von Bosch

Nehmen wir einen hypothetischen Gegner von Online-Shopping und der Zerstörung der Innenstädte und regionalen Baumärkte und nennen ihn „Richie“. „Richie“ supportet den lokalen Hellweg und kauft sich dort einen Bosch Bandschleifer PBS 75 A. Als ihm da eine Bodenplatte abraucht, erinnert er sich gequält an diverse „Das müssten wir bestellen“-Episoden ebendort und stöbert im gehassten Internet. Das Ergebnis wurde eingangs beschrieben, der Weg war verschlungen, aber zielführend, und nachdem „Richie“ ja das Netz und das Businessmachen dort scheisse findet, gibt es Hoffnung dahingehend, dass andere Analogfetischisten auch ihren Weg gehen werden.

Nee, Quatsch. Natürlich liebe ich das Netz und halte mich für einen kompetenten, ja geradezu l33ten Umgeher mit demselben, und es erscheint mir nicht zu eigenlöblerisch zu behaupten, wenn es für mich als Baumarkt-Käufer und Online-Ersatzteilbesteller so hakelig war, dann wird auf jeden Richie ein Dutzend Nichtrichies kommen, die frustriert die Suche abbrechen und am Montag für dreißig Ocken eine Baumarkt-Hausmarke kaufen, weil scheiß drauf.

Nun weiß ich aus sicherer Quelle, dass zahlreiche Baumärkte im In- und Ausland Bosch Heimwerkergeräte verkaufen. So gruselig der Gedanke ist: man muss davon ausgehen, dass da draussen viele Leute wie ich rumrennen.

Die Amazon-Situation

Die ist einen kurzen Blick wert. Die Beispiel-Suchanfrage ist recht spezifisch, aber rechnet man bei Amazon für „Bosch Bandschleifer Ersatzteile“ mit schlappen 7, sieben! Ergebnissen? Interessante Randbemerkung: bei derselben Suche auf google kriege ich zwei organische Amazon-Ergebnisse und eine Amazon-Ad.
Worauf ich rauswill: Die Denke „Was es nicht bei Amazon gibt, gibts nicht“ mag bewusst oder unbewusst sein, sie ist aber definitiv verbreitet.

Am Rande bemerkt: für diese Googlesuche kriege ich auf 1 immerhin den GBS 785 AE auf 1 – an sich gut, im konkreten Fall aber schon wieder ambivalent, weil Bosch Blau. „Für uns Nichtprofis gibts natürlich keine Ersatzzeile!“ (Browser zu) – ich selbst bin ja ein gleichmütiger, gelassener Mensch und neige nicht zu solchen Reaktionen, aber der Herrgott hat ja einen großen Garten.
Am Rande bemerkt 2: ausgerechnet da wirft das „Weiter zu den Ersatzteilen“ ein „Hier gibts nichts“ aus.

Ich wollte dasselbe in grün

Ich wollte dasselbe in grün

Traumvorstellungen

Basic: Ideal schiene mir ein googleindexiertes, kategorisiertes Verzeichnis der Explosionszeichnungen nach Gerätekategorie/Modelltyp mit ID/viewstatefreien URLs wie beispielsweise http://www.powertools-aftersalesservice.com/public/boschdiy/service/bxp/SKU3603CA9300?country=de&lg=DE. Die müsste eindeutige Titel/Descriptions haben dahingehend, dass es hier Original Ersatzteile für den Bohrhammer PBH 2100 RE gibt, weiter Verweise auf die Nicht-EU-Modelle mit anderer Voltzahl etc. Problem scheint nur die reine Webtechnik zu sein: robots und Konsorten sehen OK aus, Google indexiert auch irgendwas um die 40k Seiten von der Aftersalesservice-Seite (unglückliche Domain, btw.)
Noch schöner: passende URL, die dann eben in der Art von http://www.powertools-aftersalesservice.com/bosch-ersatzteile/bohrhammer-pbh-2100-re/de/ heißt.

Advanced: Googleindexierte Listen der *einzelnen* Ersatzteile. Der Anker 220-240V 1 619 P01 771 hat seine eigene Seite mit Preisinfo plus Info/Links für die Modelle, in denen er verbaut ist. Shop/Kaufvorgang wird getrackt. „1 619 P01 771“ wird googlebar.

Strategisch: starkes gegenseitiges Verlinken mit den jeweiligen Geräten im Shop. Botschaft kicken: Mit unserem Kram haben sie länger was zu tun. Wir haben Ersatzteile noch x Jahre vorrätig. Bei uns kriegen sie die günstig, schnell und zuverlässig. Die üblichen Werkstattkisten mit halbkaputten Elektrowerkzeugen: von Bosch liegt da nie nichts drin, aus gutem Grund. a) man kann sie problemlos instandsetzen und b) man *will* sie auch problemlos instandsetzen, weils geiles Zeug ist.
Ach, und Remarketing: ich hab grade (wie sollte es anders sein) auf allen Kanälen Anzeigen für Bosch-Bandschleifer. Ich will keine Bosch-Bandschleifer, ich will Ersatzteile!

Rahmenbedingungen, widrige Umstände

Viel sagt sich leicht, aber man muss auch bedenken: wir haben es hier mit einer sauber aufgesetzten, multinationalen Instanz zu tun. Die Shop/Produktseiten kommen mit schlappen 39 hreflangverweisen daher, die JSP-Seiten des Ersatzteilfinders nicht, aber sie decken die komplette Produktpalette (für Länder mit anderen Stromnetzen etc.) ab und verweisen auch per Sprachdropdown – was anderes macht angesichts der nicht vorhandenen Indexierbarkeit auch keinen Sinn.

Strategisch gibts zwei Punkte: einmal: Deals mit dem Fachhandel und Sicherheit. Will man die Ersatzteilgeschichte absichtsvoll niedrig hängen, damit a) die Handelsparter das bevorzugt machen und b) nicht jeder Vollhorst sich beim Versuch, einen Ankersatz zu tauschen, mit Bosch Powertools umbringt?
Zum anderen, Imagekisten: Starke „Ersatzteilpräsenz“ suggeriert vielleicht ein „Die Sachen gehen gelegentlich kaputt“. Weiter könnten hier die „Steckt wirklich in Bosch Blau was anderes drin als in Grün?“-Debatten weiter befeuert werden, ganz zu schweigen von Skil.

Mangel an Information: ebenso zwei Punkte. Einmal sollte man wissen, wie viel Ersatzteilbusiness tatsächlich stattfindet und welche Kreise das tun (Endanwender? Händler? Profis/Handwerker, Firmen?) Wobei da mehrere Verhältnisse auch zur gleichen Folgerung führen könnten: wenig Endanwender -> sie findens nicht, man sollte es besser findbar machen. viel Endanwender: Große Zielgruppe trotz bisher widriger Umstände, der man das Prozedere einfach gestalten sollte.
Zum anderen die Nutzungsfrequenz und Art der internen Suche. Was wird bei der Ersatzteilsuche eingegeben? Tatsächlich nur die Sachnummern, Handelsbezeichnungen? Was noch, was wie oft? Dasselbe bei der „normalen“ Suche: wie viel Sachnummern, Ersatzteil-Kennummern, Generika werden eingegeben und wie kann man solche Anfragen einfach bearbeiten?

Technisch: Klar gruselt es, wenn man die JSP-Kisten da sieht, aber besagte internationale Site, eine wahrscheinlich alles andere als triviale Anbindung an ein globales Warenwirtschaftssystem (ich ahne SAP), die Integration der DIY, Profitools, whatever-Sparten, wahrscheinlich laufen auch andre Sektionen wie Automotive über die Kisten usw., ich kann mir vorstellen, dass Aufwand/Nutzen eben nicht in Relation stehen.

Und nu?

Wie eingangs bemerkt: man macht selten mal einen Hirnsturm zu einer Seite, mit der man nichts zu tun hat, und über die, *mit* denen man zu tun hat – insbesondere in dieser Liga – redet man in der Regel nur mit sehr begrenzten Personenkreisen. Mich würd einfach mal interessieren, was andere zur zugegeben mal wirklich grob geschossenen Durchsicht sagen, ob/wo ich Größenordnungen, Chancen, Potentiale falsch oder richtig einschätze. Dass man deutlich mehr machen kann, geschenkt – ich bin mir recht sicher, dass da einige fitte Leute auch dransitzen und wahrscheinlich einiges auch genau so schon überlegt haben und es Gründe gibt, dass es aktuell so ist, wies ist.

Nachbemerkung zum Schluss: Grade hier schient mir btw. einer der Fälle, wo vernünftiges SEO wirklich Mehrfach-Wins bringt. Begonnen mit Zeit und Einfachheit beim Kunden über den Aspekt, dass dieser Bereich sicher seinen Teil dazu beiträgt, dass Werkzeug nachhaltiger, besser, länger genutzt wird, weniger auf dem Müll landet bis hin zum Hersteller mit – durchaus zurecht – prima Service-Imagepflege.

This entry was posted in Allgemein and tagged , , , . Bookmark the permalink.

6 Responses to Bosch Ersatzteile, einige Onlinemarketingbetrachtungen

  1. Bernd says:

    cooler Beitrag. Danke für den Hirnsturmniederschriebsel

  2. Pingback:dmexco 2016, Weltbilder in Werbe- und Netzbranche - Tales from the Mac Hell

  3. Pingback:Palettentisch, nachgeschliffen: 600er-Schleifpapier und Olivenöl - Palettenbett und Palettenmöbel : Palettenbett und Palettenmöbel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.