Torstrike, da war doch was….

…jedenfalls weiss ich wen, der weit die Klappe aufhatte, was „die Tor-Community“ für eine Bande Arschlöcher seien, sowas wie #torstrike für den ersten September anzuleiern. Es gab auch die, die einen, ich zitiere mich selber, „Aufruf von ein paar Versagern ohne Nodes“, als einen „Generalstreik des Netzwerks“ ankündigten. Nun, der erste September war ja vor einigen Tagen, und Tor Metrics hat die Messpunkte inzwischen auch.

Scheiße, Bernd, Torstrike!

Scheiße, Bernd, Torstrike!

Was war? Es gab verdammt *mehr Kapazität*.

Ich finde in beiden Fällen das anschließende Klappehalten schlicht und ergreifend scheiße. Im einen Fall, weil es offenbar unerträglich ist anzuerkennen, dass sich unter Digitalaktivisten im Tor-Kontext größtenteils offenbar unerwartet verantwortungsvolle und engagierte Menschen befinden, und ich frage mich schon, was im Hirn von Menschen los ist, die sowas nicht etwa freut, sondern bei denen so eine Erkenntnis offenbar zum zähneknirschenden Klappehalten führt. Im anderen Fall, weil es sehr wohl einen Effekt gab, wenn ich die Kurve hier nicht überinterpretiere: die verfügbare Bandbreite ging hoch, der Traffic hingegen hatte eine Delle. Die ist nicht die Welt, aber sie scheint mir ein Indiz dafür zu sein, dass da merkbar Leute das Tor-Netz nicht verwendet haben. Ich vermute, weil sie Schiss hatten, dass sie eben nicht sicher seien.

Ich lehn mich mal aus dem Fenster und stelle die Hypothese in den Raum, dass hier Leute ein für sie möglicherweise essentielles Anonymisierungstool nicht mehr verwendeten, weil sie sich von Leuten ins Bockshorn jagen ließen, die lieber ein ganzes Aktivistennetzwerk dissen, statt sich grade dann um die Konstruktivität zu bemühen, die sie anderen gerne und konkret auch noch unberechtigterweise absprechen wollen. Die lieber die fette Angstmach-Schlagzeile raushauten, anstatt da mal realistisch Gefahrenpotentiale zu benennen und/oder einzuordnen.

Mir ist die Paradoxie bewusst, dass ich hier grade Leute anpisse, die für sich in Anspruch nehmen, durchaus im Sinne von Bürgerrechten und Emanzipation von Kontrollstrukturen zu argumentieren, weil sie Leute anpissen, die, nun, drin bevor Rekursion. Ich frag mich aber schon, was ist aus der guten alten „Meh, sorry, ich hab Scheisse gelabert?“-Ansage geworden? Das geht wirklich, und es ist nicht etwa ein Zeichen von Schwäche oder Unzulänglichkeit, im Gegenteil ist das eine Qualifikation, die wichtig fürs generelle Weiterkommen und Weiterdenken ist, gefühlt aber einer wachsenden Zahl von Leuten abgeht. Ich halte das für eines der größeren Probleme bzw. gewichtigeren Ursache derselben, als die Thematisierungshäufigkeit es so vermuten läßt.

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