33C3, ein Rückblick von mehreren

33C3. Ein Stern.

33C3. Ein Stern.

Dieses Jahr fiels mir schwerer als sonst, die Jahresdosis Zuversicht und Glaube an die Menschheit zu tanken. Mag sein, dass es dran lag, dass doch sehr stark die allgmein beschissene Situation thematisiert wurde, dass selbst eine großartige Geschichte wie Searchwing (drohnengestützte Seenotrettung im Mittelmeer) bei mir irgendwie mit dem „es ist zum Kotzen, dass wir sowas brauchen“ hängenblieb.

Drohnen zur Seenotrettung im Mittelmeer

Drohnen zur Seenotrettung im Mittelmeer

Karten und Drohnen waren so ein bisschen latenter Schwerpunkt bei mir, das Thema Raum, Erschließung/Aneignung stupst immer ein wenig was in mir an, und nachdem ich mir vorgenommen hatte, ein wenig mehr in die „springt mich jetzt nicht direkt an“-Talks zu gehen – nachdem man in anderen Bereichen einfach „eh drin“ ist. „A new dark age“ von James Bridle war eine Mischung zwischen Kunst, Datenanalyse und Performance und möglicherweise ein „Nochmalangucker“, weil ich das Gefühl hatte, einiges nicht verstanden zu haben. Hintergrund ist die Erfassung immer größerer Datenmengen, die unser Agieren in der Welt bestimmen. Das aber naturgemäß fehlerhaft, egal, wie detailiert wir analysieren, Stichwort Wettervorhersage. Bedingt wird das unter anderem auch durch die spezifisch technische und damit abstrahierte sowie mit ihren eigenen Artefakten behaftete Erhebung dieser Daten.

Drohnenshilouette, Originalgröße

Drohnenshilouette, Originalgröße

Beispiel Artefakte: Satellitenbilder nehmen gelegentlich Verkehrsflugzeuge auf, die dann als langgestreckte Überlagerung mehrerer Bilder des Flugzeugs in mehreren Farben erscheinen, was an der Bildschärfung nach Farbkanälen liegt, die bei Satellitenbildern erfolgt. Bridle malt diese farbversetzten Flugzeugshilouetten originalgroß auf den Boden. Ob sie in Satellitenbildern wieder auftauchen, weiß ich nicht, aber es wäre ein schöner Loop eines technischen Artefakts in die Wirklichkeit und zurück.

Andere Aktionsform: Drohnenshilouetten. Nachdem den meisten Menschen trotz vieler Beriche zum Thema nicht nachvollziehbar sein *kann*, wie man unter Drohnenüberwachung und latenten -schlägen lebt, malt er auch hier originbalgroß die Shilouetten in Städten auf den Boden.

Ähnlich im Übrigen „Berechnete Welt„, wo Karl Urban erfreulich unaufgeregt ähnliche Überlegungen von Wettervorhersage zur „Weltvorhersage“ machte. Ich bin ja gern skeptisch, was „Big Data“-basierte Prognosen angeht, aber er differenzierte da zwischen Short- und Longscale (zB. Technikfolgenabschätzung) und den jeweiligen technischen/prognostizistischen Limitierungen. Beispiele: Korrelationen zwischen langfristigen Wetterwechseln und Epidemien, mit denen erfolgreich ein Choleraausbruch prognostiziert werden konnte, aber auch entlang von Social Media-Analysen vor gesellschaftlichen Unruhen. Interessante Beobachtung dabei: Zunehmendes Scheißebrüllen ist eher weniger relevant, zunehmende Koordinierung/Gruppenbildung hingegen schon. Beunruhigende Beobachtung dabei: die Zensur in China sei bezüglich reiner Ablehnung des Regimes auf einer ziemlichen Laissez-Faire-Schiene: man kann durchaus laut sagen, dass einem das System stinkt, die Löschquoten sind da unauffällig. Alles, was aber mit Multiplikatorenabsicht rausgehauen wird, hat wiederum extrem hohe Löschquoten: er schließt daraus, dass hier durchaus schon systematische Analysen stattgefunden haben. Unmutsäußerungen werden, da folgenlos, stehen gelassen und alles, was tatsächlich Dynamik entfalten könnte, wird gezielt im Keim erstickt. Man kriegt den Eindruck, man könne sich durchaus frei und kritisch äußern, faktisch wird aber nur sehr effizient, quasi minmimalinvasiv und mit maximalem Effekt zensiert.

Guerillabeam

Guerillabeam

Guerillabeam-Beam

Guerillabeam-Beam


Fahrbarer 3D-Drucker

Fahrbarer 3D-Drucker

Ich denke, man sieht das Problem: aus solchen Sachen geh ich raus und hab das Gefühl, gleichermaßen klüger und ratloser geworden zu sein. Draußen sind schöne Dinge – Pixelhelper in klein kann man mit 3d-gedruckter Halterung und einer ordentlichen Taschenlampe machen, und die 3d-Drucker wurden praktischerweise auch schon mobil. Viel Kunst und Schönheit gabs, aber trotz ein paar Tage Sackenlassen ists grade etwas anders als die vergangenen Male. To be continued.

This entry was posted in Allgemein and tagged , , . Bookmark the permalink.

2 Responses to 33C3, ein Rückblick von mehreren

  1. Pingback:33c3, Rückblick: wo bleibt das Positive? - Tales from the Mac Hell

  2. Pingback:33c3 – a new dawn – thetawelle

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.