Facebook Ad Targeting und Nazis bei der Bundeswehr, Howto

Kann jeder machen, kostet nichts

Kann jeder machen, kostet nichts

Heute morgen wars eher so ein spontaner „Reden wir ernsthaft über „überraschende“ Naziumtriebe bei der Bundeswehr?“-Reflex und folgendem Ad-Targeting bei Facebook anwerfen, weil das ein durchaus feines Tool ist, um mal Pi mal Daumen Interessenslagen verschiedener Bevölkerungsgruppen abzuschätzen. Die Minute Klicken, Screenshotten, posten zog ein paar Gespräche nach sich und ich stellte fest, auch wenn ich gelegentlich über das vollkommen easy und kostenlos für jeden FB-User nachvollziehbare Profiling via Facebook rede, ists doch vielen nicht klar, dass das eben vollkommen easy und kostenlos für jeden Facebook-User… und so weiter. Trockenes Howto zuerst, ich versprech, weiter unten wirds lustiger.

Wie nebenan gezeigt, klickt man da einfach aufs „Werbeanzeige erstellen“ im entsprechenden Menu. Man landet auf einer Seite, auf der man die Zielsetzung spezifiziert (egal, was man wählt, nur halt was wählen)…

Werbeziel festlegen. Kostet auch nichts.

Werbeziel festlegen. Kostet auch nichts.

…und dann muss man an sich nur noch weiterklicken, der Rest ist Standard/egal (und kostet nichts).

Erstellung des Werbekontos. Auch für umme.

Erstellung des Werbekontos. Auch für umme.

So, und jetzt wirds spannend. Nun kann man nämlich Zielgruppen auswählen/kombinieren/überschneiden, wie es einem beliebt. Da kann man viel rumspielen, wenn man mag, aber fürs kurz die DE-Zielgruppen checken reicht, die Standardangaben oben (Deutschland, m/w, 18-irgendwas) zu lassen und direkt runterzuscrollen. Da hat man nun die Option, unter anderem nach angegebenem Arbeitgeber zu filtern.

Targeting: nach im Profil angegebenem Arbeitgeber

Targeting: nach im Profil angegebenem Arbeitgeber

…und hier kann man natürlich nach der „Bundeswehr“ targeten wie auch nach der Deutschen Bank oder der Ergo-Versicherung, und ich targete halt nach Bundeswehr.

Caveat: es kann jeder Depp natürlich den Arbeitgeber „Bundeswehr“ in sein Profil reinschreiben. Wie auch die „Baumschule“ und die „Schule des Lebens“ in die Ausbildung. Insofern ist das alles mit höherer Vorsicht zu genießen, allein, die Frage ist ja auch, was sind es für Leute, die sich auch nur für die Bundeswehr „interessieren“, und ich denke, zu einer nicht unerheblichen Teilgruppe muss man sich da keinen größeren Illusionen hingeben.

Nächster Schritt: wir schauen nach weiteren Filterkriterien, die uns neben dem Arbeitgeber „Bundeswehr“ interessieren.

Nun targeten wir mal Interessen.

Nun targeten wir mal Interessen.

Rot umrahmt: das schon übernommene „Bundeswehr“ bei Arbeitgeber. Vorsicht bei den Vorschlägen, rechts steht immer, welches Profilfeld/Merkmal gemeint ist – Bundeswehr kann auch ein „Interesse“ sein, offenbar schreiben auch ein paar arme Fußsoldaten den Offizier als „Arbeitgeber“ in ihr Profil usw. Es ist generell sinnvoll, hier nach der Stringenz der Zuordnung zu gucken. Grün markiert der „Reservistenverband“ als wahrscheinlich recht sinnvolle „Interessen“-Kategorie. Man kann nun beispielsweise gucken, wer bei der Bundeswehr arbeitet und sich für die Luftwaffe interessiert usw., aber an sich wollen wir ja was anderes.

Bundeswehrinteressen, Screenie von heute morgen

Bundeswehrinteressen, Screenie von heute morgen

Das war jetzt der auf die Schnelle gemachte Screenie von heute morgen. Über 8000 Leute beim Bund, die sich wahlweise für die NPD, Thor Steinar, die Waffen-SS oder die Wehrmacht interessieren. Ich bin ein zynisches Arschloch, aber mir kam das besser als erwartet vor.

Witzig wirds dann, wenn man mit einem Interessensvorschlag beginnt und dann schaut, was Facebook einem als weitere, ihren bisherigen Werbeschaltungserfahrungen nach wohl gut passende weitere Interessen vorschlägt. Wer sich für die Wehrmacht interessiert, interessiert sich den Facebook-Vermutungen nach eben auch für Himmler, Göring und Frauke Petry. Und sobald man als Interesse „Pegida“ für die Zielgruppe vorgibt, empfiehlt facebook auch, nun, hihi.

Facebook-Targeting at its best.

Facebook-Targeting at its best.

Nachdem ich meinen eigenen Entzug bei den NA gemacht habe, ists natürlich etwas billig, über die Facebook-Assoziation von Pegida und den Anonymen Alkoholikern zu lachen, aber himmel, wie geil, wenn man Pegida ins Targeting nimmt, werden einem Ulfkotte-Fans und die Anonymen Alkoholiker als Zielgruppen vorgeschlagen, es gibt wenig Gründe, facebook zu lieben, aber das ist einer davon.

Aber nochmal ernsthaft: das ist alles mit Vorsicht zu genießen. Das Zusammenfallen von Interessen kann unterschiedlichste Gründe haben, und es werden sich auch überzeugte Linke durchaus mit guten Gründen für Adolf Hitler interessieren. Eine Vermutung meinerseits, die wahrscheinlich irgendwie von Bens „Ultra-Targeting“ herstammt: die „weniger bekannten“ Detailvorlieben sind oft aussagekräftiger und trennschärfer. Von über 5 Millionen Accounts mit Interesse an der SPD haben 8.000 auch ein Interesse an Thor Steinar. Bei eben 480.000 an der AfD interessierten Accounts sinds erstaunlicherweise 18.000. 10% der Accounts, über doppelt so viele absolute Interessenten, nun, ich vermute, da wird das Targeting nicht ganz verkehrt messen.

Unbesehen davon: ich gehe davon aus, dass sich Facebook ziemlich viel Mühe gibt, das Werbungschalten so clever wie möglich zu machen, und sie werden sich nicht ohne Datenhintergrund die Empfehlungen zur Zielgruppenerweiterung aus den Fingern saugen, sondern wahrscheinlich recht konkrete Daten und Korrelationen dazu haben, inwieweit Gruppe/Interesse A eben auch mit Interesse B gut erreicht werden kann. Facebook will Werbeplätze verkaufen, denn damit verdienen sie ihr Geld, und das machen sie extrem datengetrieben. Auch wenn ich an manchen Ergebnissen und auch so mancher Targeting-Umsetzung meine wohlbegründeten Zweifel habe.

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