35c3, Tag 2, Gespräche und die Datenschützer

We can haz Campfire.

We can haz Campfire.

Ein wenig mehr Gespräche und weniger Talks als gestern, wobei mir einer von der Chaos West-Bühne etwas nachgeht: „Track me, if you… Oh.“ Wie die bösen Konzerne einem immer hinterherschnüffeln, via Wlan-AP, Bluetooth, Beacons, Locationdiensten und was nicht noch alles. Die Lösung einmal mehr, alles abschalten, wenn mans nicht braucht – Wlan, Bluetooth usw. und den MAC-Spoofer raushauen, gibts bei F-Droid. Und Paybackkarten sind scheisse, da stimme ich sogar bei. Aber diese vollkommene Paranoia a la „Wenn ihr euch in einem Shop ins WLAN einklinkt oder mit aktivem BT reingeht, tracken die weißgottwas“ und „wenn ihr wo wart, einfach mal DSGVO-Anfrage stellen“ – nun, das fand ich den erhellenden Teil, denn dem folgte das „Und was wissen die dann?“ Wahrscheinlich eben gar nichts. Man müsse zumindest die Mac-Adresse mitgeben, damit sie überhaupt finden könnten, was man habe usw., und ich glaube, ich würde da einfach ein „logg ich nicht, hab ich nichts“ antworten und „Arschlöcher“ denken. Im Ernst, es hieß, dass das wahrscheinlich schon längst flächendeckend eingesetzt wird, um zu messen, vor welchen Regalen welche Leute am längsten stehen. Begründet wurde die tapfere Ansage folgendermaßen: die *Anbieter* solcher Trackingtools würden damit werben, dass ihre Lösung das könne, es toll sei und viele damit arbeiten.

Persönlich würde ich allen Leuten mit einer solchen Medienkompetenz in Bezug auf Werbeaussagen dazu raten, sich zu allem in Zukunft still zu verhalten, was auch nur entfernt mit Medien zu tun hat. Aber nun. Schickt ruhig mal eure persönlichen Daten, Macadressen und weitere Identifikationsmerkmale an die diversen Filialisten und fragt sie, was sie für Daten sie von euch haben. Ich tippe auf ein „Jetzt die, die ihr uns geschickt habt“.

Radarfalle. Sie tut.

Radarfalle. Sie tut.

Etwas analog zu dem, was mich bei padeluun schon seit längerem ankotzt, und nichts, was ich *grundsätzlich* scheisse fände – ich denke schon, dass da ein kräftiges, KRÄFTIGES! Korrektiv notwendig ist diesbezüglich, was an Tracking- und Profilingpotential grade entsteht, aber es schiene mir sinnvoll, da zumindest ansatzweise Relationen und Gefährdungslagen im Blick zu haben. Wie immer mein „Redet miteinander“-Appell an Werbebranche und Hacker/Datenschützerszene (und ich versteh mich durchaus als Schnittmenge), und es käme eine bessere und konkreter handlungsleitende Kritik raus, wenn man sich der Unterschiede zwischen einem „Ich zähl Macadressen vor dem Kassenbereich und mach ab X ne neue auf“ und einem Microtargeting auf Facebook klar ist. Wenn man sich überlegt, ob man Echtzeitstauwarnungen durch Handydaten will oder nicht, und was für einen solchen Dienst gesammelt/übertragen werden müsste.

Heute ist mehr Lametta.

Heute ist mehr Lametta.

Spannende Gespräche: Alvar lief mir endlich mal wieder über den Weg, referiert morgen und wir müssen mal über den Tagmanager reden. Und ich fürchte, was in Sachen ePrivacy geplant wird, wird uns noch einige Bauchschmerzen machen und wahrscheinlich an den Grundproblemen schlicht nichts ändern. Und ich könnte mir vorstellen, dass wir da noch einiges an Unschärfe nachdefinieren müssen, was offenkundig Datenschutzverstoß ist, was einer sein *könnte* und von außen schlicht nicht feststeht, obs einer ist oder nicht (und eine entsprechende Auskunft prinzipiell beliebig sein könnte), und was eben keiner ist. Interessante Zeiten, ich fürchte, 2019 wird da eher noch schwieriger im Sinne von ärgerlicher für alle Beteiligten, weil da seh ich wenig realistische Szenarien, mit denen alle Beteiligten auch nur bauchschmerzend einverstanden sein könnten und die dazu auch nur ansatzweise sinnvoll und lebensnah sind.

Oh exploitable.

Oh exploitable.

Ein Switch.

Ein Switch.

Beobachtungen: Seidenstraße war wohl nichts dieses Jahr oder auf sehr schmalem Level. Einen durchaus anzüglichen Switch fand ich, aber das wars. Zugegeben, ich hatte das letzte jahr den Eindruck, dass sich Aufwand und Paketverkehr nicht wirklich im Verhältnis befanden, aber ein wenig schade find ichs. Weiter ist das neue Gameshowformat Chaos-Familienduell wirklich amüsant und spannend gewesen.

Von Martin geschweißt.

Von Martin geschweißt.

Guter Mann macht zeitnah Mojave-Updates.

Guter Mann macht zeitnah Mojave-Updates.

Zum Schluss: Sonneborn. Schön, auch wenn man als Leser der Berichte aus Brüssel natürlich vieles kennt. Und Mojave mit MS Powerpoint, hihi. Aber es ist einfach eine der Geschichten, die einen besser gelaunt rausgehen lassen und bei allem „Kongress macht wieder ein wenig zuversichtlicher bis zum Camp“, ich kann mir nicht helfen, ich werd dieses Jahr wieder mit mehr Fragezeichen und dunklen Vorahnungen hier weggehen und meine, dass das ein Trend ist.

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3 Responses to 35c3, Tag 2, Gespräche und die Datenschützer

  1. c3p says:

    Zumindest im Bereich Lebensmitteldiscount wird bisher
    nichts mit Positionstracking gemacht afaik.
    Man muss es ja auch von hinten denken, wofür will man im Laden Bewegung tracken?
    Das supply chain management muss flexibel genug sein, um auf solche Einflüsse zu reagieren. Wenn es nur darum geht zu prüfen, ob die Kunden alles im Laden wahrnehmen kann man auch jemanden reinstellen/Filialleiter fragen bzw. Abverkaufszahlen zu Produktposition
    im Laden matchenn.
    In Store Tracking ist wie Blockchain löst manche Probleme, aber für die meisten komplett unnötig.
    Danke für deine Berichte, hilft als nicht Besucher beim filtern auf streamable Vorträge! Ü

    • Korrupt says:

      Oha :) Ich weiss nicht, wie weit ich da eine sinnvolle Filterinstanz bin, weil ich ja wirklich nur einen bruchteil der Sachen sehe. Aber schön, wenns hilft und gefällt :)

  2. Pingback:Browserfingerprinting und Märchenstunden von digitalcourage - Tales from the Mac Hell

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