36c3, Nachträge

Poststilleben mit Einhorn

Poststilleben mit Einhorn

Wieder gut angekommen, und wieder der obligatorische Stimmungsrückblick. Es gab Kontrast: Missi war zum ersten Mal seit Berlin wieder auf einem Congress und klar ist da ein wenig mehr Bruch in der Wahrnehmung als bei mir, der ich halt immer nach und nach auf jedem Congress zur Kenntnis nahm, dass alles halt wieder ein bisschen größer und ein bisschen anders, beiliebe nicht schlechter wurde. Einiges seh ich durchaus auch gewertet, manches neutral und/oder ambivalent, und ich mags mal runterschreiben.

Wachstum

Ich bleibe dabei: dass das alles größer wird, stört nicht, im Gegenteil.

Flipdot, multichromatisch, Detail

Flipdot, multichromatisch, Detail

Flipdot. Wurde größer.

Flipdot. Wurde größer.

Je mehr Leute sich a) mit den hier besprochenen Themen auf die hier praktizierte Weise beschäftigen, desto besser. Je mehr sie das weiterverbreiten, mitnehmen, anwenden können, dito. Diese Teilhabe von vielen fitten Leuten, die zum einen auch am Tag drei nicht zwischenrein aus Sauerstoffmangel tot umfallen und zum anderen ohne Quetschungsverletzungen vom Saal ins Hackcenter kommen, ist prima. Vom überhaupt reinkommen ganz zu schweigen. Einfachste Positionierung, eigentlich.

Aussicht von der Homebase

Aussicht von der Homebase

Winkekatzen. Wichtig.

Winkekatzen. Wichtig.

Wellnessifizierung

Hihi, ich dachte es mir bei der einen oder anderen Talkankündigung der Kinky Geeks, es irritierte mich erheblich bei irgend einem Tantraaushang und dann liefs es mir noch bei Plomlompom über den Weg:

Späti. Alles, was mensch braucht.

Späti. Alles, was mensch braucht.

„…Die self-organized-Sessions indes bezeugen Hippiesierung: Kakao-Zeremonien, Kontakt-Impro, Tantra, Mushrooms, und ganz viel Yoga und Massage, ja bin ich hier auf einem Burn oder was :D“ Er macht seinen Punkt. Ich bekenne mich diesbezüglich mitschuldig, vor Jahren auf einem Camp bei LQDN ein Massageangebot gesehen zu haben und spontan mit einem „Könnt ihr da nicht mal einen Workshop draus machen?“ hingegangen zu sein. Hintergrund weniger das beliebte Nerdklischee vom ForeverAlone-Guy im Keller mit Pizza und tagelslichtabwehrenden Maßnahmen. Nur seh ich an mir wie auch an anderen, dass typische Verhaltensweisen die klassische „Körperachtsamkeit“ eben zu ner guten Idee machen. Man sitzt viel am Rechner, an Elektronik, man verkrampft, man ist im Tunnel, man macht was X Stunden und merkt hinterher, hm, die Rückenmuskulatur dankt grade. Das andere ist der gefühlt höhere Anteil neurodivergenter Menschen. Aspi/Auti ist schon lang Thema, das depressive Spektrum auch, und natürlich hängt hier das, was wir sind, und das, was wir tun, gelegentlich zusammen. Das nur mal kurz umrissen, warum ich das damals wie heute für eine Gute Sache halte, dass wir uns mehr um uns und uns selbst kümmern, und wenn man dafür mal morgens Yoga macht: wenns wem guttut, den Congressbesuch oder gar das anschließende Weiterleben besser macht: wer bin ich, darüber den Hippietopf auszukippen, no offense meant, mspr0. Aber zugegeben, Anal stretching for Beginners ließ ich mir damals auch nicht träumen.

Seriöslichkeit

Gehört eigentlich zum Wachstum, aber sind etwas andere Baustellen IMO. Ich beschwere mich schon seit einiger Zeit über die gebremste Warez-Situation, gebe aber gerne zu, dass das auch so ein wenig persönliches Steckenpferd ist.

...aber er ist halt auch ein Vollhonk, der Axel.

…aber er ist halt auch ein Vollhonk, der Axel.

Dass auf der Datingseite im Wiki ernsthaft Inhalte gelöscht werden… nun ja. Überhaupt die Datingseite, ich weiß nicht, das les ich halt auch im Coolibri, aber nun, das ist auch teils Humorentwicklung oder Wiki-Jahresform. Etwas trauriger fiel grade meine Spontanrecherche in Sachen „Hacked“ aus: Alte Wikis sind gern weg oder aufgeräumt, aber: · 2015: gelöscht (to protect the guilty, i guess) · 2016: einige Ziele · 2017: die AfD · 2018, 2019: nada Ich sehe da einen klaren Trend und er behagt mir nicht. Auch hier scheint die Größe eine Rolle zu spielen: im Gespräch kam ein Erklärungsansatz dahingehend, dass es halt was anderes waer im Hackcenter mit dreihundert Leuten: da jubelte es halt in der einen Ecke und die andere Ecke jubelte dann recht schnell mit, wenn grade wer auseinandergenommen wurde; war das alles ein wenig kollektiver, direkter, unmittelbarer. Heute ist das halt zu groß für sowas und fehlt dieser „gemeinschaftliche“ Aspekt, wenns hinterher eben kein jubelndes Hackcenter gibt, sondern nur ne Zeile im Wiki.

36C3-Regeln für Reptiloide

36C3-Regeln für Reptiloide

6-2-1 ist an sich eine Gute Sache(tm), aber auch hier: die Hackcenter bei Nacht haben sich drastisch verändert. Früher(tm) wie heute schreib ich da irgendwann gegen vier des nachts ein wenig Rückblick, aber früher saß ich da nicht alleine an der Kiste. Heute ist halt wahlweise Party oder Hotel, und die Party gönne ich allen von Herzen, weil die fehlte gelegentlich schon ein wenig, aber wie gesagt, da bin ich ein wenig ambivalent und es fehlt mir auch das unverantwortliche „Es ist vollkommen normal, Congressnächte durchzumachen, drink moar Mate.“ Wenn mir hingegen Enno erzählt, er kann sich noch an den Congress erinnern, an dem das Grillen im Hackcenter verboten wurde (der Anlass seien Shrimps gewesen), sehe ich den zivilisatorischen Fortschritt durchaus positiv. Es war nicht alles besser, wirklich nicht.

Wie immer: Mutmachend

Die Nerds kümmern sich um die richtigen Themen und machen Gute Dinge(tm). Ich begrüße das ausdrücklich und gedenke, mein Scherflein beizutragen.

Lichtinstallation.

Lichtinstallation.

Sound-Mikro-installation.

Sound-Mikro-installation.

 

Der übliche Effekt – vier Tage normale Menschen, die korrekten Scheiß machen – fiel dieses Jahr nochmal deutlich stärker als sonst aus, weil nebenher die digitale Öffentlichkeit außerhalb mal wieder in größerem Stil freidrehte, die „bürgerliche Mitte“ mal wieder die Nazis bekuschelte und die Gesamtsituation so nüchtern und bei Licht betrachtet halt zum Kotzen ist, aber hey, im Hackcenter ists angenehm dunkel, es gibt Tschunk als Pausenbrot. Mate, in meinem Fall, aber das ist alles gut und richtig so. Danke an 17k feine Menschen. Kommt gut rüber und tretet die richtigen Hintern.

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4 Responses to 36c3, Nachträge

  1. sagt:

    Ich und meine lokale Cloud müssen halt nicht mehr ins hackcenter. LAN gibt es am assembly und natürlich haben wir da Dollar Dinge getan. Aber tatsächlich: auch da gehen alle früher ins Bett

    1. Korrupt sagt:

      Oh, bring ich da Terminologie durcheinander? Die Assemblies *sind* doch im Hackcenter, und an einen Congress ohne LAN an der Assembly kann ich mich jetzt nicht erinnern, das muss demnach zweistellig her sein.
      (und ack, selber wird man alt, wenn auch das Publikum an sich vielleicht weniger…)

      1. no sagt:

        Ich brachte Dinge durcheinander. Es gibt Hackcenter und Hackcenter im Himmel.

        Früher (Berlin) waren wir halt im Keller und haben da rumgehackt. Nun haben wir ne eigene Assembly und tun da.

        Ich fände mehr Einträge auf /hacked auch gut (vielleicht als Erweiterung des CTFs, das recht beliebt zu sein scheint). Nächstes Mal werde ich dort wieder protokollieren ;)

        1. Korrupt sagt:

          Ich bitte drum und freu mich drauf :) Danke!

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