Matt Ruff, Bad Monkeys

Ich bin ja ein Ruff-Fan wie auch der grundlegenden Überzeugung, dass „Fool on the Hill“ sein bestes Buch war. Sowohl „GAS“ als auch „Ich und die Anderen“ sind aber auch allerliebst. Und was ich an Ruff so mag – der „da tobt sich ein Autor so richtig aus, ist ja auch Buch“ – Effekt, den mag ich bei ihm. Wenn da Sexpuppen-Gummimaiden schwarze Ritter axtmorden oder nackte Ökoterror-Eskimos US-Marinesoldaten mit Forellen umhauen, dann ist das doch prima.

Nun also „Bad Monkeys“, und ja, es fängt recht rasant an und geht auch so weiter. Auch die Idee hat was – eine idealistische Pseudoterrororganisation, die das Gute in der Welt fördert und im Fall irreparabler Schlechtigkeit eben auch mal exekutieren muss, um Schlimmeres zu verhindern. Alles natürlich derbst undercover und mit viel idealistischem Anspruch.

Das Buch besteht in der Erzählung einer Aussteigerin, die ihre Geschichte dem Knastpsychiater erzählt, der das ganze natürlich nur bedingt glaubt. Es kommen ja auch so allerliebste Gadgets drin vor wie „NT-Pistolen“, mit denen man Menschen via „Natürlichem Tod“ exekutieren kann. Myokardinfarkt, Schlaganfall, zum Betäuben verschießt das Teil auch Narkolepsie, sagen wir mal so: es hört sich nützlich und praktisch an.

Seine Heldin ist sympathisch vielschichtig, überhaupt ist Ruff einer der ganz wenigen Autoren, der auf eine vollkommen natürliche Weise geschlechtsneutral schreiben kann. Ich kann das nicht, denn sonst wäre mir eine geilere und vor allem dezentere Formulierung für „auf eine vollkommen natürliche Weise geschlechtsneutral schreiben“ eingefallen. Bei Ruff herrscht Gleichberechtigung, und man merkt es erst, wenn man jemanden anderes liest. Überhaupt mochte ich an allen seinen Büchern, dass er irgendwie angenehm nebenbei seine Messages kickt, obs da nun um die erfreuliche Verschiedenheit und Vielfalt der Menschen geht in allen möglichen Beziehungen und Orientierungen über das allgemeine Onprangering der alltäglichen Blödheit bis hin zu dann doch recht anarchischen Standpunkten, die irgendwie immer mal wieder durchscheinen.

Soviel zur allgemeinen Loberei. Bad Monkeys gefiel mir, aber nicht so gut wie die bisherigen Ruffs, was schade ist. Vielleicht auch, weil ich die anderen gelesen habe, wenn nicht, wär ich nach Bad Monkeys vermutlich los und hätt mir alles andere von ihm auch besorgt. Nun steht das aber alles schon bei mir im Regal, und das ist natürlich harte Konkurrenz.

Bad Monkeys ist zuerst mal kürzer als alle seinen anderen bisherigen Bücher. bei vielen Autoren mag das prima sein, weniger Ruff ist aber irgendwie schade, weil der Bub auf der langen Distanz einfach fein ist. Nun könnte Bad Monkeys schlicht eben rasanter sein als seine anderen Bücher, und das ists auch, aber dennoch kennt man eben doch schon einiges. Die „guten Terroristen“ kennt man von GAS, die unbekannten und unsichtbaren Geheimorganisationen mit ihren im Verborgenen geführten Schlachten aus Fool on the Hill, die psychisch dann doch gelegentlich mehr als kompliziert angelegten Protagonisten aus Ich und die Anderen – es ist alles kein Abklatsch, kein Aufguss, aber irgendwie doch eben schon mal in der Art oder ein wenig ähnlich gelesen.

Mit „Ich und die Anderen“ hatte Ruff die Themen doch irgendwie schwer gewechselt, und da hats hingehauen. Bei Bad Monkeys irgendwie nicht ganz. Nach „Ich und die Anderen“ dachte ich nicht, da hätte er vielleicht doch auch stattdessen GAS, Teil zwei und wie es mit Gant Industries und Freunden weiterging schreiben können, nach Bad Monkeys fällt mir sowas ein. Dick aufgetragen war Ruff schon immer, immer, wenn man denkt, nein, noch ein Wort, und ich glaub ihm keins mehr, schafft er exakt das, aber bei Bad Monkeys wars am Schluss ein wenig viel. Drunter wärs wohl aber auch nicht gegangen.

Und weil die Leute alle völlig verschieden sind, werden das viele auch ganz anders sehen, und das sollen sie auch, weil lesen sollt man das Buch. Ist fein, wirklich. Und geht in einem Tag weg, wenn mans drauf anlegt. Das sollte man ebenso, denn es ist nervig, wenn man nachts um sonstwann merkt, man *muss* jetzt die Sunde Schlaf mehr noch opfern, weil mans dann durchhat und anders eh ne Stunde wachliegen würde und sich ärgern, dass mans nicht fertiggelesen hat. Einpacken, lesen. Nun, ok, vielleicht aufs Taschenbuch warten.

P.S. Ich wollt ja die Angeberin pingen mit dem mit den anderen baden gehen, aber irgendwie find ich die Geschichte nicht. Hey, st., die interne Suche mit Ruff, Badewanne, anderen, Schreck und so weiter, das war ich.

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2 Responses to Matt Ruff, Bad Monkeys

  1. st. says:

    matt ruff mag ich ja auch sehr, wie du weisst. und nach „ich und die anderen“ hatte ich genau die befürchtung, die du hier andeutest: nie mehr ein buch von ihm lesen, ich kann ja eigentlich nur enttäuscht sein. trotzdem verlockt das jetzt ein bisschen.

    und richie, du hast auf dem falschen blog gesucht. ;)

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