Erfahrungen beim Buch schreiben…

…sammle ich grade, und seit ein paar Tagen hab ich da ein gewisses Mitteilungsbedürfnis. Dem geb ich jetzt einfach mal nach.

  • LaTeX ist irgendwie schon geil, aber irgendwo auch ein Schmerz im Arsch. Zum Glück macht den Satz jemand anders mit was anderem und ich brauch bloss so ungefähr das „So in die Richtung solls aussehen“ hinbekommen. Was ich wirklich als schmerzhaft empfinde, ist das Zeug mit dem Designelemente und Textboxen über Seitenumbrüche hinweg. ich brauch keine Tipps, wie gesagt, gemacht wirds eh in Indesign, aber ein „…naja, dafür ist LaTeX ja auch ursprünglich nicht so gedacht gewesen, brauchst dich nicht schämen“ würd mich aber durchaus ein wenig glücklich machen.
  • ich kann mich nur an Tom Robbins‘ „Halbschlaf im Froschpyjama“ erinnern, wenn es um das Thema „Bücher in ungewöhnlichen Fällen“ geht. Das ist in der zweiten Person Singular geschrieben, „Du machst dies, du denkst jenes, dann passiert dir folgendes. X sagt ‚bla‘ zu dir…“ und so weiter. Insofern, wieviele und welche Bücher sind eigentlich in der ersten Person Plural (nicht majestatis) geschrieben? Spontan fällt mir nur „Letzte Fahrt“ von Scott ein, und nun, das ist schon etwas deprimierende Gesellschaft.
  • Ist es eigentlich schon leicht durchgeknallt anzunehmen, ein fünf Seiten langes Gespräch über Ontologie zwischen mir und einer Eggdroppin namens LIBBY könnte die Welt interessieren?
  • Wenn man an ein Buch über 10 Jahre gulli denkt, assoziiert man da eher was in Richtung durchgehende Geschichte, Anekdotensammlung, Kulturgeschichte des Internet am speziellen Beispiel, eine Mischung aus alledem oder aber ein „ganz was anderes, Korrupt, und zwar…“?
  • Wer sollte das verstehen können, und warum und zu welchem Preis? Würd das jemand seiner Mutter schenken wollen, wenn die wissen will, was man im Netz denn nun eigentlich so macht, und müsste man der erklären, was ein FTP ist und warum ein #chan im IRC ist? Wenn ja, wo? Fußnoten, Glossar, ausführliche Erklärung im Text?
  • Kapiert ein unbewaffneter Leser rein durch den typischen Textlook plus Nicks usw., was der „normale Buchtext“, was ein Boardpost und was ein Chat usw. ist, wenn sowas mitten im Text auftaucht?
  • Und natürlich, wie gulli himself ja schon fragte: was muss unbedingt rein? (FYI: wie es zum Namen „gulli“ kam, ist schon dabei, und es ist schrecklicher, als ich es mir vorstellte.)

Ansonsten muss ich eben mal loswerden: Langdistanz schreiben hatte ich seit meiner Magisterarbeit nicht, und Magisterarbeiten sind ja bekanntlich ein Schmerz im Arsch. Dafür muss ich grade zugeben, einen Heidenspass zu haben. ich glaub, wenns fertig ist, werd ich fast ein wenig betrübt sein.

Kategorie: das richtige leben im falschen, ich gegen die wirklichkeit, mac hell 1: job, mac hell 2: net, work in progress. permalink.

15 Responses to Erfahrungen beim Buch schreiben…

  1. SNAFU says:

    Was auf jeden Fall rein muss ist Loddars Geschichte der MSS Gulli. Und man sollte ihn (bestenfalls unter Androhung von Gewalt) zwingen, eine Fortsetzung zu schreiben.

    Zu Punkt 4: Eine Geschichte durchsetzt von Anekdoten und Fakten (mir fällt grade ein, dass ich gerne eine Statistikseite hätte. So Dinge wie „welcher Mod hat die meisten Threads geschlossen“ oder „in welchem Jahr gabs im Feedback wie viele Beschwerden über das gesunkene Niveau“).

  2. bjoern says:

    Tja, da ist Latex ja auch nicht für gemacht, aber da du es schon weißt, brauche ich es dir nicht mehr sagen. Der Schmerz im Arsch sind auch immer eher die Vorstellungen der Leute. Wenn man so Sachen hört wie: ‚Kannst du mir mal die Dissertation von Kollege XY (Augenarzt) setzen, aber bitte mit M$-Word, sind auch nur 250 Seiten mit 100 Tabellen und etwa 150 Grafiken. Aber unbedingt M$-Word, denn Prof. XYZ (Augenarzt und Doktorvater) will selbst in der Arbeit werkeln können‘, kann man nur noch DAS KOTZEN BEKOMMEN. Im übrigen sind die Zahlen der Tabellen und Grafiken NICHT übertrieben. Zu meinem Glück war das (Zwischen-) Ergebnis dann so elendig, dass ich die Arbeit dann doch unter Latex setzen durfte. Das endgültige Ergebnis war dann zwar nicht schon, aber es funktionierte… Geradezu schön war dagegen der Satz einer Habilitation einer Physikerin. Ebenso viele Seiten Text, ein Großteil jedoch in ‚$$‘ eingefasst. :-D So macht texen spaß!

  3. madchiq says:

    Mach ein „Tutorial“ zum Buch, speziell fuer die Unbewaffneten. Duerftest damit zwar auch wenig Gesellschaft in der Lyrik haben, aber es macht mit dem ueber digitalisierten Kontext durchaus seinen Sinn.

    Und was das mit dem Schmerz im Arsch betrifft: wart auf die Zeit Richtung Endkorrektur, der Schmerz kommt in der Regel erst spaet, so quasi wenn das Buch schon gestern gedruckt worden sollte und Du noch nichtmal mit der ersten Korrektur angefangen hast.^^

  4. Korrupt says:

    Hm, ne Einsteiger-FAQ vorneweg und ein Glossar hintenran. klingt an sich wie eine gute Idee, das stimmt. Hihi, passenderweise lese ich grade seit ewigen zeiten mal wieder „Lokaltermin“ von Lem, und das hat ja auch ein allerliebstes Lexikon der Syntur im Anhang. Stimmt, sowas sollte man machen.

    bjoern, kenn ich auch alles, zugegebenermassen nicht in dieser Drastik – einer der Vorteile der Geistes- und Sozialwissenschaften, dass die Abschlussarbeiten dann doch in der Regel recht textlastig sind. ich muss Word zugutehalten, dass solang die Abbildungen sparsam bleiben, die Geschichte irgendwann ab den Versionen fuer Win2k einigermassen funktionierte. Aber ich kann mich auch noch an das eine oder andere Buchlayout erinnern, an dem ich nicht wirklich Freude hatte, ganz schoen ist dann, wenn sich die Autoren so halbe halbe auf Word und Word Perfect verteilten…

    SNAFU: die IS Gulli ist ja nach wie vor online – bei den Sachen dachte ich eigentlich, reicht der Link. Aber die einfach noch innen Anhang packen… hmmm… Das mit den Statistiken in Bezug auf Boardgeschichten koennte schwierig werden, aber das mit dem Niveau ist bereits jetzt ein schoenes Thema :)

    Vielleicht sowas wie die Zahlen der Woche in Brand Eins. „Zahl der Seitenabrufe von gulli.notrix.de im April 99“ oder „Antworten im internen Diskussionsthread zur Sperrung des Users sowieso“, doch, ich glaube, da fallen mir ein paar Sachen ein :)

  5. Greg says:

    Eine Erklärung im Text wäre mehr als nervig – die meisten Leser werden wissen, was FTP ist, die würde das eher nerven. Ein Glossar wäre da schon sinnvoller, imho.

    Ein Buch über 10 Jahre gulli finde ich übrigens super. Da sollten allerdings auch ein paar Fakten/Geschichten drinstehen, die man als Gulli-User nicht eh schon kennt.

  6. bjoern says:

    Persönlich studier ich Soziologie. Das Rumschlagen mit Augenarzt- und Physiker-Arbeiten war nur Zubrot zum Studium. Nen weiterer Schmerz im Arsch ist, wenn die Honks an der Uni die abgegebenen Arbeiten nochmals in elektronischer Form haben willen. Natürlich als .doc-File. Zu Plagiatsprüfung…

  7. Korrupt says:

    Hihi, die Idee mit dem Glossar ist fein, ich hab grade einen Heidenspass. Allein schon die Liste…. Mal als Muster Buchstaben R und S:

    Reallife
    Rechtschreibung
    Redirektor
    redlich
    Sack, fauler
    Sammelthread
    Schließspruch
    Server
    Signatur
    Spammer
    Sperre
    Spoiler
    Stalin
    Sticky
    Strafschnuller
    Subforum
    Suchfunktion

    …ich glaub, der Sonntag ist gerettet.

  8. glidesurfer says:

    Gibt’s eigentlich schon einen vorlaeufigen Termin, wann das Drama geschluckt werden darf?

    Oder arbeitet der Herr ganz frei nach dem Motto:

    „Komm ich heut nicht, komm ich morgen…“

  9. Korrupt says:

    Nun ja, eine schoenere Steilvorlage fuer ein bald(tm) gibts ja kaum, aber ich wollte eigentlich diesem Monat mit dem Schreiben fertig werden, damit wir den Juli fuer Satz und Layout haben. Von daher, ich denke mit „diesen Sommer“ bin ich auf der sicheren Seite. Hinzu kommt ja auch, dass wir zuegig fertig werden wollen, ich hab ja auch noch andere Sachen zu tun und das Teil mutiert grade schon etwas zum Fulltimejob.

  10. Greg says:

    Ein schönes Ende wäre übrigens ne Vorstellung der jetzigen Gulli-Betreiber ;)

  11. Korrupt says:

    Das geht leider nicht. Am Ende steht das Glossar, und das endet mit den Begriffen Willkür (administrative), x12x13, Zensur, züchtig und Zweitnick.

  12. hoschie says:

    Blasphemie! LaTeX ist nie und nimmer ein Schmerz im Rektalbereich! Das sind lediglich die postoperativen Phantomschmerzen, nach einer chirurgischen Entfernung eines über Jahre verwachsenen winzigweichen Analintruders!

    Btw. sind Fußnoten, insbesondere die der Pratchettschen Schule, das Maß aller Ding. Also, mehr Fußnoten, damn it!

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