Dr. Christine Leithäuser: Selbstdemontage einer „Journalistin“

Das Blog nennt sich hochtrabend „Neue Wuppertaler Zeitung“ und die Selbstbezeichnung „Journalistin“, und nun bin ich der letzte, der scharfe Berichterstattung bedenklich findet. Das Problem: wenn man mit hochtrabenden Ansprüchen elementarste Grundsätze des Journalismus nicht verstanden hat geschweige denn befolgt, Lügen verbreitet und Korrekturen nicht etwa annimmt, sondern flott aus den Kommentaren weglöscht, dann macht man sich nicht nur unglaubwürdig, sondern erweist jeglichem kritischen Journalismus einen Bärendienst. Es liegt an solchen Personen, dass die Branche mitunter unter Glaubwürdigkeitsproblemen leidet.

Unter dem recht hoch stapelnden Namen „Neue Wuppertaler Zeitung“ wurde vor einigen Wochen von Frau Christine Leithäuser ein Artikel rausgehauen, der vor Lügen und Fehlinformationen nur so strotzt. Titel „Schöner Schein“, und drin wird unter anderem behauptet, der Bahnhof Mirke sei einsturzgefährdet, das Betreten lebensgefährlich, die Baufortschritte ungenügend, der Garten verwahrlost, die Ehrenamtler ausgebeutet und das Bier zu teuer. Ums abzukürzen: nichts davon ist wahr.

Zugegebenermaßen hab ich aber selten eine Ansammlung von auf so viele verschiedene Weisen falscher, verdrehender und schlicht gelogener Aussagen zu Gesicht bekommen. Da haben wir schon inhärente Logikfehler (erst montieren Arbeiter OSB-Platten, dann wird nicht gearbeitet), Lügen wider den direkten Augenschein (dieser Garten ist verwahrlost, diese Hochbeete sind leer oder überwuchert), vollkommene Unkenntnis (es brauche eine fachliche Untersuchung, dabei gibs genau diese mehrfach vor und bei den laufenden Sanierungen).

Vollkommen verwahrloster Garten

Vollkommen verwahrloster Garten

Überwuchtere, verwilderte Hochbeete

Überwuchtere, verwilderte Hochbeete

Die Helfer hätten keine bauhandwerklichen Hintergründe (die haben einige), Schutzausrüstung sei nicht vorhanden (ist sie und wird verwendet). „Notfdürftige“ Abstützungen, „fehlende“ Bauaufsicht, Gefahr für Leib und Leben – einmal mehr: die Chupze muss man haben, das einfach mal zu behaupten bei einer geprüften und von Statikern, Architekten, Zimmermännern und Ämtern regelmäßig beaufsichtigten und freigegebenen, gar gelobten Baustelle.

Rhetorische, vorwurfsvolle bis raunende Fragereien (Warum gibts Verzögerungen?) bei gleichzeitiger offensichtlicher Kenntnis der Gründe (Hausschwamm), gleichzeitiger kompletter Unkenntnis (z.B. Asbest), wahlweise vollkommener Ignoranz (wir haben Pandemie, der Baustoffmarkt spielte zwischenzeitlich verrückt usw.), an sich ein Lehrstück fürs Medienkompetenztraining, Kreation und Analyse von Fakenews und tendenziöser Pseudoberichterstattung.

Bilanzen im Handelsregister online zu finden, war Frau Dr. Leithäuser offenbar nicht imstande. Die eigene Unfähigkeit in der Recherche mit einem „Irritierenderweise fehlen Bilanzen“ im Artikel zu verbraten, ist dann, nun ja, tapfer. Was mich aber am meisten amüsierte, ist eine angebliche „Interviewpassage“, in der eine ungenannte, im „Förderverein engagierte“ Person zitiert wird mit folgender Motivation zur Mitarbeit:

„Weil ich schlecht nein sagen kann, habe ich immer häufiger auch Aufgaben übernommen.“

Nun funktioniert das Engagement in Utopiastadt komplett anders. Menschen kommen zu Utopiastadt, weil sie eine Idee haben, etwas umsetzen wollen, nicht, weil man sie darum bittet. (Fun Fact: Die ganze Sanierung dient unter anderem dem Ziel, hier mehr Angebote machen zu können, weil aktuell schlicht der Platz nicht ausreicht.) Utopiastadt funktioniert im Übrigen insbesondere und nur deshalb, weil man eben nicht Freiwillige um Aktivitäten bitten muss, sondern der Normalfall so aussieht, dass von Ehrenamtlern nachgefragt wird, ob ihre geplante Aktivität so umgesetzt werden kann. Mir scheints erfunden, ich ahne bestenfalls eine Glanzleistung im Demontieren von Zusammenhängen.

Nun rannte ich auch ein paar Jahre mit einem DJV-Presseausweis in der Gegend rum, arbeitete journalistisch und… machte Fehler. Jepp, passiert, passiert auch den Besten. Wenn man das merkt, korrigiert man sich. Man berichtigt, ergänzt, dankt für Hinweise. Darum gehts ja: korrekt informieren. Christine Leithäuser hat durchaus mitbekommen, was sie alles für Böcke geschossen hat. Und ich sag mal so: Menschen mit einem Rest von Anstand, professionelle Ethik mal ganz beiseite, korrigieren dann mal zumindest die gröbsten Patzer. Wenn man moralisch nichts mehr zu verlieren hat, dann korrigiert man zumindest das, was gegebenenfalls rechtlich problematisch werden könnte, da offenkundig Verunglimpfung und üble Nachrede.

Christine Leithäuser korrigiert gar nichts. Stand heute, 6.10.2021 steht der Text unverändert online und unterstellt unter anderem Baufirmen, SiGeKo und Prüfern von der Denkmalbehörde und anderen Institutionen, Menschen wissentlich in Lebensgefahr zu bringen, sprich, ihnen das Betreten eines angeblich einsturzgefährdeten Gebäudes zu genehmigen und dort zu renovieren. Im Gegenteil bietet sie an, gemeinsam „die Zahlen durchzugehen“ – das ist lustig, wenns nicht so traurig wäre, denn warum sollte man mit einer Person „Zahlen durchgehen“, die offenkundig nicht in der Lage ist, eine Bilanz im Unternehmensregister zu recherchieren und die jederzeit bedenkenlos und wider besseres Wissen lügt, wenns ihrer Agenda dient?


Wir stellen fest, journalistisch ist die Frau vollkommen inkompetent. Aber nicht nur da. Einige Zeit später kam ein Artikel in der WZ, der den Stand der Sanierung beleuchtete. Mit folgendem Artikelbild (Ausschnitt), und folgendem Kommentar:

Ich sag mal so: wenn ich zu dumm wäre, einen Stechbeitel von einem Schraubendreher zu unterscheiden, würd ich mich sehr klein machen. Ich würde auf keinen Fall Urteile über „ungeeignete Werkzeuge“ fällen. Es gibt im Übrigen hervorragende Gründe für jeweils unterschiedlichsten Werkzeugeinsatz und ich muss es wissen, denn wir haben bereits alle Fenster und Türen der GPA saniert und dabei eine Menge gelernt. Je nach Holz, Fräsungen/Verzierungen, Art und Menge der (vielen verschiedenen) Lackschichten und, festhalten, deren Inhaltsstoffen, kann man mit Heißluft/Spachtel, Schleifer, Stechbeitel, ja sogar einem Schraubendreher arbeiten. Nur abbeizen konnten wir bisher großflächig verwerfen. Je nach Lack und Fenster kommt man mit dem einen oder anderen schnell voran und gegebenenfalls muss man sich arbeitsschutztechnisch entsprechend vorsehen.

der Kategorische Imperativ im Einsatz

Ungeeignetes Werkzeug namens „kategorischer Imperativ“

Wir halten fest: auch jenseits der journalistischen Befähigung ist weitgehend Ebbe angesagt. „Ungeeignetes Werkzeug“, ha ha. Mir sind 60 Joule Abbruchhammermacht namens „Kategorischer Imperativ“ persönlich bekannt, die unter anderem die WS1-Bodenwegstemmung mit vollbrachten, aber hey, ohne den „Was ist ein Schraubenzieher“-Einführungskurs hat mans auch nicht leicht bei der Werkzeug- und Baustellenbewertung.

Ein Presseausweis.

Noch witziger wird die ganze Geschichte, wenn man bedenkt, dass Christine Leithäuser ernsthaft mit einem bekannten Fake-Presseausweis rumrennt. Ausgestellt vom „DVPJ“, einer Institution, die das Kärtchen ausstellt, sobald wer die Kohle rüberwachsen lässt. Beliebt ist der Dienstleister insbesondere bei Betrügern, Nazis, Reichsbürgern, die sich davon auf Demos ein wenig mehr Narrenfreiheit erhoffen. Die sind immerhin so clever, den Ausweis halt vorzuzeigen, wenns sinnvoll scheint und hoffen, dass man damit durchkommt. Unsere „Journalistin“ geht damit im Netz hausieren. Kann man natürlich machen, wenn man nicht mal die Rahmenbedingungen des eigenen Jobs recherchieren kann.

Aber wie stehts denn um die Transparenz, die Frau Dr. Leithäuser gern einfordert? Widerspruch auf Facebook verträgt sie schlecht, aber geschenkt. Nun stellt sich aber heraus, dass Berichterstattung zur eigenen Person ihr offenbar eher unangenehm ist.

Frau Leithäuser googelt man am besten mit Doktor

Frau Leithäuser googelt man am besten mit Doktor

Wenn man sie inclusive des „Dr.“ googelt, findet sich erstaunlicherweise ein Artikel der WZ, in dem nachzulesen ist, dass sich Frau Leithäuser offenbar mit einer Lehrer- und Elternschaft dermaßen zerstreiten konnte, dass ein Gymnasium den Rauswurf der eigenen Schulleiterin betreiben muss. Ironischerweise wollte man sie am vom Land erwogenen Versetzungsziel auch nicht haben.

Und nun ermöglicht es Google Einzelpersonen, dass Suchergebnisse zu ihrem Namen auf entsprechende Forderungen hin ausgeblendet werden können, was im konkreten Fall erstaunlicherweise auch passiert, denn zum Namen ohne „Dr“. findet sich der Görres-Artikel zwar nicht, dafür aber folgender Hinweis:

Lol Transparenz!

Lol Transparenz!

Na sowas. Bei einer selbsternannten Streiterin für Transparenz, Öffentlichkeit und Pressefreiheit.

Am Ende noch zwei Überlegungen. Ich kenne derart dreistes, öffentliches Lügen und Verunglimpfen durchaus, nur aber in der Regel von Akteuren, die gerichtsbekannt pleite/unpfändbar sind oder wahlweise unter einer Briefkastenfirma in Zypern, besser noch weiter weg firmieren. Ich kanns mir schon erklären, dass niemand Böcke hat, auf ein Müllfeuer auch noch Anwaltskohle zu werfen, nichtsdestotrotz, es verwundert mich etwas und ich beobachte interessiert.

Zum anderen die allgemeinere Überlegung, wie es kommt, dass jemand derart unfähig wird für die Vorstellung, Menschen könnten tatsächlich aus gemeinwohlorientierten Gründen wo anpacken und was gutes und richtiges tun. Und ich glaube, am meisten irritiert mich nicht, dass sich die Frau „Journalistin“ nennt, sondern dass sie ihr Tun mit dem Label „gemeinwohlorientiert“ versieht. Was ist da schiefgelaufen? Ich glaube nicht, dass ich groß im Ruch stehe, sonstwie naiv in der Welt rumzurennen. Im Gegenteil glaube ich eher, eine gewisse Ader für moralisch divergente Agenden gelegentlich mehr zu pflegen, als angemessen ist. Ich kann Egoismus, Hass, Verbitterung, ja durchaus verachtenswerte Weltanschauungen, Motivationen und Charakterzüge nicht durchgehend, aber doch recht oft rational nachvollzienen, wenn auch nicht gutheißen. Aber bei so einer kognitiven Dissonanz wie hier bin ich irgendwie raus.

Aber zugegeben, ich muss nicht alles verstehen. Um hier mal zu einem Ende zu kommen: nebenan gibts noch eine Liste von Max Goldt-Zitaten. Ich geh davon aus, man findet ein passendes und interpretiert es richtig.

Bonus: Lol Medienkompetenz:

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