Gern geteilter Spaß mit der Bahn-Fahrpreisnacherhebung

Es begab sich am 1.11., dass ich von Wuppertal nach Kirchheim musste, mit der Bahn und meiner BahnCard 25 fuhr und mit vertretbarer Verspätung ankam. Nur fiel an diesem Tag die Bahn-Navigator-Infrastruktur komplett aus, was dazu führte, dass ich bei einer Kontrolle mangels Loginmöglichkeit keine Bahncard herzeigen konnte. An sich ging ich davon aus, das kläre sich ob der Umstände schnell, aber Oh Boy, man kann schon falsch liegen. tl;dr, zwei Monate und einige Mails später stehen wir an einem Punkt, an dem die Bahn zwar keine Fahrpreisnacherhebung, aber eine Bearbeitungsgebühr von mir will und inzwischen vergessen hat, dass an besagtem ersten November ihre digitale Infrastruktur im Teich lag, aber eins nach dem anderen, ich bemüh mich um Unterhaltsamkeit.

Wenn man keine Bahncard vorzeigen kann, ist erstmal Latte, wer dran schuld ist: man kriegt einen Zettel mit Daten zur Fahrpreisnacherhebung, strengen Ermahnungen und einem Verweis auf db-fn.de, wo man bequem zahlen und nicht ganz so bequem kommunizieren kann, aber es geht. Die Akteure dort scheinen mit dem Rest der Bahn nichts zu tun zu haben und es war wahrscheinlich ein hellsichtiger Moment meinerseits, direkt nebenbei auch via Bahn.de-Kontaktformular auf die Störung des Navigators und die draus resultierende Nacherhebung hinzuweisen und um Auskunft zum Prozedere zu bitten. Ich erhielt eine freundliche Antwort mit der Bestätigung des besagten bundesweiten Ausfalls.

War da was? Da war was.

War da was? Da war was.

Tja, schön, denn das konnte ich direkt zur ersten Kontaktaufnahme auf db-fn mitschicken und sparte mir bereits einen Loop, da man dort offenbar von allen anderen digitalen Prozessen der Bahn abgeschnitten ist. Man entschuldigte sich für die technische Störung, riet zum Mitnehmen der Plastikkarte und forderte ein Foto der BahnCard an. Ich schickte ein Foto der BahnCard hinterher und dann wurde es spaßig. Auf die Fahrpreisnacherhebung wurde angesichts der technischen Störung nämlich verzichtet, die *Bearbeitungsgebühr* werde aber trotzdem fällig. Kein Scherz, ich zitiere wörtlich:

„Ihre Unterlagen haben wir geprüft.

Wir reduzieren unsere Forderung auf die Bearbeitungsgebühr. Zahlen Sie bitte 7,00 Euro bis 02.02.2024.“

Kurz war ich sauer, dann musste ich irgendwie sehr lachen und bezog mich auf ihre Antwort folgendermaßen:

„……und ich frag mich grade bei aller Liebe, ist das euer Ernst? Es besteht offenbar kein Grund für die Nacherhebung, weil euere Digitalinfrastruktur ausfiel, aber die Bearbeitungsgebühr für eine Nichtnacherhebung wird erhoben?
Sorry, aber ich fasse es nicht.
Ich bitte um ne gute, erneute Begründung, dann ist mir der Spass, mit dem kompletten Internet darüber zu lachen, möglicherweise sieben Ocken wert.“

Man erhält dort nach Mailformular-Nutzung im Übrigen immer nur eine Eingangsbestätigung, nicht etwa eine Kopie der abgeschickten Mail. Das macht das bahn.de-Formular besser, bei db-fn wusste ichs erst nach dem ersten hin und her und begann, meine Anschriebe lokal zu speichern. Es vergingen wieder so knappe zwei Wochen, und plopp, die Navigator-Störung war nie passiert:

„Ihren Vorgang haben wir erneut geprüft. Für den 01.11.2023 lag keine Störung des DB-Navigators vor.

Eine Fahrpreisnacherhebung über das erhöhte Beförderungsentgelt wird immer dann erstellt, wenn der Reisende keine Fahrkarte / Berechtigungskarte vorweisen kann…“

Herrschaftlicher Kater, vollkommen unrelatiert

…und Beharren auf den 7 Ocken (warum eigentlich immer noch nur sieben, wenns doch gar keine Störung gab? Egal.) Ich verwies nochmal auf die eingegangene Bestätigung ob der Störung, sicherheitshalber auch noch auf SpOn, die den Artikel von damals dankenswerterweise noch nicht hinter Paywalls verschwinden ließen und ließ mich vom offenkundigen „Wir dürfen jeden Schwachsinn behaupten“ bahnseitig zu einem Vorschlag hinreißen:

„…Ich werd mir erlauben, die ganze Posse hier zur allgemeinen Belustigung zu veröffentlichen. An der Stelle auch ein Angebot:
die sieben Euro könnt ihr mit einem Bonus von 100% überwiesen bekommen, obgleich euer Anspruch darauf natürlich vollkommen lächerlich ist, da ich eine gültige Fahrkarte und eine gültige digitale BahnCard mit mir führte und ausschließlich der Ausfall *eurer* Infrastruktur dafür sorgte, dass ich mich nicht einloggen und sie vorzeigen konnte. Dafür wünsche ich mir
– eine freundliche Bitte eurerseits, dass ihr die sieben Euro von mir unbedingt braucht, explizit unter Berufung auf einen bonusgeilen Vorstand und einen spritschnüffelnden Verkehrsminister, der euch am ausgestreckten Arm verhungern lässt, nachdem ihr schon vier Legislaturperioden von diversen CSU-Autoministern kaputtgespart wurdet.

Deal? Hey, Quatsch schreiben war bis jetzt doch kein Problem für euch…“

…und nun mal schauen. Ich rechne mit irgendwas Anfang März.

Disclaimer: ich bin ein großer Fan der Bahn und habe Hochachtung davor, was sie aus einer systematisch kaputtgesparten und politisch sabotierten Infrastruktur noch herauszuholen imstande ist. Ich wünsche mir eine verpflichtende und ausschließliche BC100-Nutzung aller mit ihr betrauten politischen Akteure für jede Strecke, die sie nicht zu Fuß oder per Rad zurücklegen. GDL, ihr seid großartig, tretet allen in den Arsch, die euch was von gesellschaftlicher Verantwortung erzählen wollen. ich weiß ein paar Leute, die tragen sie tatsächlich und sie kacken täglich braune, dampfende Haufen drauf.

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2 Responses to Gern geteilter Spaß mit der Bahn-Fahrpreisnacherhebung

  1. c3p sagt:

    Das sind die Momente an welchen man sich fragt ob dort noch Menschen arbeiten oder ob es nicht doch durch eine toootal tolle „KI „beantwortet wird (der Fall „Schuld ist Bahn“ ist im Baumdiagramm augenscheinlich nicht vorgesehen).

  2. Korrupt sagt:

    Es waren tatsächlich alle Mails mit nem persönlichen Footer unterzeichnet. Ich wunder mich eher, warum da die Ticketzuordnung offenbar nicht funktioniert, normal sollte man ja die History offen haben, wenn man da im Prozess ist. KI wär fortschrittlich, ich ahne eher outgesourcte Beschwerdeabteilung mit ein paar armen, unterbezahlten Schweinen.

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