Leicht dahingeworfene Selbstkritik…

…les ich grade beim abspannsitzenbleiber (via eselkult), und krieg ein sehr schales Gefühl im Magen. Nein, nicht mal, weil man Sachen wie

Auf die Anti-Globalisierungsdemo gehen — in H&M-Klamotten, anschließend ‘nen Kaffe bei Starbucks und dann nach Hause aufs IKEA-Sofa
Für Arbeitnehmerrechte sein — und bei Lidl oder Schlecker einkaufen
Naomi Kleins “No Logo” bei Amazon bestellen

doch auch von sich und anderen kennt. Sondern weil die Selbstkritik ein wenig arg muffig wird, wenn in der Spalte daneben die unvermeidlichen amazon-Adlinks auf jüngst gelesenes, gesehenes, gehörtes prangen. Nun ja.

Mich hats seinerzeit schon beim Blumentopf angepisst, wie hiess der Track? „Immer wenn ich dich seh“? Nach der Anti-AKW-Demo geht man zum Burgerking, und der fahrradfahrende Ökopropagandist erholt sich beim Flugurlaub auf Lanzarote vom Mitbürger missionieren, herrjeh. Ich glaub nicht, dass wir ein Problem mit zu vielen H&M-Trägern auf Anti-Globalisierungsdemos haben, eher damit, dass generell zu wenig Leute auf Anti-Globalisierungsdemos gehen. Und wenn sich ein H&M-Träger aufrafft und dahingeht, ist das imo mehr als zu begrüßen. Dass sich meist eh die Geringverdiener für die Arbeitnehmerrechte einsetzen, die den Cent dreimal rumdrehen und eben nicht immer Zeit, Geld und Möglichkeit zum Einkauf beim Ökobauern haben, sondern halt beim Aldi was sparen wollen, ach, ich hör ja schon wieder auf.

Nur das mit den Mac-Usern kann ich auch nicht stehen lassen. Keiner von denen findet Markenwahn doof.

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2 Responses to Leicht dahingeworfene Selbstkritik…

  1. Oli says:

    Da hast du recht … was juckt das H&M Shirt, wenn man höhere Ziele vor Augen hat? Kleinvieh macht zwar auch Mist, aber sofern ich nicht beginne Apple als die Firma mit dem „Volkscomputer“ zu bezeichen, wie viele Apple-Evangelisten nicht müde werden zu behaupten, ist doch alles in bester Ordnung ;-)
    Was erwarten die Leute? Gurus die in Askese leben und nur das richtige tun? War Karl Marx der Arbeiter, der aus Erfahrung sprach? Nein er hatte es gar nicht nötig sich damit zu beschäftigen, aber als intelligenter Mensch setzte er sich für die richtigen Dinge ein.
    Bereitet man den Weg für die „großen“ Dinge, werden auch die Kleinigkeiten auf dem Weg dorthin „bereinigt“ :)

  2. Ralf says:

    Wie passend, was die taz dazu heute schreibt:
    http://www.taz.de/pt/2006/04/19/a0113.1/text

    Es grüßt der
    Ralf

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